Ist das Duell zwischen dem FC Basel und den Young Boys aus Bern noch ein Spitzenspiel, wenn 21 Punkte zwischen dem Ersten und dem Zweiten liegen? Vielen Baslern mag erst nach der Fasnacht wieder eingefallen sein, dass am Sonntag ja das Heimspiel gegen YB ansteht. Verständlich, denn sportlich geht es auf den ersten Blick um nichts. Egal, wie das Spiel ausgeht: Der Abstand bleibt gross, die Meisterschaft semispannend.

Für die Verantwortlichen beim FCB ist es anders. «Es gibt Spiele, an die ich mich lieber nicht zurückerinnere», sagt Marek Suchy. Der FCB-Captain sinnt nach den schmerzhaften Niederlagen gegen YB aus der Hinrunde nach Revanche: «Zum Glück fängt im Fussball jedes Spiel wieder mit 0:0 an. Wir blenden alles aus, auch den Rückstand in der Tabelle. Wir spielen zu Hause und wollen sie schlagen. Nichts anderes zählt am Sonntag.»

Defensiv deutlich stabiler

Suchy kann unverbraucht in das Duell mit YB gehen. Schliesslich verpasste er sowohl das 1:7 in Bern als auch das 1:3 in Basel wegen seines Achillessehnenrisses. Seit seinem Comeback ist der FCB noch ungeschlagen. Sowieso hat Rotblau seit dem 1:3 Anfang Dezember, der anschliessenden Spieler-Revolte und der Aussprache nicht mehr verloren. Aber ist der FCB schon wieder auf dem Niveau, um YB ernsthaft gefährden zu können?

Unsere Zahlen (siehe Grafik unten) sagen: Ja. Basel hat sich in vielen Bereichen verbessert. Vor allem in der Defensive ist der FCB jetzt deutlich stabiler. Er lässt weniger Chancen zu und kassiert seit dem letzten Aufeinandertreffen gegen YB viermal weniger Gegentore. Ob das allein an der Rückkehr von Marek Suchy liegt?

«Nein. Das ist falsch», sagt er und lacht. Auch eine defensivere Grundausrichtung verneint der Innenverteidiger. Er hat eine andere Erklärung: «Wir spielen auch 2019 so, wie Basel immer gespielt hat: nach vorne. Wenn die Offensive gut spielt, wird der Gegner müde. Das wirkt sich dann auf die Verteidigungszahlen aus.»

FCB-Trainer Marcel Koller findet noch einen weiteren Grund, der auch mit der Offensive zu tun hat: das bessere defensive Bewusstsein seiner Spieler. Sonst gerne kurz und knapp angebunden, erklärt Koller diesmal ausführlich: «Defensivarbeit verrichten die meisten Fussballer grundsätzlich nicht gerne.

Das machen nur Verteidiger bewusst. Alle anderen wollen lieber mit dem Ball nach vorne kombinieren und Tore schiessen. Sie müssen das Bewusstsein, dass du nach Ballverlusten direkt vorne attackieren gehst, und wenn das nicht funktioniert, zurück auf deine Position gehst und gut stehst, erst erlernen.

Für mich gibt es im Fussball Defensive und Offensive. Und wenn jeder Einzelne beides gut macht, hast du als Mannschaft gute Möglichkeiten, erfolgreich zu sein. Mit unseren Fähigkeiten im fussballerischen Bereich ist es wichtig, dass wir trotzdem auch das Bewusstsein in der Defensive erlangen. Je länger wir zusammenarbeiten, desto bewusster wird das den Spielern natürlich auch.»

Zambrano zurück, Petretta fraglich

Seit dieser Woche und der Rückkehr von Carlos Zambrano ins Mannschaftstraining stehen Koller sechs zentrale Verteidiger zur Verfügung. Zehn verschiedene Innenverteidiger-Duos hat der Trainer in dieser Saison bereits in die Startelf beordert. Marek Suchy spielte zuletzt nie zwei Spiele in Folge mit demselben Partner.

Er lacht, als er darauf angesprochen wird: «Ich nehme es so, wie es kommt. Für mein Spiel ändert sich grundsätzlich nichts.» Suchy spielt mit allen Kollegen gerne zusammen. Wichtig ist ihm lediglich, dass er spielt, und das dürfte auch gegen YB der Fall sein.

Mit einem Sieg würde der FCB seine Serie ohne Niederlage auf zehn Spiele ausbauen und den Rückstand auf 18 Punkte verkürzen. «Wenn wir auf dem Platz überzeugt auftreten, haben wir alle Möglichkeiten, YB zu schlagen. Wir wollten in der Rückrunde näher ranrücken. Bislang ist uns das noch nicht gelungen», sagt Koller vor dem Spiel. Am Sonntag kann sich das ändern.