Da waren’s nur noch neun. Nachdem Silvan Dillier von seinem BMC-Team für die Tour de Suisse ausgebootet wurde, ist die Zahl der Schweizer Radprofis an der heimischen Rundfahrt in den einstelligen Bereich abgesackt.

Im Jahr 2016 waren noch 16 Einheimische am Start. Darunter mit Fabian Cancellara auch der grosse Star der vergangenen zehn Jahre. Mit der Teilnahme des Aushängeschilds der nationalen Radsportszene hatte die Tour de Suisse auch immer einen Zuschauermagnet auf sicher. Das gehört nun der Vergangenheit an.

Formtest für die Tour de France

Gesucht ist nun ein Nachfolger, der die Massen zu begeistern vermag. Eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Trotzdem haben die Schweizer Radprofis in der laufenden Saison gezeigt, dass sie durchaus in der Lage sind, in die Bresche zu springen. Eine Handvoll «Radgenossen» hat das Potenzial, an der Tour de Suisse das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen.

Zum Beispiel Mathias Frank: Der Pfaffnauer, der inzwischen in Nottwil wohnt, geht als Leader des französischen AG2R-Teams ins Rennen. Für den 30-Jährigen ist die Tour de Suisse ein erster Formtest im Hinblick auf die Tour de France, wo er als Edelhelfer des letztjährigen Gesamtzweiten Romain Bardet zum Einsatz kommt.

Frank darf an seiner «Heimrundfahrt» auf eigene Rechnung fahren, muss aber sicher seinen Energiehaushalt im Auge behalten. Er hat auf jeden Fall das Potenzial für einen Top-Ten-Platz im Gesamtklassement.

Reichen Reichenbachs Kräfte?

Zum Beispiel Sébastien Reichenbach: Der Walliser stellte seine Qualitäten am Berg am Giro d’Italia einmal mehr eindrücklich unter Beweis und beendete die schwere Rundfahrt auf dem 15. Rang der Gesamtwertung.

Aufgrund der schwierigen Topografie der Tour de Suisse Ausgabe 2017 ist dem Profi des französischen FDJ-Teams durchaus eine Spitzenklassierung zuzutrauen. Stellt sich allerdings die Frage, wie er die Strapazen der Italien-Rundfahrt verdaut hat.

Zum Beispiel Michael Albasini: Auch mit 36 gehört der Ostschweizer immer noch zum Kreis der Radprofis, die an einem guten Tag zu einem Exploit fähig sind. Albasini hat einen ausgezeichneten Frühling mit mehreren Spitzenresultaten (u.a. Etappensieg an der Tour de Romandie) hinter sich. Mit ihm ist auch an der Tour de Suisse zu rechnen.

Küngs Chance beim Prolog

Zum Beispiel Stefan Küng: Der Thurgauer ist aktuell die grösste Hoffnung, dereinst die Nachfolge von Fabian Cancellara antreten zu können. Die letzten Jahre waren geprägt von Verletzungen und Krankheiten.

In der laufenden Saison hat Küng das erste Mal die Chance, wirklich zu zeigen, was in ihm steckt. Er feiert seine Tour-de-Suisse-Premiere und könnte als Zeitfahrspezialist gleich beim Prolog vom kommenden Samstag ein erstes Ausrufezeichen setzen.

Und der Rest? Für die beiden Oldies Martin Elmiger (39) und Grégory Rast (37) ist vor allem der Auftakt der Rundfahrt in ihrer unmittelbaren Heimat von Interesse. Steve Morabito dürfte sich aus demselben Grund die Etappe nach Villars rot angestrichen haben. Auch wenn Cancellara fehlt: An Spannung fehlt es aus Schweizer Sicht nicht.