Kommentar

Vor der neuen Skisaison: Schalten Sie doch mal wieder ein

Die Skisaison beginnt an diesem Wochenende mit einem Riesenslalom der Männer und Frauen im österreichischen Sölden.

Die Skisaison beginnt an diesem Wochenende mit einem Riesenslalom der Männer und Frauen im österreichischen Sölden.

Die Sportart «Ski alpin» verliert in der Schweiz an Interesse. Immer weniger Leute schalten an einem Samstag- oder Sonntagmittag ihren Fernseher ein. Unser Redakteur Martin Probst bedauert diese Entwicklung.

Das erste Rennen des Winters haben die Skifahrerinnen und Skifahrer verloren. Das Weihnachtsgebäck ist in einigen Geschäften bereits da. Daran haben wir uns aber genauso gewöhnt wie an den frühen Saisonstart der Alpinen an diesem Wochenende in Sölden. Ob Guetzli oder Skisport im Oktober: Gluschtig soll es machen.

Während die Guetzli fast allen immer wieder schmecken, vergeht aber manchen die Lust
auf Schnee. Jedes Jahr ein bisschen mehr. Alles fährt Ski? Das gilt in der Schweiz längst nicht mehr. Diese Entwicklung wird früher oder später zum ernsten Problem. Für die Industrie, für den Tourismus – und auch für den Sport. Dass das Interesse am Skisport schwindet, hat diverse Gründe.

Um ihn selbst zu betreiben, ist er für viele zu teuer. Skifahren ist ein Luxus, den immer weniger Menschen bezahlen können oder wollen. Die Zeiten, als Schweizer Kinder so selbstverständlich auf den Ski standen, wie sie Fahrrad fahren, sind schon länger vorbei.

Erfolg gibt es nicht nur im Skisport, und darum schwindet das Interesse

Der Skisport gerät dadurch etwas in Vergessenheit. Die Einschaltquoten sinken. Besonders junge Menschen schalten den TV nur noch selten ein, um ein Rennen zu schauen.

Vermutlich auch in der neuen Saison – und dies, obwohl im Februar 2017 die WM in St. Moritz stattfindet und somit zum ersten mal seit 2003 in der Schweiz. Nur: der Skisport gehört nicht mehr so selbstverständlich zum Leben, wie das noch vor einer Generation der Fall war.

Seit ein paar Jahren sind wir Schweizerinnen und Schweizer zudem in Sachen Sport verwöhnt. Wir können ausweichen zum Tennis und mit Roger Federer oder Stan Wawrinka mitfiebern. Oder wir schauen Langlauf und verfolgen Dario Cologna. Oder Turnen mit Giulia Steingruber. Zudem ist die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft mittlerweile regelmässig an grossen Turnieren dabei. Kurz: Die Konkurrenz für den Skisport ist grösser geworden. Weil
wir nicht mehr nur im Skifahren spitze sind.

Doch irgendwann sind diese Zeiten vielleicht vorbei. Irgendwann wird der Erfolg in anderen Sportarten wieder seltener. Und dann muss der Skisport wieder Schweizer Nationalsport sein. Weil wir darin (fast) immer gut waren und es immer noch sind. Der Skisport als Erfolgs-Garant.

Nur interessiert er dann überhaupt noch? Oder kennen unsere Kinder den Skisport bald nicht mehr richtig? Weil wir am Wochenende längst nicht mehr gemeinsam vor dem Fernseher sitzen, um Skirennen zu schauen? Weil die Skifahrerinnen und Skifahrer keine Schweizer Heldinnen und Helden mehr sind? Kurz: Weil der Skisport immer etwas mehr vergessen geht?

Das gemeinsame Erlebnis kann das Interesse schnell wieder wecken

So weit sind wir natürlich noch nicht. Doch die Entwicklung geht in diese Richtung. Bernhard Russi funktioniert auch Jahrzehnte nach seiner Karriere als Werbeträger. Ob das dereinst auch für Lara Gut gilt, wenn sie einmal 70 Jahre alt ist? Schon heute wird sie von Jugendlichen nicht überall erkannt. Das war bei Vreni Schneider anders. Kein Kind, das sie nie Ski fahren sah.

Jetzt kann man natürlich die Frage stellen, ob diese Entwicklung überhaupt gestoppt werden soll? Die Nachfrage bestimmt schliesslich das Interesse. Diese Argumentation ist plausibel, aber die Konsequenz wäre bedauerlich. Weil mit dem schwindenden Interesse am Skisport auch ein Stück Schweizer Kultur verloren geht.

Was also tun? Es geht darum, das Interesse am Skisport am Leben zu halten. Indem wir zum Beispiel die Tradition des Skirennenschauens weitergeben. Sitzen Sie doch am Samstag und Sonntag mal wieder mit ihren Töchtern und Söhnen, mit ihren Enkelinnen und Enkeln vor den Fernseher und schauen Lara Gut und Co. in Sölden zu. Das Interesse ist schnell geweckt. Oder wie wurden Sie mit dem Skivirus infiziert?

Sie haben Zweifel, ob das auch heute noch funktioniert? Der Schwingsport erlebt gerade einen Boom, weil sich die junge Generation offenbar nach alten Werten sehnt. Der Skisport hat auch etwas Traditionelles. Es ging zuletzt aber vergessen, dies weiterzugeben. Dies sollte sich wieder ändern. Die Schweizer Skifahrerinnen und Skifahrer hätten es verdient.

Interview mit Lara Gut

Interview mit Lara Gut

Ski-Gesamtweltcup-Siegerin Lara Gut äußert sich im Rahmen einer Audi driving experience in Neuburg an der Donau unter anderem zum Fahrerlebnis sowie zu ihrer Vorbereitung auf die kommende Sasion.

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