Frauenfussball

Vor dem Spiel gegen Kroatien: Géraldine Reuteler ist eine zierliche Torjägerin – aber der Star der Nati

Setzt auch mal zur Grätsche an: Géraldine Reuteler. (Andy Mueller/Freshfocus)

Setzt auch mal zur Grätsche an: Géraldine Reuteler. (Andy Mueller/Freshfocus)

Offensivspielerin Géraldine Reuteler ist erst 20 Jahre alt, aber aus dem Schweizer Nationalteam nicht mehr wegzudenken.

Die Stimmung im Schweizer Nationalteam ist locker an diesem Montagmorgen. Nach zwei klaren Startsiegen in der EM-Qualifikation gegen Litauen wird gescherzt und viel gelacht. Mittendrin steht Géraldine Reuteler. Mit ihrer zierlichen Postur und ihrer Körpergrösse von 1,64 Meter fällt sie nicht auf. Sie ist auch keine Sprücheklopferin. Sobald es aber an den Ball geht, blüht die 20-jährige Nidwaldnerin auf.

Erst dann fällt auf, warum sie als wohl grösste Schweizer Hoffnung im Frauenfussball gilt. Sie ist ein Schlitzohr auf dem Platz, kreativ und torgefährlich. Mit 20 ist sie bereits in der zweiten Saison beim Bundesligisten 1. FFC Frankfurt, wo sie in ihrer Premiersaison sogleich Topskorerin ihres Teams war. Und derzeit ist Reuteler in richtig guter Form. Frankfurt ist auch dank ihrer Mittelstürmerin im Hoch, siegt zum Saisonstart in vier von fünf Spielen. Reuteler steht stets in der Startaufstellung und erzielt dabei zwei Tore.

Wie gut sie derzeit drauf ist, will sie auch im Nationalteam zeigen, wo das Talent unverzichtbar ist. Die Qualifikation zur EM ist das Ziel, nachdem die Schweiz die Qualifikation zur diesjährigen WM verpasst hat. Dies obwohl Reuteler ein schönes Tor gegen Belgien erzielte, wodurch sie gestern einen Award erhielt. «Es wäre etwas möglich gewesen an der WM», ist Reuteler überzeugt. Statt an der WM im Rampenlicht zu stehen, erlebte sie die WM in Frankreich als Zuschauerin mit. Drei Spiele schaute sie sich live in Nizza an, wo ihre Grossmutter lebt. «Es wäre unglaublich schön gewesen, selber da zu spielen», sagt sie. Kein Wunder, steht eine WM-Endrunde noch auf der To-Do-Liste von Géraldine Reuteler. An der EM 2017 hat sie als Küken zum ersten Mal Luft an einer Endrunde geschnuppert.

Sportlich geht der Weg von Reuteler steil nach oben: FC Stans, FC Luzern, Schweizer Nationalteam, 1. FFC Frankfurt. Überall setzt sich Reuteler auf Anhieb durch, alles geschieht im Schnellzugtempo. Sowohl beim Debüt in der Nationalliga A als auch im Nationalteam markiert sie zwei Tore, auch in der Bundesliga ist sie sogleich Stammspielerin. Doch auch das Supertalent hat Stolpersteine zu überwinden. Als sie von den Buben des FC Stans in die U15 des FC Luzern wechselt, tut sie sich als einziges Mädchen in einem Bubenteam schwer. Es ist anders als mit ihren Freunden seit Kindheitstagen, der Umgangston ist rauer. Vielleicht auch darum setzt sie sich bei den Frauen so rasch durch. Später fühlt sie sich nach ihrem Wechsel nach Frankfurt im Sommer 2018 erneut einsam. Als Profifussballerin hat sie plötzlich viel mehr Freizeit, macht sich Gedanken. «Ich hatte grosses Heimweh, obwohl ich mich in Frankfurt eigentlich wohlfühlte.»

Reutelers Freundin wohnt nun auch in Frankfurt

Spätestens seit in diesem Sommer ihre Freundin Laila Koch zu ihr nach Frankfurt gezügelt ist, fühlt sich Reuteler sichtlich wohl. «Die Fernbeziehung war echt schwer, darum bin ich glücklich, dass Laila auch in Frankfurt ist.» Koch ist Torhüterin bei Eintracht Frankfurt in der Regionalliga. Ab nächster Saison könnte das Paar demselben Verein angehören, da der 1. FFC Frankfurt und Eintracht Frankfurt fusionieren sollen. «Ich hoffe, dass wir dann von der besseren Infrastruktur der Männer profitieren können», sagt Reuteler.

Änderungen gab es auch bei der Schweizer Nationalmannschaft, Nils Nielsen hat Martina Voss-Tecklenburg abgelöst. «Der Trainerwechsel war sehr wichtig», findet Reuteler. Nielsen habe eine andere Art als Martina Voss-Tecklenburg, er nimmt es gemütlicher. Oder wie es Reuteler ausdrückt:

Diese neu gewonnene Freiheit zeigt sich auch während des Abschlusstrainings vor dem Duell mit Kroatien. «Ich glaube, diese Lockerheit tut uns richtig gut», sagt Reuteler. Kroatien dürfte als ein bisschen stärker als die schwachen Litauerinnen einzuschätzen sein, gegen die das Schweizer Team mit 4:0 und 3:0 siegte. Reuteler ist aber optimistisch:

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1