Skispringen
Vor dem Heim-Springen in Engelberg: Wo steht Simon Ammann?

Der Schweizer Teamleader gibt vor dem Weltcup in Engelberg zwiespältige Signale. Nach seinem Doppelschlag in Kuusamo, bekundet Ammann im Training und der Qualifikation in Engelberg noch Mühe.

Simon Steiner, Engelberg
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Simon Ammann hielt sich gestern im Training in Engelberg bedeckt, was seine Form betrifft.

Simon Ammann hielt sich gestern im Training in Engelberg bedeckt, was seine Form betrifft.

Keystone

Auch Engelberg ist keine Insel im schneefreien Winter. Zwar präsentieren sich die Berge um den Titlis im weissen Kleid, im Klosterdorf selber präsentieren sich die Wiesen jedoch so grün wie im Herbst. Umso erstaunlicher, dass es den Obwaldnern gelungen ist, wenigstens die Skisprung-Schanze wettkampftauglich herzurichten. Ein Altschnee-Depot machte es möglich, dass die Anlage bereit ist für die beiden Weltcupspringen vom Wochenende.

Stets einen Tick zu spät

Ob Simon Ammann dafür ebenfalls bereit ist, scheint weniger klar. Obwohl der Schweizer Teamleader nach seinem Doppelschlag von Kuusamo bereits zwei Saisonsiege auf dem Konto hat, sendet Ammann vor dem Heimauftritt in Engelberg widersprüchliche Signale aus. In Training und Qualifikation bekundete der 33-Jährige noch Mühe mit dem Timing, war beim Absprung stets einen Tick zu spät dran und landete früher, als dies für einen Spitzenrang nötig wäre.

«Nun gilt es umzuschalten», sagte Ammann deutlich. «Für den Wettkampf muss ich noch zulegen.» Eine allzu grosse Verunsicherung liess sich der vierfache Olympiasieger dabei nicht anmerken. «Ich habe den Sprung im Kopf, den es für eine Top-Klassierung braucht.» Der Toggenburger hat sich deshalb vorgenommen, heute mindestens unter die besten Fünf zu springen. «Oder noch lieber aufs Podest», wie er sagt.

Schwäche bei der Landung

Dass seine Form grundsätzlich da ist, hat Ammann mit seinem Saisonstart gezeigt. Einzig seine Schwächen bei der Landung konnte er bisher auch in diesem Winter nicht verbergen – und muss deshalb nach wie vor empfindliche Punkteabzüge durch die Kampfrichter in Kauf nehmen. «Ich arbeite daran», sagt Ammann. «Aber ich springe lieber weit, als dass ich nach einem kurzen Sprung eine schöne Landung hinlege.»

Um die bevorstehende Phase mit Engelberg und der Vierschanzentournee erholt in Angriff nehmen zu können, hat Ammann wie das ganze Schweizer Team auf die letzten Weltcupspringen im russischen Nischni Tagil verzichtet und dafür vorletzte Woche nach den Springen in Lillehammer noch einige Trainingstage angehängt. «Letztes Jahr habe ich die Pause erst im Januar gemacht. Das war zu spät», sagt Ammann, der damals nach einer starken Tournee auf die Olympischen Spiele in Sotschi hin den Erfolgsfaden verlor.

In Engelberg will Ammann nun vor der Vierschanzentournee, die am 28. Dezember in Oberstdorf beginnt, noch einmal Selbstvertrauen tanken. «Es ist wichtig, vor der Tournee nochmals ein Erfolgserlebnis zu haben», sagt er. Gleichzeitig sind die Ergebnisse auf der als schwierig geltenden Titlis-Schanze als Gradmesser für die prestigeträchtige Wettkampfserie in Deutschland und Österreich nur beschränkt geeignet. Vor einem Jahr etwa erlitt Ammann in Engelberg nach zwei Podestplätzen in der Vorwoche ein herbe Niederlage – und siegte daraufhin beim Tourneeauftakt in Oberstdorf.

Junge Schweizer zeigen sich

Einen deutlichen Akzent setzte in der gestrigen Qualifikation die junge Schweizer Springer-Generation. Neben dem vorqualifizierten Ammann sicherten sich mit Killian Peier, Gabriel Karlen, Andreas Schuler und Gregor Deschwanden gleich vier Athleten einen Startplatz für heute. Den stärksten Eindruck hinterliess Peier als Qualifikations-Siebter. Der Waadtländer hatte bereits beim Weltcup-Auftakt in Klingenthal mit Rang 17 auf sich aufmerksam gemacht.