Champions League
Vor Chelsea-Barcelona: Erinnerungen an eine Schiedsrichter-Jagd

Der Champions League-Halbfinal 2009 zwischen Chelsea und Barcelona ging in die Fussballgeschichte ein. Der Norwegische Schiedsrichter leitete das Spiel miserabel und war wohl auch für das Ausscheiden von Chelsea verantwortlich, indem er den Londonern mehrere Penaltys verweigerte. Nun nimmt er gegenüber der Spanischen Zeitschrift «Marca» Stellung.

Markus Brütsch
Markus Brütsch
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Michael Ballack und Schiedsrichter Tom Övrebö

Michael Ballack und Schiedsrichter Tom Övrebö

Keystone

Es ist der 6. Mai 2009 und die Stamford Bridge der Schauplatz eines der aufwühlendsten Spiele, die je in der Champions League stattgefunden haben. In bester Erinnerung geblieben sind die Bilder, wie der Deutsche Michael Ballack den norwegischen Schiedsrichter Tom Henning Övrebö mit ausgestreckten Armen und weit aufgerissenem Maul über den Platz jagte – wie ein Löwe eine Antilope.

Was war passiert in diesem Halbfinal-Rückspiel zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona? Nach einem 0:0 in Spanien führten die Engländer zu Hause vor 40 000 Zuschauern durch ein Tor von Essien 1:0 und hatten alles im Griff, bis in der Nachspielzeit Barcelonas Iniesta mit einem Schuss unter die Latte zum 1:1 traf und seine Mannschaft damit in den Final gegen Manchester United schoss.

Nicht dieser Treffer aber war es gewesen, der die Gastgeber so sehr erzürnte, dass Övrebö unter Polizeischutz aus dem Stadion gebracht werden musste und danach das Hotel wechselte aus Angst, Hooligans könnten ihm etwas antun. Nein, der Referee hatte Chelsea mindestens vier Penaltys verweigert.

Dessen Captain John Terry sprach gar von sechs und die spanische Sportzeitung «AS» zeigte online fünf Szenen, die alle einen Strafstoss gerechtfertigt hätten. Der gravierendeste Irrtum war Övrebö unterlaufen, als er nach einem klar im Strafraum begangenen Foul an Malouda den Tatort ausserhalb des Sechzehnmeterraumes fixierte, obwohl er beste Sicht gehabt hatte. «Wir sind beraubt worden», sagte Chelsea-Trainer Guus Hiddink, während «Daily Mail» schrieb: «Heraus-Betrogen».

Kein Wunder, gruben spanische und englische Medien nun diese Story wieder aus, bevor die beiden Klubs in dieser Woche im Achtelfinal wieder aufeinandertreffen. Im Interview mit der Sportzeitung «Marca» räumte Övrebö ein, er sei nicht stolz auf seine Leistung an jenem Abend, als er eine ganze Reihe von Fehlern begangen habe. Es war eine der schlechtesten Schiedsrichterleistungen in der Europacupgeschichte.

Insgesamt haben Chelsea und Barcelona in der Champions League schon fünf K.-o.-Duelle gegeneinander ausgetragen. Barcelona kam drei Mal weiter.