Garmisch

Vonn steigert mit Siegen ihr Selbstvertrauen für die Olympischen Spiele: «Ich hatte ein bisschen Angst»

Lindsey Vonn steigert mit zwei Siegen in Garmisch ihr Selbstvertrauen.

Lindsey Vonn steigert mit zwei Siegen in Garmisch ihr Selbstvertrauen.

Lindsey Vonn gewinnt und gewinnt. In Garmisch holte sich die Amerikanerin in der Abfahrt am Samstag und Sonntag die Goldmedaille. 81 Mal konnte sie bei Weltcup-Rennen bereits ganz oben auf dem Treppchen stehen. Dieses Wochenende hat sie es bewiesen: Sie ist bereit für PyeongChang.

Lindsey Vonn schloss die Augen und legte stolz ihre rechte Hand auf die Brust, als zum 81. Mal im Weltcup die amerikanische Nationalhymne für sie gespielt wurde. «Es ist wunderschön», sagte sie nach ihrem zweiten Abfahrtssieg in Garmisch-Partenkirchen binnen 24 Stunden, und: «Ich bin bereit für Olympia.»

Nur noch fünf Siege trennen Vonn nun von ihrem Ziel, der Weltcup-Bestmarke von Ingemar Stenmark (86 Siege). «Auf den Rekord», sagte sie lächelnd, «werde ich mich nach den Olympischen Spielen konzentrieren – die Spiele sind jetzt das, was zählt.» Stenmarks Marke wird sie sowieso erst im nächsten Winter knacken können. «Für das Selbstvertrauen sind Siege natürlich absolut perfekt.»

Ein Zweikampf mit Goggia

In der Abfahrt kann Lindsey Vonn nach ihren zwei Erfolgen insgesamt 42 Siege verbuchen. Auch diesbezüglich hat sie sich an die Fersen von Stenmark geheftet. Nur der Schwede war in einer einzelnen Disziplin bisher erfolgreicher. Er gewann einst im Riesenslalom 46 Mal. Und klar ist zudem, dass es im Kampf um den Abfahrts-Weltcup einen Zweikampf geben dürfte.

Es steht nur noch das Rennen beim Finale in Are auf dem Programm. Noch immer führt Sofia Goggia die Wertung an, doch Lindsey Vonn verkürzte den Rückstand auf 23 Punkte. Tina Weirather als Dritte liegt 71 Punkte zurück und hat nur mehr eine Aussenseiter-Chance.
Auch an den Olympischen Spielen in Südkorea dürfte es zum Zweikampf zwischen Vonn und Goggia um Gold kommen.

«es ist Zeit zu tauschen»

Mit der 25-jährigen Italienerin, sagte Vonn (33), sei es ein spannendes Duell: «Wir pushen uns, aber egal, wer gewinnt: Wir haben immer Respekt voreinander.» Bei den olympischen Testrennen 2017 hatte Goggia in Abfahrt und Super-G knapp die Nase vorne gehabt. «Jetzt», sagte Vonn, «ist es Zeit, zu tauschen.»

Damit der Traum von Olympia-Gold wahr werden kann, hat Vonn sogar auf das letzte Risiko verzichtet: «Ich habe ein bisschen Angst gehabt. Ich dachte: Gib Gas, aber fahre solide und gehe kein Risiko ein. Das Wichtigste ist Olympia.»

Gisin fährt stark

Stark fuhr gestern die Obwaldnerin Michelle Gisin, die erst zum zweiten Mal mit der Abfahrtsstrecke in Garmisch Bekanntschaft machte. Dennoch ist sie inzwischen in dieser Disziplin zur Team-Leaderin gereift, keine andere fährt derzeit so konstant Spitzenränge heraus wie die 24-Jährige. Als Fünfte, 57 Hundertstel hinter der Siegerin hielt sich die Innerschweizerin schon zum vierten Mal in diesem Winter in den Top 6 einer Abfahrt.

Besser war sie bisher nur in Lake Louise gefahren. Dort hatte Gisin als Dritte den einzigen Schweizer Abfahrts-Podestplatz der Saison herausgefahren. Am Sonntag erwischte die Engelbergerin vor allem die sogenannte Hölle viel besser als am Samstag. Im ersten Anlauf war sie nach einem Fehler in diesem Schlüssel-Abschnitt nur 14. geworden.

Lara Gut, tags zuvor als Sechste die einzige Schweizerin in den Top 10, gelang die zweite Abfahrt weit weniger gut. Für die Tessinerin resultierte lediglich Platz 20. Damit lag sich auch noch hinter der Schwyzerin Corinne Suter (11.) und der Bündnerin Jasmine Flury (13.). Im Super-G ist Lara Gut nach ihrem Kreuzbandriss bereits wieder zu Siegen fähig, doch «in der Abfahrt brauche ich noch einige Fahrten», erklärte sie in Garmisch.

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