Noch immer gibt es kein Lebenszeichen von Florijana Ismaili. Die 24-jährige Schweizer Fussball-Nationalspielerin verschwand am Samstagnachmittag im Comersee. Die Hoffnung, sie noch lebend zu finden, ist gegen null gesunken.

Florijana Ismaili hatte auf dem Comersee gemeinsam mit einer Freundin auf einem Motorboot das warme Wetter genossen. Als sie zur Abkühlung ins Wasser sprang, tauchte sie nicht mehr auf. Der See ist an jener Stelle über hundert Meter tief. Die Freundin rief die Polizei, seither sucht man nach der 24-Jährigen – bisher vergebens. Seit Montag kommt auch ein Roboter zur Suche zum Einsatz.

Erst durch ihr Verschwinden erlangt Florijana Ismaili nationale Berühmtheit. Sogar international wird über die Schweizer Nationalspielerin berichtet. Dabei hätte, wenn es nach ihr gegangen wäre, schon längst ihre fussballerischen Leistungen dazu reichen sollen. Seit Jahren setzte sie sich öffentlich dafür ein, dass der Frauenfussball eine höhere Anerkennung erhält. Sportlich war sie für ihren Verein, der BSC Young Boys, enorm wichtig. Als Captain erzielte die Bernerin in der abgelaufenen Saison am meisten Treffer ihres Teams, seit 2014 bestritt sie für das Schweizer Nationalteam 33 Partien. Erst vor zwei Wochen streifte sich die Schweiz-Albanische Doppelbürgerin letztmals das Nationaltrikot über, gegen Serbien stand sie 59 Minuten auf dem Platz.

In der Zeitung «der Bund» erzählte sie einst, wie sie den Frauenfussball mit 10 Jahren entdeckte. Zuvor hatte sie mit Jungs gespielt, danach wechselte sie zu den Juniorinnen des FC Walperswil. «Dann begann ich zu verstehen, dass es diese ganze Fussballwelt mit Profiteams und Nationalmannschaften auch für Frauen gibt.» Sie wechselte 2011 zu YB, nur wenig später wurde sie zum einzigen Mal Schweizer Meister.

Bei YB konnte Ismaili nicht nur auf den Fussball setzen, arbeitete daneben 30 bis 40 Prozent am Empfang eines Fitnessstudios. Deshalb sagte Ismaili in einem Interview, dass sie sich einen Wechsel nach Deutschland erhoffe, um nicht noch nebenher arbeiten zu müssen – und ihren Traum vom Profifussball vollends verwirklichen zu können.

26 Grad? Kein erhöhtes Risiko

Aus medizinischer Sicht sei das Verschwinden von Ismaili derzeit nur schwer nachzuvollziehen, sagt German Clénin, Präsident der Schweizerische Gesellschaft für Sportmedizin. «Grundsätzlich ist ein etwa 26 Grad warmer See kein grösseres Risiko nach einer Überhitzung. Das wäre etwa bei einem kalten Bergsee anders.» Dazu komme, dass Ismaili als Kaderspielerin der Schweizer Nationalmannschaft über ein grosses Wissen bezüglich nötiger Ernährung verfüge.

Sportler können grundsätzlich besser mit erhöhter Hitze umgehen. «Zudem sind Spitzensportler besser geschult und wissen, wie sie sich auf Hitze vorbereiten können.» In diesem konkreten Fall könne man davon ausgehen, dass Ismaili die Gefahr wohl unterschätzt habe. Beim Sprung ins Wasser könne es sein, dass man das Bewusstsein verliere oder, dass das Herz kurz aussetzte. Eine Herzerkrankung schliesst Clénin jedoch aus. «Als Kaderathletin wurde sie bestimmt sportärztlich untersucht.» Im Triathlon ist das Schwimmen übrigens wegen gesundheitlichen Gründen bereits zu Beginn. Am Ende könnte dies für einen bereits überhitzten Körper zu einem Problem führen.

In extremen Hitzesituationen empfiehlt der Sportarzt, dass man vor dem Sprung ins Wasser zunächst Arme und Beine benetzen soll. Das gilt insbesondere dann, wenn man - wie im Fall von Ismaili – lange Zeit an der Sonne verbrachte und aufgeheizt ist.