NHL-Drafts
Von Früh- und Spätstartern: Wie erging es den Schweizer Erstrunden-Picks?

1997 wird der erste Schweizer in der ersten Runde des NHL-Drafts gezogen. Nico Hischier ist nun schon der neunte Schweizer, der in der ersten Runde gedraftet wird. Wie erging es den anderen Erstrunden-Picks?

Klaus Zaugg
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Kevin Fiala: Nashville schätzt sein Potenzial richtig ein und zieht ihn im Draft 2014 in der ersten Runde als Nummer 11.

Kevin Fiala: Nashville schätzt sein Potenzial richtig ein und zieht ihn im Draft 2014 in der ersten Runde als Nummer 11.

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1997: Michel Riesen, Edmonton Oilers.

1997: Michel Riesen, Edmonton Oilers.

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Michel Riesen: Er kam zu früh

Michel Riesen ist 1997 der erste helvetische Erstrundendraft. Zum ersten Mal überhaupt wird der Draft in unserem Hockey ein Thema und der Bieler ist der zweite Schweizer nach Pauli Jaks, der nach einem Draft auch einen Vertrag mit einer NHL-Organisation bekommt. Die Scouts haben Riesen mit Jari Kurri verglichen und Edmonton zieht den abschlussstarken Flügel an 14. Stelle.

Die grossen Hoffnungen erfüllen sich nicht. Er erfüllt den Dreijahresvertrag, spielt aber meistens im Farmteam in Hamilton und kommt nur auf 12 NHL-Einsätze (1 Assist). Der introvertierte Musterprofi ist zu wenig robust. Es ist noch die raue, «alte» NHL. Im Sommer 2001 kehrt er zum HC Davos zurück und wird einer der Schlüsselspieler der HCD-Meisterteams von 2002, 2005, 2007 und 2009. Er beendet seine Karriere im Sommer 2015 in Basel und arbeitet jetzt als Schuss- und Technikcoach.

1999: Luca Cereda, Toronto Maple Leafs.

1999: Luca Cereda, Toronto Maple Leafs.

Jim Bourg/Reuters

Luca Cereda: Meister mit dem SCB

Luca Cereda überzeugt die NHL-Scouts vor allem bei der U-18-WM 1998 (7 Spiele/10 Punkte). Er ist der dominierende Center dieses Turniers. Toronto sichert sich die Rechte beim Draft 1999 in der ersten Runde (Nr. 24) und macht den Tessiner zum zweiten Schweizer Erstrunden-Draft. Kurz vor Ablauf des Dreijahresvertrages kehrt Luca Cereda im Frühjahr 2004 vorzeitig in die Schweiz zurück und wird mit dem SCB Meister.

Er hatte wegen einer Herzoperation eine ganze Saison verloren (2000/01), wechselte dann nach Nordamerika, spielte aber nie mehr sein bestes Hockey und Toronto gab ihm keine Chance in der NHL. Hätte er sich ohne seine gesundheitlichen Probleme als erster Schweizer Feldspieler in der NHL durchgesetzt? Wir wissen es nicht. Im Frühjahr 2007 beendete er im Alter von erst 26 Jahren seine Karriere. Letzte Saison coachte er Ambris Farmteam in der NLB, nächste Saison ist er Ambris Cheftrainer.

Luca Sbisa: Der Furchtlose

Luca Sbisa wechselte mit 17 und nur 7 NLA-Spielen in der Statistik in die Western Hockey League, die rauste der drei grossen nordamerikanischen Junioren-Ligen. Dort schafft der Zuger als erster Schweizer den «Gordie-Howe-Hattrick»: ein Tor, ein Assist und einen Ausschluss nach Faustkampf im gleichen Spiel. Philadelphia sichert sich die Rechte am furchtlosen Schweizer 2008 in der ersten Runde (Nr. 19), setzt ihn im Herbst 2008 gleich in der NHL ein und transferiert ihn noch während der Saison nach Anaheim.

2008: Luca Sbisa, Philadelphia Flyers.

2008: Luca Sbisa, Philadelphia Flyers.

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Dort wird er noch einmal zu den Junioren zurückgeschickt, ehe er im Laufe der Saison 2011/12 ein bestandener NHL-Verteidiger und Millionär wird. Sbisa ist ein beweglicher, harter Checker, der von allen bisherigen Schweizer Erstrundendrafts aus seinem Talent am meisten herausgeholt hat (aktuelles Salär 4 Millionen Dollar). Nächste Saison beginnt er mit dem neuen NHL-Team in Las Vegas.

Nino Niederreiter: Im zweiten Anlauf

Nino Niederreiter wechselt mit 17 und bloss drei NLA-Spielen nach Nordamerika, spielt bei den Junioren (Portland) überragend. Die New York Islanders machen ihn 2010 zum bis dahin besten Schweizer Draft (Nr. 5). Der Titan (188 cm/95 kg) wird 2013 WM-Silberheld und im Herbst des gleichen Jahres der erste Schweizer Stürmer mit NHL-Stammplatz. Er ist heute der kräftigste, robusteste und kompletteste helvetische Angriffsspieler. Aber er musste einen Umweg machen. Bei den Islanders geriet er in eine Sackgasse. Er wurde permanent ins Farmteam verbannt.

2010 Nino Niederreiter, NY Islanders.

2010 Nino Niederreiter, NY Islanders.

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Seinem Agenten Andy Rufener gelang es, einen Transfer nach Minnesota zu orchestrieren, und erst dort etablierte sich Nino Niederreiter in der Saison 2013/14 in der NHL. Zurzeit verhandelt er um eine Vertragsverlängerung. Letzte Saison verdiente er 3,5 Millionen Dollar, bestritt alle 82 Qualifikationsspiele und buchte 57 Skorerpunkte – so gut war bis heute kein Schweizer Stürmer in der NHL.

Sven Bärtschi: Hartleys Opfer

Sven Bärtschi überzeugte als Junior beim gleichen Klub wie Nino Niederreiter (Portland) und wurde 2011 wie erwartet ein Erstrundendraft (Calgary/Nr. 13). Aber der Langenthaler, der nie in der NLA gespielt hat (46 NLB-Partien/9 Punkte mit Langenthal) braucht die Hilfe seines Agenten, um die Karriere zu retten. Bei den Calgary Flames fällt er bei Headcoach Bob Hartley und in der Chefetage in Ungnade (2014/15) und wird ins Farmteam verbannt. Andy Rufener gelingt es, einen Transfer nach Vancouver zu «organisieren».

2011 Sven Bärtschi, Calgary Flames.

2011 Sven Bärtschi, Calgary Flames.

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Sven Bärtschi bekommt dort eine zweite Chance und nützt sie. Er ist ein anderer Spielertyp als Niederreiter, schon von der Postur her (180 cm/87 kg) kein Powerstürmer. Dafür ein kräftiger, schlauer, flinker Kunstschütze und Vollstrecker, der Tore «aus dem Hut zaubert». Sein Vertrag mit Vancouver, dotiert mit 2 Millionen, läuft noch bis 2018. Die letzte Saison (68 Spiele/35 Punkte) war seine bisher beste. Aber er kann noch mehr.

Mirco Müller: Auf dem Sbisa-Weg

Mirco Müller wählte den gleichen Weg in die NHL wie Luca Sbisa. Er wechselte mit 17 in die raue Western Hockey League. Im Draft von 2013 zogen ihn die San Jose Sharks als Nummer 18. In den drei Jahren bei San Jose konnte sich der Winterthurer mit nur 7 NLA-Spielen (1 Assist/Kloten) in der NHL noch nicht durchsetzen. Der sanfte Titan (191 cm/93 kg) musste immer wieder ins Farmteam zurück und vermochte sein Potenzial in der NHL bisher noch nie ganz auszuschöpfen (54 Spiele/6 Punkte).

2013 Mirco Müller, San Jose Sharks.

2013 Mirco Müller, San Jose Sharks.

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Er ist ein läuferisch sehr guter, smarter Defensivverteidiger mit unterschätztem Offensivpotenzial, aber bisher wohl eine Spur zu wenig temperamentvoll im Spiel und «böse» im Zweikampf. Inzwischen ist er von San Jose nach New Jersey transferiert worden. Dort soll er endlich seine Rolle finden, beim Aufbau einer neuen Mannschaft eine Schlüsselrolle übernehmen und erstmals in seiner NHL-Karriere ein Top-4-Verteidiger werden.

Kevin Fiala: Der Eigenwillige

Kevin Fiala ist der eigenwilligste, der kleinste (178 cm/87 kg) und nach Nico Hischier der bisher talentierteste Schweizer Stürmer im NHL-Draft. Nashville schätzt sein Potenzial richtig ein und zieht ihn im Draft 2014 in der ersten Runde als Nummer 11. Der ehemalige ZSC-Junior, der nie in der NLA gespielt hat, findet den Weg in den Draft über Schweden, wo er bei den Junioren und in der höchsten Liga spielt. 2014 bestreitet er als erster Schweizer in der gleichen Saison beide Junioren-WM-Turniere (U 18/U 20) und die richtige WM.

2014 Kevin Fiala, Nashville Predators.

2014 Kevin Fiala, Nashville Predators.

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Bei Nashville hat er anfänglich Mühe mit den Gepflogenheiten in der wichtigsten Liga der Welt und musste bisher jede Saison zwischendurch ins Farmteam. Im Laufe der letzten Saison hat er sich in der NHL und mit einem Tor in der Verlängerung gegen Chicago auch seine Playoff-Tauglichkeit bewiesen. Eine Verletzung beendete seine Saison vorzeitig. Sein Vertrag in Nashville läuft noch bis 2018.

Timo Meier: Gut im zweiten Jahr?

Timo Meier hat sich beim gleichen Juniorenteam in die erste Draftrunde gespielt wie Nico Hischier. Er wohnte während seiner Zeit in Halifax auch bei der gleichen Gastfamilie. San Jose hat ihn beim Draft 2013 als Nummer 9 gezogen. Der Herisauer hat nie in der NLB oder NLA gespielt. Er wechselte mit 17 ins nordamerikanische Juniorenhockey und ist damit den gleichen Weg gegangen wie Nino Niederreiter, Sven Bärtschi, Luca Sbisa, Mirco Müller und Nico Hischier. Bei San Jose hat er sich noch nicht in der NHL etabliert und verbrachte die Hälfte seiner ersten Saison im Farmteam.

2015: Timo Meier, San Jose Sharks.

2015: Timo Meier, San Jose Sharks.

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Vom Potenzial her ist er am ehesten mit Nino Niederreiter vergleichbar: ein kräftiger, mutiger, vielseitiger Stürmer mit direktem Zug aufs Tor. Er kann im ersten Sturm Raum schaffen, aber er ist auch dazu in der Lage, im vierten Sturm den besten gegnerischen Stürmern unter die Haut zu fahren – sozusagen die NHL-Antwort auf Marc und Dino Wieser.

Nummer-1-NHL-Draftpicks seit 1984:

1984: Mario Lemieux, Stürmer, Pittsburgh Penguins
34 Bilder
1985: Wendel Clark, Stürmer, Toronto Maple Leafs
1986: Joe Murphy, Stürmer, Detroit Red Wings
1987: Pierre Turgeon, Stürmer, Buffalo Sabres
1988: Mike Modano, Stürmer, Minnesota North Stars
1989: Mats Sundin, Stürmer, Québec Nordiques
1990: Owen Nolan, Stürmer, Québec Nordiques
1991: Eric Lindros, Stürmer, Québec Nordiques
1992: Roman Hamrlík, Verteidiger, Tampa Bay Lightning
1993: Alexandre Daigle, Stürmer, Ottawa Senators
1994: Ed Jovanovski, Verteidiger, Florida Panthers
1995: Bryan Berard, Verteidiger, Ottawa Senators
1996: Chris Phillips, Verteidiger, Ottawa Senators
1997: Joe Thornton, Stürmer, Boston Bruins
1998: Vincent Lecavallier, Stürmer, Tampa Bay Lightning
1999: Patrik Stefan, Stürmer, Atlanta Trashers
2000: Rick DiPietro, Goalie, New York Islanders
2001: Ilja Kowaltschuck, Stürmer, Atlanta Trashers
2002: Rick Nash, Stürmer, Columbus Blue Jackets
2003: Marc-André Fleury, Goalie, Pittsburgh Penguins
2004: Alexander Owetschkin, Stürmer, Washington Capitals
2005: Sidney Crosby, Stürmer, Pittsburgh Penguins
2006: Erik Johnson, Verteidiger, St. Louis Blues
2007: Patrick Kane, Stürmer, Chicago Blackhawks
2008: Steven Stamkos, Stürmer, Tampa Bay Lightning
2009: John Tavares, Stürmer, New York Islanders
2010: Taylor Hall, Stürmer, Edmonton Oilers
2011: Ryan Nugent-Hopkins, Stürmer, Edmonton Oilers
2012: Nail Jakupow, Stümer, Edmonton Oilers
2013: Nathan MacKinnon, Stürmer, Colorado Avalanche
2014: Aaron Ekblad, Verteidiger, Florida Panthers
2015: Connor McDavid, Stürmer, Edmonton Oilers
2016: Auston Matthews, Stürmer, Toronto Maple Leafs
2017: Nico Hischier, Stürmer, New Jersey Devils

1984: Mario Lemieux, Stürmer, Pittsburgh Penguins

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