Szenenwechsel
Vom Wrestling zurück zum Fussball: Ex-Nationalspieler Tim Wiese versuchts bei einem Achtligisten

Der deutsche Ex-Nationalspieler Tim Wiese gibt nach seinem Wrestling-Abenteuer ein Comeback als Fussballer – in der deutschen Kreisliga. Dem Achtligisten SSV Dillingen will der 120-Kilo-Muskelprotz zum Derbysieg verhelfen.

Peer Lasse Korff und Kristof Stühm
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Tim «The Machine» Wiese (Mitte) räumt im Ring auf: Jetzt soll er auch mit dem SSV Dillingen für Furore sorgen.

Tim «The Machine» Wiese (Mitte) räumt im Ring auf: Jetzt soll er auch mit dem SSV Dillingen für Furore sorgen.

Keystone

Tim Wiese taucht ab. Der 120-Kilo-Koloss – schwarzer Kapuzenpulli, schwarze Trainingshose, neongelbe Handschuhe – hechtet nach links, wuchtet sich nach rechts. Der Wrestling-Torwart fliegt trotz allem recht schnell durch die Luft.

«Ich habe noch muskulösere Oberschenkel jetzt, also kann ich noch höher springen», sagt Wiese, einst Towart der deutschen Nationalmannschaft, dem deutschen Sport-Informationsdienst (SID). Am Samstag kehrt er nach mehr als vier Jahren bei einem Punktspiel ins Fußballtor zurück. In der achten Liga, für den Tabellenvorletzten SSV Dillingen.

Rückkehr als Zuschauermagnet

«Ob Kreisliga oder Bundesliga – es gibt nur ein Ziel und das ist der Sieg», sagt Wiese, der zuletzt mit seinem Wechsel vom Fussballplatz in den Wrestlingring für Furore sorgte. Nun die Rückkehr – wenn auch nur für ein Spiel. Mehr als 1'000 Zuschauer werden zum Lokalderby gegen den TSV Haunsheim erwartet. Sie wollen sehen, was der einstige Top-Torwart mit seinen 35 Jahren noch drauf hat.

Wieses erstes Wrestling-Match im November 2016 in München:

«Ich habe nichts verlernt, das ist wie Fahrradfahren», sagt der sechsmalige Nationalspieler mit gewohnt großem Selbstbewusstsein. Mit seiner bloßen Anwesenheit versetzt er derzeit die ganze Stadt Dillingen in Aufruhr. Die Zuschauer neben dem Fussballplatz filmten und fotografierten wie wild, ein Raunen ging nach jeder Parade über den Rasenplatz.

Wieses letzter Einsatz als Fußball-Profi datiert vom 26. Januar 2013. In der Bundesliga. Für 1899 Hoffenheim gegen Eintracht Frankfurt (1:2). Die folgende Abschiebung in die unrühmliche «Trainingsgruppe 2» der Kraichgauer war so etwas wie der Startschuss für Wieses Karriere nach der Karriere.

Masse dank Bisonfleisch

Der Athlet begann damit, sich mehr und mehr aufzupumpen und sein Leben nach dem Kraftsport auszurichten. Er stemmte Gewichte, stopfte Bisonfleisch in sich hinein und sorgte mit Fotos in den sozialen Netzwerken für großes Aufsehen. «Ich habe im Monat 1'000 Euro nur für Fleisch ausgegeben», sagte er einmal.

Tim Wieses Fussballkarriere in Bildern:

Tim Wiese spielte zwischen 2005 und 2012 für Werder Bremen.
6 Bilder
2009 gewann wurde er mit Bremen Deutscher Meister.
Im gleichen Jahr stand er auch im Final des Uefa-Cups (1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen Schachtar Donezk).
Mit der Nationalmannschaft nahm Wiese an der Weltmeisterschaft 2010 teil (3. Platz).
2012 bestritt Wiese die EM mit der Nationalmannschaft (1:2-Niederlage im Halbfinal gegen Italien).
In der Saison 2013/14 wurde Wiese in die «Trainingsgruppe 2» versetzt und wendete sich dem Bodybuilding zu.

Tim Wiese spielte zwischen 2005 und 2012 für Werder Bremen.

Keystone

Im vergangenen November feierte er in München sein Debüt als Wrestler im Rahmen der WWE-Tour. Doch danach kam nicht mehr viel, «The Machine» wartet derzeit auf einen Anschlussvertrag: «Die Amis wollen, dass ich nach Amerika ziehe und dort trainiere. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.»

«Eine geile Geschichte»

Den Fussball hat Wiese dagegen hinter sich gelassen, er liegt mittlerweile rund 30 Kilo über seinem früheren Idealgewicht - und dennoch versprechen sich die Kicker aus Dillingen auch sportlich einiges von der langjährigen Nummer eins von Werder Bremen. «Wir sind im Abstiegskampf, haben die letzten zwei Spiele gewonnen und leben wieder», sagt der 1. Vorsitzende Christoph Nowak: «Er wird auf jeden Fall eine geile Leistung zeigen.»

Nowak ist gut mit Wiese befreundet und hat den besonderen Gastauftritt eingefädelt. Die ganze Sache sei einst «ein Gag» zwischen Kumpels gewesen, sagt Nowak, aber nun sollten «die Leute sehen, dass auch ein Achtligist ein tolles Event auf die Beine stellen kann. Das ist eine richtig geile Geschichte für unseren Verein.»