Corona-Odyssee

Vom Virus um die Welt gejagt: Die Geschichte des Wuhan Zall FC steht vor einem Happy End

Die Spieler des Wuhan Zall FC haben am Wochenende die Heimreise angetreten. Dieses Bild ist gut sechs Wochen alt. Damals trugen die Chinesen bei der Ankunft in Spanien noch keine Atemmasken.

Die Spieler des Wuhan Zall FC haben am Wochenende die Heimreise angetreten. Dieses Bild ist gut sechs Wochen alt. Damals trugen die Chinesen bei der Ankunft in Spanien noch keine Atemmasken.

Der Wuhan Zall FC flüchtete vor dem Virus im Januar von China nach Europa. Seit heute ist das Team zurück im Heimatland und soll im Mai sogar wieder Fussball spielen.

Seit Anfang diesen Jahres ist José González Trainer des chinesischen Erstligisten Wuhan Zall FC. In Wuhan, dem Epizentrum der Corona-Krise, war der 53-jährige Spanier bisher nur einen halben Nachmittag. Wegen des Virus musste er sich mit seinem 50-köpfigen Staff auf eine Odyssee begeben. Eine, die auch nach der gestrigen Rückkehr nach China nicht vorbei ist.

Die Odyssee beginnt am 22. Januar. Wuhan Zall ist auf einem Vorbereitungs-Trip im 1000 Kilometer südlicherem Guangzhou, als Wuhan völlig abgeriegelt wird. Um weiterhin trainieren zu können, fliegt das Team am 29. Januar ins Exil. Die letzten sechs Wochen und damit vier Wochen länger als geplant, verbringt Wuhan Zall in Südspanien. Keine einfache Zeit. «Wir wurden angeschaut, wie Viren auf zwei Beinen», sagt Trainer González gegenüber der «Süddeutschen Zeitung».

Einsam in Spanien. Das Team beim Lauftraining in Marbella.

Einsam in Spanien. Das Team beim Lauftraining in Marbella.

In Marbella wird, so gut es geht, trainiert. Die Suche nach einem Platz gestaltet sich schwierig, weil Teams nicht neben Wuhan Zall trainieren wollen. Bereits abgemachte Freundschaftsspiele wie das gegen den Basler Europa- League-Gegner Krasnodar werden kurzfristig wieder abgesagt. Aus Angst vor einer Ansteckung will keiner gegen Wuhan spielen. Dabei werden die Spieler regelmässig auf Corona getestet, nicht ein Mal positiv.

Trotzdem wagen sich die Spieler nur selten zum Shoppen in die Stadt. Sie bleiben auch in der Freizeit lieber auf dem Zimmer und telefonieren mit ihren Liebsten. Die Sorgen sind gross. Die Familien mehrerer Spieler sind in Wuhan gefangen, die Grossmutter eines Spielers stirbt an den Folgen der Infektion. Gegenüber der «New York Times», welche das Team im Exil besucht hat, sagt Captain Yao Hanlin: «Wir vermissen unsere Familien. Vielleicht hat mein fünfjähriger Sohn vergessen, wie ich aussehe.»

Kann in Europa erst im Juli wieder gespielt werden?

Nach sechs Wochen im Exil begibt sich die Delegation von Wuhan Zall am Freitag mit Atemmasken ausgerüstet auf den Heimweg. Via Frankfurt geht es nach Peking. «Die Chinesen sind dabei, das Problem zu überwinden», sagt José Gonzales. Am Montag wurden in China offiziell nur noch 16 neue Corona-Fälle gemeldet. Doch noch hat auch das Ursprungsland die Corona-Krise nicht überstanden. Wuhan ist immer noch von der Aussenwelt abgekapselt und Einreisende müssen sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Wie diese genau aussieht, weiss González nicht. Aber sie sei sinnvoll: «Es macht ja keinen Sinn, dass China das Virus wieder importiert», so der Trainer.

Anders als vor allem von chinesischen Medien propagandawirksam präsentiert, möchte González nicht von einer erneuten Flucht vor dem Virus – diesmal aus Europa ins «sichere» China – sprechen. Die Rückkehr seines Teams hat ausschliesslich terminliche Gründe. Denn in China soll Anfang Mai wieder Fussball gespielt werden. Nach der Quarantäne bleibt Wuhan Zall dann noch ein Monat, um sich auf den verspäteten Saisonstart vorzubereiten.

Drei Monate und eine Woche nach dem Shutdown von Wuhan will China den Fussballbetrieb wieder aufnehmen. Zum Vergleich: Wenn das Virus in Europa einen ähnlichen Verlauf nimmt, könnte dort Anfang Juli wieder gespielt werden. Doch wie die Pandemie verläuft, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Auch González sagt mit Blick auf seine Heimat Spanien, wo am Sonntag durch das Ausrufen des Alarmzustand das öffentliche Leben lahmgelegt wurde: «Ich fürchte, das Schlimmste kommt noch.» Das Licht am Ende des Tunnels ist für Europas Fussballer heute noch nicht zu sehen. Das ist bei Wuhan Zall schon ein bisschen anders.

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