Volleyball
Die Doktorin auf dem Volleyballfeld von Sm'Aesch

Mit akademischem Titel im Sack spielt Sarah van Rooij am Mittwoch mit Sm’Aesch Pfeffingen gegen ihren Ex-Verein. Sportliche Titel sollen folgen.

Riccardo Ferraro
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Sarah van Rooij spielt am Mittwoch mit Sm’Aesch gegen ihren alten Verein Cheseaux.

Sarah van Rooij spielt am Mittwoch mit Sm’Aesch gegen ihren alten Verein Cheseaux.

Bild: zVg/ Roger Schaffner

Sarah van Rooij sitzt einmal mehr im Zug. Die Aussenangreiferin von Sm’Aesch Pfeffingen ist in ihrer Karriere viel unterwegs. Diese Karriere führt sie von Genf über den Kanton Waadt bis ins Baselbiet – mit Abstechern nach Bern, Deutschland, in die USA und London. «Ihre Karriere» bedeutet bei van Rooij jedoch nicht nur die sportliche Karriere. Neben dem Sport widmete sich die 30-Jährige bis vor Kurzem zusätzlich einem Ingenieur-Studium.

Mit zwölf Jahren beginnt van Rooij, Volleyball zu spielen. In ihrer Familie ist dieser Sport sehr wichtig. Ihr Vater spielte, ihre Mutter, die Tante und der Onkel auch. «Gedrängt dazu wurde ich jedoch nicht», wie sie sagt. So probierte es van Rooij auch mit Leichtathletik oder Karate. Am meisten Spass hat sie jedoch beim Volleyball. «Es ist ein Teamsport. Das macht mir besonders Spass», erklärt sie. Doch van Rooij hat nicht nur Spass, sie ist auch sehr talentiert. Über Genf und Cossonay landet sie beim VBC Cheseaux.

Van Rooij und die Nati sind eine On-Off-Beziehung

Schon bei den Junioren spielt Sarah van Rooij auch für die Schweizer Nationalmannschaft. Doch mit der Nati ist es nicht immer einfach. Nachdem van Rooij aus der Juniorennati herauswächst, reicht es noch nicht für eine Nominierung im A-Kader. Mit 21 Jahren trainiert sie dann wieder einen Sommer mit der Nati. Doch erst 2014, als ein neues Projekt, die Qualifikation zur Europameisterschaft und die Masters in Montreux anstehen, ist sie ein echter Teil des Teams.

Bald folgt jedoch die erneute Trennung. Unterdessen studiert van Rooij an der ETH in Lausanne. Da an dieser Schule die Prüfungen fix im Juli stattfinden, muss sie die Nati-Termine absagen. Die Ausbildung geht vor.

Es folgt ein Missverständnis: Die Verantwortlichen der Nati gehen davon aus, dass van Rooij wegen des Studiums nicht verfügbar ist. Sie wiederum erkundigt sich nicht nach einer Comeback-Möglichkeit und beginnt ihren Doktortitel. Somit fehlt der Name van Rooij im Kader der Nati für einige Jahre.

Sarah van Rooij spielt nach langer Zeit wieder in der Nati.

Sarah van Rooij spielt nach langer Zeit wieder in der Nati.

Anthony Anex / KEYSTONE

Bis letzte Saison. Die Genferin spielt so stark auf, dass Nationaltrainerin Saskia van Hintum im Training in Cheseaux vorbeischaut und sie nach einem Comeback fragt. Van Rooij sagt zu, aber erst nachdem sie das Studium Ende Juli beendet hat. Sie sagt:

«Das Comeback war kein Wunschtraum von mir. Aber es war eine gute Erfahrung und ich bin froh, dass ich noch einmal dabei sein durfte.»

Studieren und Volleyball auf höchstem Niveau zu spielen, ist für van Rooij auch ausserhalb der Nati nicht immer einfach. In Köniz zum Beispiel ist es schwierig für sie, am Morgen zur Uni in Lausanne zu gehen und am Nachmittag in Bern zu trainieren. Das Studium abbrechen ist jedoch nie ein Thema. Eher hätte sie im Sport eine Pause eingelegt.

Zurück in Cheseaux sind die Voraussetzungen perfekt. Sie hat die Möglichkeit, ihr Doktor-Studium zur Maschinenbauingenieurin für erneuerbare Energien zu beenden und nebenbei zu trainieren. «Ich möchte nach der Karriere sagen, dass ich meinen Kopf benutzt habe und fit für die Arbeit nach der Sportlerinnenkarriere bin», erklärt sie.

Der Wechsel zu Sm’Aesch und das Duell mit Cheseaux

Im Sommer und mit dem Doktortitel im Sack wechselt van Rooij zu Sm’Aesch. «Ich kannte Trainer Andi Vollmer und wollte die neue Herausforderung bei einem besseren Team machen», erklärt sie. Anspruchsvoll war das Gespräch vor dem Wechsel nicht. «Da wir beide geradlinige Menschen sind, war es nicht kompliziert. Ich habe sie angerufen und meinen Plan, meine Gedanken zu ihrer Person ausgesprochen und unsere Idee vorgestellt. Sie hat ein wenig darüber nachgedacht und dann zugesagt. Das wars. Unkompliziert und offen eben», erklärt Andi Vollmer.

Am Mittwoch spielt van Rooij zum ersten Mal gegen ihren Ex-Verein aus Cheseaux. Sie sagt:

«Ich freue mich, die Kolleginnen wieder zu sehen. Es wird aber eine Challenge.»

Eine Wette, wer das Spiel gewinnt, sei nicht am Laufen. «Das wäre zu gefährlich», warnt sie. Denn Cheseaux ist ebenfalls gut in die Saison gestartet und liegt nur einen Punkt hinter dem verlustpunktlosen Sm’Aesch.

Nachdem sie die akademischen Ziele erreicht hat, hat van Rooij immer noch sportliche. «Ich will in den Cupfinal und die Meisterschaft gewinnen. Auch im europäischen Challenge Cup ist ein Halbfinaleinzug das Ziel», sagt sie. Damit sie ihre hoch gesteckten Ziele erreicht, braucht sie ihre Mitspielerinnen. «Wir trainieren viel und haben ein gutes Team zusammen. Es macht Spass», sagt van Rooij.Auch Vollmer lobt seine Spielerin, die er lange als Gegnerin kannte und jetzt bei sich im Team weiss:

«Sie ist sehr zielorientiert, neugierig, lernwillig, fragt und hat einfach eine sehr gute Einstellung. Daher ist sie für alle ein starkes Vorbild, wie man sich einbringt aber auch selbst vorwärts bringt.»

Sportlich im Volleyballteam, aber auch beruflich als angehende Ingenieurin für nachhaltigen Maschinenbau, angetrieben von erneuerbaren Energien.

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