Offener Brief

«Vladimir Petkovic kann Jürgen Klopp nicht einmal die Schuhe binden» - Offener Brief an Xherdan Shaqiri

Xherdan Shaqiri (links) tanzt Vladimir Petkovic (rechts) mit seiner Absage für die Nationalmannschaft auf der Nase herum.

Xherdan Shaqiri (links) tanzt Vladimir Petkovic (rechts) mit seiner Absage für die Nationalmannschaft auf der Nase herum.

Obwohl abwesend, war er während Tagen das grosse Thema rund um die Nationalmannschaft. Die ganze Geschichte hatte einen grossen Unterhaltungswert. In einem offenen Brief wendet sich Sportredaktor Klaus Zaugg an Xherdan Shaqiri.

Lieber Xherdan

Ich weiss gar nicht mehr, welcher Trainer es war, der mir einmal die Ursache für ein «Gschtürm» in seiner Mannschaft auf eine einleuchtende Art und Weise so erklärt hat: «Du darfst eines nicht vergessen: Es handelt sich um erwachsene Männer, die fürstlich dafür bezahlt werden, zu spielen wie Kinder.» Diese treffende Kurzanalyse ist mir nun beim ganzen «Gschtürm» um Deine Person wieder in den Sinn gekommen.

Das Faszinierende am Mannschaftsport ist ja, dass es ein Spiel ist. Wird es zu taktisch, sieht es zu sehr nach Arbeit aus, wird es zu berechenbar, dann langweilen wir uns. Und erst recht ist es langweilig, wenn sich immer alle so schampar professionell gebärden. Den Teamgeist, den Trainer rühmen und alles so klingt, als sei jede Aussage mit der Nagelfeile bearbeitet worden. Ach, wie langweilig plätscherte diese EM-Qualifikation dahin. Dabei möchten wir uns doch ein wenig amüsieren.

Deine Absage für die Spiele gegen Irland und Gibraltar ist von unbezahlbarem Unterhaltungswert. Der charismatischste, kreativste, interessanteste junge Mann mag nicht mehr mit seinen kurzbehosten Kameraden für die nationale Mannschaft spielen. Und eigentlich möchte er das «Bändeli» haben, das dem Grössten im Sandkasten – äh, dem Captain auf dem Rasen – zusteht. Zanken um Lächerlichkeiten wie die Kinder im Sandkasten. Lälälä – ich habe halt das grössere Velöli als Du. Grossartige Unterhaltung. Das ist die Rückkehr zu den wahren Wurzeln des Sportes.

Aus meiner Jugendzeit weiss ich noch, dass es Lehrer gab, die auch die wildesten Schüler in die Klasse integrierten und im Militär Zugführer, die den mürrischsten Rekruten für den Wehrdienst zu begeistern vermochten. So viel ich gehört habe, leistest Du Dir in Liverpool bei Trainer Jürgen Klopp keine solche herrlichen Eskapaden wie rund um unsere Nationalmannschaft. Ich gehe davon aus, dass es Dir noch nicht einmal in den Sinn kommt, einmal ein Aufgebot von Jürgen Klopp zu einem Ligaspiel oder einem Training abzulehnen.

Womit wir beim Kern der Sache sind. Es sind nicht immer die schlechtesten Früchte, woran die Wespen nagen. Deine Kritiker haben Unrecht. Das Problem bist nicht Du, sondern Dein Chef. Und Du wirst mir wahrscheinlich recht geben, wenn ich so boshaft bin zu sagen, dass Vladimir Petkovic Jürgen Klopp nicht einmal die Schuhe binden kann. Und dass es Zeit für eine Polemik gegen den Nationaltrainer wäre.

Mit bestem Dank für die grossartige Unterhaltung und freundlichen Grüsse,

Klaus Zaugg

Meistgesehen

Artboard 1