Olympische Winterspiele 2018
Verzicht auf Olympia-Teilnahme – Für die Schweiz kein Thema

Nordkoreas Gebaren sorgt für Unsicherheit rund um die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea.

Klaus Zaugg
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Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind (noch) nicht gefährdet – offiziell ist im IOC jeder Gedanke an eine Verlegung tabu.

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind (noch) nicht gefährdet – offiziell ist im IOC jeder Gedanke an eine Verlegung tabu.

Keystone

Der Verzicht auf die Olympischen Spiele in Südkorea, vor Kims Kanonenrohren, ist für die Schweiz (noch) kein Thema. Aber die Nervosität ist gross. Nordkorea ist angeblich eine Gefahr für die Welt und seine Waffen sind eine Bedrohung bis hinüber nach Amerika.

Aber die Welt will sich im Februar sozusagen in Schussweite der Grenze zu Nordkorea zu den Olympischen Spielen treffen. Eigentlich völlig verrückt. Was, wenn erst einmal alle angereist sind?

Für einen vernichtenden Feuerschlag auf den nur 80 Kilometer von der Grenze entfernten Olympiaort Pyeongchang genügt Kim Jong Un ganz normale Artillerie. Dafür braucht er nicht einmal Raketen. Nun hat mit Frankreich erstmals eine wichtige Sportnation von Verzicht gesprochen

Verzicht auch für die Schweiz ein Thema?

Könnte ein Verzicht auch für die Schweiz zum Thema werden? Die Frage geht an Olympiageneral Ralph Stöckli, Chef de Mission von Swiss Olympic.

Er sagt: «Wir verfolgen die Situation in Korea genau. Wir stehen in Kontakt mit dem Departement für auswärtige Angelegenheiten, der Bundespolizei Fedpol, mit der Schweizer Botschaft in Seoul und auch mit dem Internationalen Olympischen Komitee.» Bisher gebe es keine Verzichtsabsichten von Athletinnen oder Athleten.

Gibt es Szenarien, was passieren könnte, wenn die Situation weiter eskaliert? Ralph Stöckli: «Für Swiss Olympic steht die Sicherheit der Athletinnen und Athleten über allem, und natürlich machen wir uns unsere Gedanken über mögliche Szenarien. Doch zum Glück dauert es noch ein paar Monate bis zum Beginn der Spiele, und wir hoffen, dass sich die Situation bald beruhigt. Ein Teilnahmeverzicht der Schweizer Delegation steht daher aktuell nicht zur Diskussion.»

Entscheid liegt beim IOC

Eine Verschiebung der Spiele oder das Ausweichen an einen anderen Ort hält er für unwahrscheinlich. «Dieser Entscheid liegt beim IOC, Swiss Olympic hat darauf kaum Einfluss. Eine Verschiebung oder eine Verlegung der Spiele wäre jedoch für alle Beteiligten mit einem unglaublich grossen Aufwand verbunden. Daher sind diese Optionen – zumindest aus Sicht von Swiss Olympic – wenig realistisch.»

Offiziell ist jeder Gedanke an eine Verlegung der Spiele tabu. Als René Fasel, IOC-Mitglied und Präsident des Welt-Eishockey-Verbandes IIHF, sagte, intern gebe es bei seinem Verband für den Fall eines Falles Gedankenspiele um einen Plan B – eine Verschiebung –, brach Hektik aus.

Die Organisatoren aus Südkorea reagierten umgehend und IIHF-Kommunikationsgeneral Adam Steiss präzisierte, die Äusserungen seines Präsidenten seien rein persönlicher und privater Natur und nicht eine offizielle IIHF-Stellungnahme.

Er verpasste seinem Chef in der Sache quasi einen Maulkorb. Dabei hatte René Fasel nur vor allen anderen das Prinzip jeder grossen Führungspersönlichkeit beherzigt: «Gouverner c’est prevoir». Die Nervosität ist jedenfalls gross.

Fragen in Nordkorea

Für die Nordkoreaner sind die Olympischen Spiele im südlichen Bruderland übrigens kein Thema. Mit einer Drohung gegen das globale Sportspektakel würde sich Kim im eigenen Land nicht unbeliebt machen. Der Durchschnittsnordkoreaner weiss nämlich nicht einmal, wann und ob diese Spiele in Südkorea überhaupt stattfinden.

Auf eine entsprechende Frage bei unserem Besuch in Kims Reich reagierte der nordkoreanische Reiseleiter – ein gebildeter Mann – im Juli mit Gegenfragen: Ob es denn überhaupt stimme, dass Südkorea Olympische Spiele durchführen wolle? Ob denn Südkorea überhaupt über entsprechende international taugliche Sportanlage verfüge?