Die Nachricht verbreitete sich am Montagabend in der Welt des Sports in Windeseile: Ein fitter Roger Federer verzichtet auf die Teilnahme an den French Open in Paris, das zweite Grand-Slam-Turnier der Saison (ab 28. Mai).

Federer lässt damit erstmals in seiner Karriere die Sandsaison komplett aus und fokussiert sich auf die bevorstehende Rasen- und Hartplatz-Saison. Der bald 36-Jährige tut es aus Rücksicht auf seine weitere Karriere und mit der Aussicht, noch einige Jahre zu spielen.

«Sehr harter Entscheid»

Eine gut überlegte, selektive Saisonplanung hatte schon immer eine zentrale Bedeutung in Federers Karriere – und trotzdem wirft der neuerliche Entscheid Fragen auf: Was bedeutet dieser Verzicht für den weiteren Verlauf der Saison – und darüber hinaus? Ist das Sand-Forfait als Abschied auf Raten zu verstehen?

Roger Federers langjähriger Coach und Freund Severin Lüthi verrät der «New York Times», dass der Entscheid «sehr hart» gewesen sei. Man habe den Entschluss nach ein paar Tagen Training auf Sand in der Schweiz gefasst: «Wir haben immer gesagt, dass wir uns rund um den 10. Mai entscheiden wollen. Wir wollten alle mögliche Informationen sammeln, sehen, wie das Training verläuft und wie sich Roger auf Sand fühlt», sagt Lüthi und betont, dass Federer fit und gesund sei. Das im letzten Jahr verletzte Knie habe beim Verzicht keine Rolle gespielt.

Das sind alle Turniersiege von Roger Federer:

Trotzdem befand das Team, dass das Risiko zu gross sei, nur für ein Turnier die Umstellung auf Sand zu machen. «Mit dem plötzlichen Belagwechsel zahlt man vielleicht irgendwann körperlich den Preis dafür. Deshalb bin ich überzeugt, dass dies eine gute Entscheidung ist», so Lüthi weiter. Federer hatte nach seinem Comeback-Erfolg zu Beginn des Jahres auf Hartplätzen bereits die bedeutenden Sandplatz-Turniere von Monte Carlo, Madrid und Rom abgesagt.

Kein Abschied für immer

Seinen Verzicht auf die French Open will Federer zudem keinesfalls als Abschied aus Paris verstanden wissen. «Ich werde die französischen Fans vermissen, sie haben mich immer grossartig unterstützt. Ich freue mich darauf, sie im nächsten Jahr in Roland Garros wiederzusehen», schreibt er in einer Stellungnahme. 

Trainer Lüthi präzisiert: «Ich bin sehr zuversichtlich, dass Roger die French Open wieder spielt. Er kann nächstes Jahr einen anderen Turnierplan spielen. Nur weil er in diesem Jahr nicht teilnimmt, heisst das nicht, dass er damit abgeschlossen hat», sagt er zu einem denkbaren SandtennisKarriereende seines Schützlings.

Nadal: «Logischer Entscheid»

Auf der Tennistour stösst Federers Entscheid auf Zustimmung und Verständnis. «Roger fällt immer die richtige Wahl. Er weiss genau, was er zu tun hat», sagte Stan Wawrinka an der Pressekonferenz am Rande des Turniers von Rom. Und auch Rafael Nadal sprach von einem «logischen Entscheid»: «Es wäre komisch gewesen, ohne Vorbereitung in Roland Garros zu starten.»

Federer kann sich nun vollkommen auf die Rasensaison konzentrieren. Er werde dann bestimmt bereit sein, glauben Wawrinka, Nadal und Co. unisono. Am 12. Juni greift Federer beim Rasenturnier von Stuttgart wieder ein. Ab dem 3. Juli steht das Grand Slam in Wimbledon auf dem Programm.