Man stellte sie schon als altes Ehepaar dar, das sich zankt und zofft. Das Bild ist denkbar falsch. Matthias Hüppi und Bernhard Russi zanken und zoffen sich – im Gegensatz zu deutschen TV-Duos – am Bildschirm nie. Und auch privat nicht einmal alle Schaltjahre. Die Harmonie war ihre Stärke – und Schwäche. Die Reportagen der beiden kamen höchst professionell und kompetent rüber, aber manchmal fehlte der Pfeffer. Da gaben ihre österreichischen Kollegen mehr Gas – ebenfalls mit allen Vor- und Nachteilen.

Fakt ist: Herr und Frau Schweizer haben die beiden lieb gewonnen. Hüppi und Russi gehörten im Winter zum Alltag, quasi zur Familie.

Russi und Hüppi sagen „Ciao“

Russi und Hüppi sagen „Ciao“

31 Jahre lang kommentierten die beiden Ski-Events. An der Ski-WM in St. Moritz werden Matthias Hüppi und Bernhard Russi ihren letzten Einsatz haben.

Das wird bald Vergangenheit sein. Vor dem Männer-Slalom an der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz am 19. Februar wird Bernhard zum letzten Mal seinem «Chef» Matthias – mit Betonung auf dem «i», was Russi eigenartigerweise trotz symbiotischer Beziehung erst seit einem Jahr weiss – einen Espresso holen. Und zwar ohne Zucker und ohne Milch. «Denn ohne Espresso», erklärt Russi, «glaubt Matthias, nicht kommentieren zu können.»

Schon bei der Übertragung der Abfahrt in Kitzbühel fiel einem unbewusst auf: Etwas ist nicht mehr wie bisher. Es co-kommentierte Bernhard Russi, und daneben sprach eine fremde Stimme, obwohl die mittlerweile auch über Jahre hinweg bekannt ist – Dani Kern. Aber irgendwie fehlte das Wechselspiel Russi - Hüppi. Bei ihnen merkte man ohnehin schon längst kaum mehr, wer der Hauptkommentator und wer der Co-Kommentator ist.

Ein kongeniales Team

Ausgerechnet in einem Slalom, vor dem der eine früher gerne mal vorzeitig abreiste, wird Matthias Hüppi also zum letzten Mal – hoffentlich mit Grund – seine Stimmbänder strapazieren. Was nicht immer alle goutierten. Schreihälse sind, wenn sie aus Island oder Südamerika kommen, das Gaudi des TV-Publikums. Hierzulande pflegt man Medaillen distinguiert abzufeiern – eine fast schizophrene helvetische Eigenart. So oder so, nach der WM werden die vertrautesten Skistimmen vom SRF endgültig verstummen.
Die Ära Hüppi und Russi begann am 14. Dezember 1985 im Val Gardena, als Peter Wirnsberger vor Peter Müller die Abfahrt gewann. Russi stand schon vorher als Experte im Einsatz, mit Skikommentatoren wie Bernard Thurnheer, Karl Erb, Arthur Hächler oder Hans Jucker, der in der Hitze der Gefechtes Peter Müller schon mal mit Pirmin Zurbriggen verwechselte.

Rücktritt: Bernhard Russi und Matthias Hüppi hören nach WM auf

Rücktritt: Bernhard Russi und Matthias Hüppi hören nach WM auf

Zürich - 30.1.17 - Im Interview sprechen Russi/Hüppi über ihre Gefühle vor der letzten gemeinsamen WM, ihre Freundschaft und was sie danach im Winter machen wollen.

Hüppi wird beim SRF weiterhin das «Sportpanorama» und «Sport aktuell» moderieren und die Champions League im Fussball begleiten. Und Russi wird punktuell noch als Experte tätig sein. «Aber», wie er erklärt, «nur im Zielraum. Das Mikrofon des Co-Kommentators werde ich nach St. Moritz nie mehr berühren.» Es sei ein Riesengeschenk gewesen, diese Aufgabe ausüben zu dürfen: «So konnte ich weiterhin das tun, was schon vorher als Rennfahrer mein Leben bestimmte». Aber jetzt sei Schluss.

Hüppi und Russi bildeten 31 Jahre lang ein kongeniales Team, das höchste Glaubwürdigkeit ausstrahlte. Die Partnerschaft ging weit über das Berufliche hinaus: «Wir», sagt Hüppi, «denken und fühlen ähnlich und sind verbunden durch viele gemeinsame Reisen, kennen alle Geschichten voneinander.» Trotzdem habe ihn der DOK-Film über Russi sehr berührt: «Ich kannte alle Facetten. Aber im Film war es ganz anders. Ich habe sie via Kamera, geschildert bekommen – das war sehr speziell.» Selbst TV-Profis staunen manchmal über die Kraft des Bildes.

Ausgerechnet im Val Gardena, wo einst alles begann, hat Hüppi seinem Kumpel erstmals seine Gedanken anvertraut: «Mein Ziel war es immer, zu einem Zeitpunkt aufzuhören, wenn das Feuer noch brennt und ich noch gerne eine oder zwei Saisons weitergemacht hätte.» Gestern haben die beiden ihren Entscheid der Öffentlichkeit mitgeteilt. Hüppi wird durch Stefan Hofmänner ersetzt. Wie er und die verbleibenden Kommentatoren Jan Billeter, Marc Felder und Dani Kernen die Rennen aufteilen, ist noch offen. Ebenso die Co-Kommentatoren-Frage. Und ob man überhaupt mit diesem System weiterfährt. Definitiv ist eines. Zu ersten Mal in seinem Leben hat Russi Zeit, wie er schmunzelnd festhält, im Winter Skiferien zu machen. Schliesslich wird er erst 69.