Apropos
Versöhnung zwischen Vladimir Petkovic und der Schweiz

Liest man die Namen der Spieler im aktuellen Nati-Kader, trifft man immer öfters auf Namen, die nicht der Schweizer Eidgenossenschaft entspringen können. In der Bevölkerung hört man deshalb immer wieder kritische Stimmen. Doch das Nationalteam rund um ihren smarten Trainer Petkovic ist auf bestem Weg, sich trotz einiger «ic» Namen in die Herzen der Nation zu spielen.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Ein nachdenklicher Vladimir Petkovic, der ganz genau auf die Strömungen rund um die Integration seiner Spieler achtet.

Ein nachdenklicher Vladimir Petkovic, der ganz genau auf die Strömungen rund um die Integration seiner Spieler achtet.

Keystone

Neuerdings nehmen in der Schweiz die Gesuche für Namensänderung zu. Haben wir gestern in der «Nordwestschweiz» gelesen. Milovan Radosavljevic möchte neu Robert Huber heissen. Weil er seine Integration in die Schweiz «vollenden» will. Und vielleicht auch, weil er spürt, dass mit einem «ic» im Namen weiterhin keine Chancengleichheit herrscht.

Das bringt uns zur Schweizer Fussballnationalmannschaft. Die Nati und die Integration, es ist ein heikles Thema. Immer mal wieder keimt es auf. Mal wegen einer nicht gesungenen Hymne. Mal wegen Gräben im Team. Mal wegen eines gut gemeinten und falsch übersetzten Briefes. So verschieden die Gründe sein mögen, so einfach ist der gemeinsame Nenner: Unruhe.

Petkovic applaudiert für seine Spieler und die Schweiz.

Petkovic applaudiert für seine Spieler und die Schweiz.

Keystone

Besonders heikel ist es, wenn es um den Trainer geht, um Vladimir Petkovic. Im Schatten des grossen Ottmar Hitzfeld hat Petkovic manchmal die Wertschätzung vermisst. Immer auch mit der leisen Überzeugung, dass seine Wurzeln als bosnischer Kroate der Grund dafür sein könnten. Vielleicht hat er sich manchmal gewünscht, er würde in der Schweiz einfach Waldemar Peter heissen. So lautet sein Name übersetzt.

Petkovic achtet wie kaum ein Zweiter auf Strömungen rund um seine Mannschaft. Manchmal misst er den Zwischentönen etwas gar viel Bedeutung zu – und steht sich damit dann selbst im Weg. Aber manch ein heterogenes Gefüge vermag er mit seiner ausgewiesenen Sozialkompetenz eben auch entscheidend weiterzubringen. Genau das scheint derzeit mit der Schweizer Nationalmannschaft zu passieren. Es ist eine Entwicklung, die noch vor kurzer Zeit niemand erwartet hätte.

Die Nati-Spieler im Integrationsprozess.

Die Nati-Spieler im Integrationsprozess.

Keystone

Petkovic spürt genau, wie sich die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit und beim Publikum rund um sein Nationalteam in den letzen Monaten verändert hat. Erstmals in seiner Amtszeit ist so etwas wie eine kleine Euphorie um die Schweiz entstanden. Der 2:0-Sieg über Europameister Portugal strahlt genauso wie die spielerischen Auftritte an der EM in Frankreich. Die Versöhnung zwischen der Schweiz und Petkovic ist in vollem Gange. Auch ohne Namensänderung.