FC Basel
Verlorene Werte, Intrigen statt Identifikation: Deshalb schmeisst Alex Frei beim FCB hin

Eine Woche nach dem Rücktritt des Sportchefs Ruedi Zbinden schmeisst auch U21-Trainer Alex Frei hin. Diese Aktion ist ein weiteres Indiz dafür, dass im Verein zerrüttete Verhältnisse herrschen.

Céline Feller
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Auch Alex Frei mag nicht länger mit Burgener und Co zusammen arbeiten.

Auch Alex Frei mag nicht länger mit Burgener und Co zusammen arbeiten.

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Werte leben. Mit diesen Worten versieht Marco Streller ein Bild, welches er auf den sozialen Medien teilt. Ein Bild von ihm und Alex Frei. Streller trägt seinen Freund auf dem Rücken, sie jubeln, strahlen. Es ist ein Bild aus Zeiten, in denen beide noch aktive Fussballer waren, ein Bild von früher. Von damals, als alles noch besser war beim FC Basel.

Streller publiziert seinen Beitrag nur kurz nachdem die nächste Bombe beim nimmerruhigen FCB geplatzt ist: Am Montagmorgen nämlich sickert durch, dass Alex Frei seinen Rücktritt als Trainer der U21 erklärt hat. Am Abend zuvor hat er seine Kündigung eingereicht. Nur einen Tag, nachdem er mit seinen Jungs den ersten Meisterschaftssieg im dritten Spiel eingefahren hat. Dann ist Schluss – per sofort. Frei hat keine Lust mehr. Nicht auf seine Stelle, welche er unlängst als grosse Chance hervorgehoben hatte. Nicht auf seine Spieler, in denen er viel Potenzial sieht. Nein, Alex Frei hat keine Lust mehr auf den FC Basel. Oder besser: auf jene Leute, welche den Verein führen.

Alex Frei wurde viel zu lange hingehalten

Denn obschon weder Frei noch der Klub öffentlich Auskunft geben zur jüngsten Trennung, sind die Gründe Freis klar. Der ehemalige Topstürmer kann und will nicht mehr mit und unter Präsident Bernhard Burgener und CEO Roland Heri arbeiten. Das Tuch ist zerschnitten, das Klima eisig. So ist es aus FCB-Kreisen zu hören. Und nur so ist nachvollziehbar, dass Frei nicht nur seine Stelle als Nachwuchstrainer aufgibt, sondern gleichzeitig auch noch die Chance, Marcel Koller nach Ende dieser Saison als Cheftrainer der ersten Mannschaft zu beerben. Und das, obschon er Ambitionen und Lust auf den Posten verspürte – und eine der Wunschlösungen der Führungsetage gewesen wäre. Aber eben, diese ist der Grund, wieso sich Freis Wege und jene seines Herzenklubs trennen. Auch, weil er viel zu lange hingehalten wurde.

Bereits vor drei Monaten wurde er bezüglich einer Koller-Nachfolge kontaktiert. Vor einer Woche dann hatte er einen Vertragsvorschlag vorliegen. Dieser führte aber nicht zu seiner Beförderung, sondern zu Ruedi Zbindens Rücktritt. Frei spürte weiterhin zu wenig Effort seitens der Klubführung, bekam wieder keine Entscheidung. Wohl auch, weil man im Verein damit gerechnet hatte, dass er ohnehin zusagen würde, egal wie lange der Entschluss auf sich warten lässt. Zu gross die Verbindung zum Verein, zu ambitioniert Frei selber, um eine solche Chance auszulassen – dachte man.

Viele Intrigen, kaum mehr Identifikation

Doch es ist anders gekommen. Weil Frei, wie Zbinden oder sein Freund Streller, die Nase voll hat. Der Entscheid ist keiner aus dem Bauch heraus, sondern ein gereifter und überlegter. Und er ist wie bei Streller ein definitiver. Denn während Zbinden trotz Rücktritt dem Klub erhalten bleibt, verabschiedet sich Frei ganz. Das Amt als Verwaltungsrat hat er bereits im Sommer 2019 niedergelegt. Der FCB verliert mit Frei aber nicht nur eines der grössten Trainertalente des Landes und den Coach seiner höchsten Juniorenauswahl, sondern viel mehr.

Er verliert eine der letzten Figuren, welche beim Besitzerwechsel 2017 als Gesicht des neuen FCB vorgestellt wurden. Mit Streller (ebenfalls zurückgetreten) und Massimo Ceccaroni (nach Indien verbannt) sollte Frei für den Neuanfang beim FC Basel stehen, für einen Klub, der auf lokale Helden mit viel Fussball-Knowhow und rotblauem Herzblut setzt. Geblieben ist davon sehr wenig. Die Geschicke leiten nicht mehr die Strellers und Freis, sondern die Burgeners, Heris und Percy van Lierops. Der FCB verliert immer mehr Lokalkolorit und damit etwas, was sich Burgener bei der Übernahme auf die Fahne geschrieben hatte. Doch statt Identifikation herrschen Intrigen im und um den FCB.

Freis fristlose Kündigung zeigt einmal mehr, wie zerrüttet im ehemaligen Vorzeigeklub alles ist. Der FC Basel steht vor einem Scherbenhaufen. Es fehlen ein U21-Trainer, ein Trainer für die erste Mannschaft und ein Sportchef. Und es fehlen spätestens mit Freis Abschied jene Werte, die Streller in seinem Beitrag herausstreicht. Die Werte, welche den Klub einst gross machten. Es ist ein gefährlicher Weg, den Präsident Burgener und CEO Heri gehen.

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