Fussball
Van Basten macht auf Infantino – mit diesen 8 Regeln will er den Fussball revolutionieren

Neue Regeln braucht der Fussball! Wirklich? Die Fifa will testweise Shootouts anstelle von Penaltyschiessen und Zeitstrafen statt Gelber Karten einführen und hat noch jede Menge weiterer Regeln im Köcher. Eine gute Idee?

Philipp Reich
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Van Basten strotzt nur so vor neuen Ideen...

Van Basten strotzt nur so vor neuen Ideen...

Keystone

Nach der Entscheidung für die 48er-WM beschäftigt sich die Fifa offenbar bereits mit neuen Reformen – diesmal sind die Spielregeln an der Reihe. «Wir müssen den Fussballbeobachten und immer prüfen, ob und wie wir ihn verbessern können, um das Spiel ehrlicher, dynamischer, interessanter zu machen», sagt Marco van Basten, der Technische Direktor der Fifa, in einem Interview mit der «Sport Bild». Mit diesen Ideen möchte der einstige holländische Star-Stürmer den Fussball revolutionieren.

1. Shootout statt Verlängerung

Eishockey ist hier das grosse Vorbild: Van Basten schwebt ein Penaltyschiessen mit Anlauf vor: «Jede Mannschaft hat fünf Versuche. Der Schiedsrichter pfeift, dann läuft der Spieler aus 25 Metern auf den Torwart zu. Innerhalb von acht Sekunden muss die Aktion abgeschlossen sein. Der Torwart darf den Strafraum nicht verlassen, wenn er pariert, ist es vorbei.»

Das sei spektakulär für die Zuschauer und interessant für den Spieler. «Beim Penaltyschiessen ist in einer Sekunde für ihn alles vorbei, beim Shootout hat er mehr Möglichkeiten: Er kann dribbeln, schiessen, abwarten, wie der Torwart reagiert.»

2. Zeitstrafen statt Gelbe Karte

Ebenfalls vom Eishockey, aber auch vom Junioren-Fussball bekannt. Wer eine entsprechende Regelwidrigkeit begeht, muss für eine bestimmte Zeit vom Feld. «Von einer Gelben Karte für den Gegenspieler hast du als angreifende Mannschaft wenig. Eine Idee ist, die Gelbe Karte durch eine Zeitstrafe von fünf oder zehn Minuten zu ersetzen. Das schreckt ab. Es ist doch schwieriger mit 10 gegen 11, geschweige denn mit 8 oder 9», sagt van Basten dazu.

Gibt es bald auch im Fussball eine Zeitstrafe?

Gibt es bald auch im Fussball eine Zeitstrafe?

Keystone

3. Abseits abschaffen

Die Abseitsregel polarisiert seit ihrer Einführung: Einerseits, weil sie oft zu Fehlentscheidungen führt. Andererseits, weil sie für Laien ziemlich kompliziert ist. Für van Basten könnte man gut auf Abseits verzichten. «Der Fussball ähnelt inzwischen immer mehr dem Handball», erklärt van Basten. «Neun Spieler plus Torwart machen den Strafraum dicht, das ist wie eine Mauer. Ein Durchkommen ist nur sehr schwer möglich.» Ohne Abseits könnten die Stürmer hinter den Verteidigern stehen, die es dann viel schwerer hätten zu verteidigen...

Die Abseitsregel sorgt oft für unliebsame Diskussionen.

Die Abseitsregel sorgt oft für unliebsame Diskussionen.

Keystone

4. Rudelbildung verhindern

Für van Basten beschweren sich die Spieler viel zu oft beim Schiedsrichter, was nicht nur ärgerlich sei, sondern auch viel zu viel Zeit koste. «Es wäre daher eine gute Idee, wenn wie im Rugby nur der Captain mit dem Referee sprechen dürfte», so van Basten.

5. Maximale Anzahl an Fouls

Hier ist Basketball das Vorbild. Nach fünf persönlichen Fouls wird ein Spieler automatisch des Feldes verwiesen. Allerdings dürfte er durch einen anderen Spieler ersetzt werden.

Basketballer können sich nur eine gewisse Anzahl Fouls leisten.

Basketballer können sich nur eine gewisse Anzahl Fouls leisten.

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6. Effektive Spielzeit

Für van Basten ist das Zeitschinden eines der grössten Probleme im Fussball: «Die Zuschauer wollen Action sehen, Tore und Zweikämpfe. Je länger eine Auswechslung, die Ausführung eines Freistoßes oder die Behandlung eines verletzten Spielers dauern, desto mehr Spielzeit geht verloren.» Deshalb sollen die letzten 10 Minuten mit effektiver Spielzeit gespielt werden. In jeder Sekunde dieser zehn Minuten muss der Ball rollen. Damit würde allerdings die gesamte Spieldauer deutlich verlängert werden.

Wenn nur simuliert wird, bringt die Nachspielzeit nicht viel.

Wenn nur simuliert wird, bringt die Nachspielzeit nicht viel.

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7. Mehr als drei Wechsel

Mit mehr als drei Wechselmöglichkeiten könnte die Verletzungsgefahr der Spieler minimiert werden und gäbe einem Trainer mehr taktische Möglichkeiten. Van Basten würde eine solche Neuerung begrüssen. «Wir sprechen über ein oder zwei zusätzliche Einwechslungen in der Verlängerung. Jedoch sollten das Spiel und der Spielfluss nicht darunter leiden und nicht grundlegend verändert werden.»

Haben mehr Auswechslungen tatsächlich nur Vorteile?

Haben mehr Auswechslungen tatsächlich nur Vorteile?

Keystone

8. Weniger Pflichtspiele

Für van Basten wird den besten Fussballern zu viel abverlangt, das Jahr mit zusätzlichen Wettbewerben immer mehr aufgebläht. «Wir müssen uns auf die Qualität des Spiels konzentrieren. Wir sollten die Anzahl von 80 Saisonspielen auf einem Niveau, das nicht das Höchste ist, auf 50 Spiele auf Top-Niveau senken», so der Holländer. «Wir müssen den Topstars wie Ronaldo, Messi und Ibrahimovic, die die Fans sehen wollen, helfen, damit sie mental frisch und körperlich fit sind, weil sie weniger Spiele absolvieren müssen.»

Die Konsequenz von bis zu 80 Saisonspielen: Spieler werden öfters von Krämpfen geplagt.

Die Konsequenz von bis zu 80 Saisonspielen: Spieler werden öfters von Krämpfen geplagt.

Keystone