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Nicht-Geimpfte der US-Ligen werden zur Kasse gebeten

Kyrie Irving zieht vor Saisonbeginn der NBA die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Für einmal nicht wegen seines genialen Spiels, sondern aufgrund seines Impfentscheids. Der Point Guard fällt nicht zum ersten Mal neben dem Parkett auf.

Gabriel Vilares und Pascal Kuba
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Kyrie Irving könnte in dieser Saison alle Heimspiele seiner Brooklyn Nets verpassen.

Kyrie Irving könnte in dieser Saison alle Heimspiele seiner Brooklyn Nets verpassen.

Keystone

Kyrie Irving ist ein Basketballer in der NBA, ein äusserst erfolgreicher noch dazu. Mit LeBron James konnte er 2016 bei den Cleveland Cavaliers die Meisterschaft gewinnen, seine Dribblings und sein Ballgefühl sind einzigartig. Er gilt als einer der technisch besten Spieler der Geschichte. Sein Vermächtnis will der in Australien geborene Amerikaner mit den Brooklyn Nets weiter ausbauen und seinen zweiten Titel in der besten Basketballliga der Welt holen. Unterstützt wird er dabei von den beiden ehemaligen «Most-Valuable-Player» Kevin Durant und James Harden.

Doch ob Kyrie Irving den Anwärter auf den Titelgewinn überhaupt unterstützen kann, ist derzeit fraglich. Für die neue Saison, welche am 19. Oktober startet, gelten strenge Covid-Massnahmen, speziell für nichtgeimpfte Spieler. Denn abgesehen vom Schutzkonzept, welches unter anderem tägliche Tests, eine Maskenpflicht und einen grundsätzlichen Abstand zu den Mitspielern beinhaltet, werden nichtgeimpfte Spieler, die eine Partie aufgrund einer fehlenden Impfung gegen das Coronavirus verpassen, nicht bezahlt. Das sind in Kyrie Irvings Fall rund 355'000 Franken, bei einer ganzen verpassten Regular Season etwa 14,5 Millionen Franken. Eine stattliche Summe, auf welche der Guard scheinbar problemlos verzichten will.

Kein Lohn und kein Zutritt in New York

Weil in New York darüber hinaus noch strengere Massnahmen gelten, dürfte der 29-Jährige an keinem einzigen Heimspiel seiner Nets teilnehmen. Im Big Apple bedarf es nämlich für den Zutritt zu einer Sporthalle einer Vorlage eines Impfnachweises. Heisst also weder Trainingseinheiten noch Meisterschaftsspiele im heimischen Barclays Center. Falls Irving stur bleiben sollte und sich weiterhin gegen das Covid-19-Vakzin verweigern sollte, könnte er theoretisch bloss an den Auswärtsspielen (je nach Regelung des jeweiligen Bundesstaats) teilnehmen.

So genial Irving auf dem Parkett agiert, so unglücklich äussert sich der siebenmalige Allstar auch manchmal daneben. Vor einigen Jahren behauptete er beispielsweise, die «Erde sei eine Scheibe». Immerhin liess er sich später eines Besseren belehren und entschuldigte sich für diese Aussage. Auch Verschwörungstheorien sollen ihm gemäss US-Medien nicht fern sein.

Praktisch alle sind in der NHL geimpft

Problemfälle wie Kyrie Irving sind in der NBA die Ausnahme. 95 Prozent aller Spieler haben die Schutzspritze in Anspruch genommen, was bei 30 Teams etwa einem Schnitt von einem Ungeimpften pro Mannschaft entspricht. Bei den Atlanta Hawks um Clint Capela rechnet man mit einem vollständig geimpften Team. Davon spricht man auch in der gesamten NHL, wo die Impfrate noch höher ist als in der NBA. Hier rechnet man mit 98 bis 99 Prozent.

In der amerikanischen Eishockeyliga sind es die Trainer, die für die Schlagzeilen sorgen. Während bei den Spielern, wie in der NBA, keine Pflicht besteht, muss sich das gesamte restliche Personal eines Teams impfen lassen. Das kostete schon die Schweizer Grégory Hofmann, Dean Kukan und Tim Berni (nun in der AHL) bei den Columbus Blue Jackets mit Sylvain Lefebvre einen Assistenztrainer. Damit war Lefebvre, der als Spieler mit dem SC Bern 2002 einen Meistertitel gewann, bereits der zweite Assistenztrainer. Bei den San José Sharks hatte man sich schon von Rocky Thompson getrennt.

Auch in der NFL, der Profiliga im American Football, soll die Impfquote hoch sein. Bei über 93 Prozent. Diese Quote erreichte die Liga ebenfalls ohne Pflicht, hatte aber ein eindringliches Schreiben verfasst. Falls ein Spiel wegen eines Covid-Ausbruchs nicht stattfinden könnte, würde das Spiel nicht verschoben, sondern als Niederlage gewertet werden. Obendrein würden die Spieler eine Woche keinen Lohn erhalten. Zudem müssen geimpfte Spieler sich nicht täglich testen lassen oder bei einem Kontakt mit Infizierten in Quarantäne. Vor dem Schreiben war die Quote noch um 20 Prozent tiefer gewesen.

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