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US Open: Ein Coronafall und Alexander Zverev schaffen ein Klima des Misstrauens

Benoît Paire wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Benoît Paire wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Ein positiver Coronafall bei den US Open führt zwar nicht zu weiteren Ausschlüssen. Stattdessen platzt Benoît Paire der Kragen, die Blase soll plötzlich keine mehr sein, und unter den Teilnehmern herrscht Misstrauen.

Benoît Paire hat viel Zeit. Zeit, nachzudenken. Zeit, zu lesen, was gerade so über ihn geschrieben wird, nachdem er bei den US Open in New York positiv auf das Coronavirus getestet worden ist, und sich nun für zehn Tage isolieren muss. Der erste Ballwechsel ist noch gar nicht gespielt, da verschafft der Franzose seinem Unmut Luft und schreibt in den sozialen Medien und aus seinem Hotelzimmer auf Long Island: «Fake Bubble! Ich zögere noch, zu erzählen, was wirklich in dieser falschen Blase passiert.» Etwas kryptisch vielleicht, aber immer noch unmissverständlich.

Elf Spieler sollen sich nun in einer «Blase in der Blase» befinden und keinen Kontakt mehr zu den Kollegen haben. Sie unterzeichneten eine Zusatzvereinbarung, wurden aber nicht vom Turnier ausgeschlossen, wie das Protokoll eigentlich vorgesehen hätte. Das alles in Absprache mit den lokalen Gesundheitsbehörden. Namen wurden offiziell keine genannte, einige sind dennoch bekannt. Unter ihnen der Franzose Adrian Mannarino, der mit Paire Karten gespielt hat, sowie Landsfrau Kristina Mladenovic, die mit Paire am Tisch gesessen hat. Die Spieler verdächtigten sich nun gegenseitig, es herrscht ein Klima von Unsicherheit und Misstrauen.

Alexander Zverev sorgte mit dem Coronaverdacht gegen den Russen Daniil Medwedew für Aufregung unter den Spielern bei den US Open.

Alexander Zverev sorgte mit dem Coronaverdacht gegen den Russen Daniil Medwedew für Aufregung unter den Spielern bei den US Open.

Zverev und der Verdacht gegenüber Medwedew

Alexander Zverev, der sich in der Corona-Pause nicht mit vorbildlichem Verhalten hervorgetan hatte, bei der von Novak Djokovic organisierten Adria-Tour gespielt hatte, danach reumütig ankündigte, sich in Isolation zu begeben, nur um wenige Stunden bei einer Strandparty in Monte Carlo aufzutauchen, beklagte gegenüber «Eurosport», die Organisatoren hätten bei der Kommunikation versagt. Er habe aus den Medien erfahren, dass der Russe Daniil Medwedew positiv getestet worden sei. Eine Stunde später dementierte dessen Trainer, Medwedew befinde sich in dieser «Blase in der Blase», weil er mit Paire in engem Kontakt gestanden sei.

Ungeachtet dessen, dürfte Paire mit mehr als nur diesen elf Spielern in Kontakt gestanden haben. Er gilt als Bonvivant, spielt stundenlang Karten und nutzte das Freizeitangebot auf der Anlage und im Hotel (Playstation, Minigolf, Basketball) ausgiebig. Jene, von denen bekannt ist, dass sie betroffen sind, wehren sich gegen den Verdacht, gegen das Protokoll verstossen zu haben. Sie hätten auch immer eine Maske getragen, beteuert Kristina Mladenovic. Ausser ihre Partie zu spielen, dürfe sie praktisch nichts mehr tun, klagte Mladenovic, die seitdem zweimal negativ getestet wurde. Sie dürfe nicht in den Fitnessraum, dürfe auch nicht dorthin, wo sich die anderen Spieler sonst aufhalten würden.

French Open mitten in der zweiten Welle

Ein anderer, der sich in der Blase nicht mehr frei bewegen darf, ist Adrian Mannarino. Er habe nicht gewusst, ob er disqualifiziert würde oder nicht, sagte er. Deshalb habe er kaum ein Auge zugetan in der Nacht. Das Wort Blase vermied er, stattdessen sprach er von einer «sicheren Umgebung». Eine semantische Umdeutung, verordnet vom Organisator, geregelt in der Zusatzvereinbarung, welche die Betroffenen unterschrieben haben. Das soll wohl auch vertuschen, dass die Regeln im Hinblick auf die US Open gelockert worden sind. Beim nach New York verlegten Masters-Turnier in der Vorwoche waren Guido Pella und Hugo Dellien ausgeschlossen worden, weil ihr Fitnesstrainer positiv getestet worden waren.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie schwappt über Frankreich.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie schwappt über Frankreich.

Der Deutsche Tim Pütz, der sich bis einen Tag vor dem Turnier in New York weilte, sagte in einem Podcast, eine Blase habe es nie gegeben. Eines der beiden Hotels in Long Island werde mindestens zur Hälfte von Gästen bewohnt, die nichts mit dem Turnier zu tun hätten. Mit diesen habe man auch die Fahrstühle geteilt. Köche, Fahrer, Sicherheitspersonal - alle diese Menschen hätten sich im Hotel frei bewegt, und seien am Abend nach Hause gefahren. Es habe Partys gegeben, sogar Hochzeiten seien gefeiert worden. Ein Vorwurf, den der Veranstalter, der amerikanische Verband USTA, nicht entkräftete, stattdessen in die Gegenoffensive ging und sagte, es gebe Hinweise, Paire habe gegen die Regeln verstossen.

Ungeachtet dessen gehen die Planungen für die French Open in die finale Phase. Das Turnier in Paris soll zwei Wochen nach dem Final der US Open beginnen (21. September bis 11. Oktober). Wie in New York soll es zwei offizielle Hotels geben, private Unterkünfte sind verboten. Bei den US Open nutzen Novak Djokovic und Serena Williams diese Möglichkeit. Die Veranstalter wollen auch bis zu 50 Prozent der Zuschauerränge füllen. Das scheint illusorisch, denn in Frankreich sind Veranstaltungen mit mehr als 5000 Menschen untersagt. Zumal eine zweite Welle über das Land schwappt. Ende August wurden 7300 Neuinfektionen pro Tag registriert. Das sind gleich viele wie auf dem Höhepunkt der Pandemie im März.

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