EM-Qualifikation

Und jetzt der Charaktertest: Die Schweizer Nati ist gegen Georgien gefordert

Das Abschlusstraining in Tiflis: Die Schweizer Nationalspieler wollen in Georgien die EM-Qualifikation mit einem Sieg lancieren.

Die Schweizer Fussball Nationalmannschaft startet heute in Georgien in die EM-Qualifikation. Die Qualifikation für die EM 2020 ist für die Schweizer Nationalmannschaft Pflicht

Wenn die Schweizer heute Samstag um 15 Uhr im windigen Tiflis gegen Georgien in die EM-Kampagne starten, steht eine Frage im Raum: Hat die Mannschaft den Umbruch nach der WM tatsächlich gut gemeistert?

Acht Spieler stehen im Kader, die in Russland nicht dabei waren. Diese acht Schweizer haben nicht hautnah erlebt, was das 2:1 gegen Serbien und der Nachgang des Turniers auslöste. Sie waren nicht dabei, als vier Routiniers – je nach Lesart – keine Rolle mehr spielten. Sie müssen nicht wie Fabian Schär sagen: «Wir versuchen auszublenden, was gewesen ist.»

Das kann ein Vorteil sein, denn mit den Neuen wie Kevin Mbabu oder Albian Ajeti kommt ein frischer Erfolgshunger. Einer, den es nun in dieser Kampagne, an deren Ende die EM 2020 in zwölf Städten mit 24 Teams steht, zu stillen gilt. Einer, der im vergangenen Herbst zu diesem famosen 5:2 gegen Belgien in der Nations League führte, verbunden mit der Qualifikation für die Final Four im Juni in Portugal.

Es ist jene Begegnung gegen Belgien, die nun als Messlatte dient – und das Finalturnier ist ein Bonus, dank dem die Schweizer Spieler jene Partien simulieren können, in denen sie ständig scheitern.

Schlüsselspieler fehlen

Unter Trainer Vladimir Petkovic haben sich die Schweizer etwas angeeignet, das sie in dieser Form nicht kannten; sie gewinnen seit viereinhalb Jahren sämtliche Pflichtspiele gegen schwächer eingestufte Widersacher. Weil sie zwar selbstbewusst, aber nie arrogant sind. Und weil sie den Fokus auf die eigene Stärke und das Kollektiv legen.

Die Partie gegen Georgien wird umso mehr zum Charaktertest, zumal Admir Mehmedi, allen voran aber Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic fehlen. Es ist ein erster Beweis fällig, dass die Schweiz Ausfälle von Schlüsselspielern verkraften kann.

Wie wichtig ein gelungener Start ist, hat die Qualifikation für die WM gezeigt. Wie schwierig dagegen ein Fehlstart zu verkraften ist, musste Vladimir Petkovic im Sommer 2014 direkt nach seiner Amtsübernahme erleben. Nach den beiden Niederlagen gegen England und Slowenien war der Gegenwind bereits spürbar. Auf ein weiteres solches Erlebnis wird das Nationalteam liebend gern verzichten.«Von den Schweizern wird immer viel und immer mehr erwartet», sagt Granit Xhaka. Das sei aber eine Auszeichnung und mehr Motivation als Druck.

Ebenso kann es ein positives Signal an das Team sein, dass sich der bereits 35-jährige Stephan Lichtsteiner dem Konkurrenzkampf stellt. Und sich nicht in seine Komfortzone zurückzieht. Die Jungen können vom Captain lernen, der mit Torhüter Yann Sommer den Nationalcoach signifikanterweise an der Pressekonferenz flankierte. Doch an Lichtsteiner nagt der Zahn der Zeit, und nur solange der Erfolg da ist, wird es an seiner Nomination auch nichts auszusetzen geben.

Bei Vladimir Petkovic stellt sich indes die Frage, wie lange er noch Nationaltrainer dieser Schweiz sein will. Die Qualifikation für die EM 2020 ist ein Muss, es wäre dann seine dritte Endrunde in sechs Jahren Amtszeit.

Und dennoch könnte der eine oder andere Klub ja auf den Gedanken kommen, Petkovic abzuwerben. Wenn es ihn nicht von sich aus wieder zu einem Verein zieht. Seine Statistik spricht für ihn. Er ist derzeit der erfolgreichste Trainer der Geschichte, was Punkte pro Spiel angeht.

Die Ausnahme verhindern

Ganz egal, wie die Schweiz in die EM-Qualifikation startet. Den Schatten der Niederlagen in den Achtelfinals der Europameisterschaft 2016 und der Weltmeisterschaft 2018 kann sie erst an einer Endrunde wieder loswerden. Ein erfolgreiches Final-Four-Turnier mag als Zwischenstation genügen – mehr aber nicht.

So oder so steht dieser ambitionierten Nationalmannschaft ein spannendes Fussballjahr 2019 bevor. Eines, das Höhen und Tiefen bringen wird. Eines, in dem die Spieler weitere Fortschritte in ihrer Entwicklung erzielen müssen, um künftige, höhere Aufgaben zu bewältigen. Damit Belgien nicht die Ausnahme bleibt. Das darf noch nicht der Zenit gewesen sein.

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