WM-Vergabe
Und am Schluss gewinnt «dr Füessball»

In Zürich endete eine bizarre zweitägige Show mit Joseph S. Blatter im Zentrum. Sie hat gezeigt: Der Walliser ist viel mehr als nur der Präsident eines Sportverbands.

Benno Tuchschmid
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Keystone

Die ganze Welt blickte auf einen kleinen Mann in der Rolle seines Lebens: Joseph S. Blatter, Präsident des Fussballs und Botschafter der Hoffnung. Seine Message in der Messe Zürich war einfach – und repetitiv: Fussball ist mehr als Sport und Joseph S. Blatter selber ist viel mehr als der Präsident eines Sportverbandes.

Mit einer Stunde Verspätung trat Blatter vor die Kamera. In klassischem Blatter-Englisch sprach er vom «football» als «combat game», das vom «fairplay» lebe und eine «school of life» sei. Mit Gestik und Mimik eines mässig talentierten Laienschauspielers unterstützte er seine Blatterismen. Fussball bringt die Welt zusammen und «hope to humanity». Hoffnung für die Menschheit. Und dann zückte er aus dem ersten Couvert «Russia» und aus dem zweiten «Katar».

Händeschütteln und Schulterklopfen

Die Dankbarkeit war gross. Der russische Vizeministerpräsident Igor Schuwalow strahlte, Scheich Mohammed Bin Hamad al-Thani aus Katar musste die Tränen unterdrücken. Und ein gütiger Blatter schüttelte Hände und klopfte auf Schultern.

Mit der Zeremonie ging eine bizarre zweitägige Show zu Ende. Als Bühnenbild diente «the city of Fifa», die Stadt der Fifa, wie Blatter Zürich nennt. Und tatsächlich: Die Stadt gehörte die ganze Woche der Fifa. In Zürich war in den letzten Tagen kein Hotelzimmer mehr zu buchen, jedenfalls nicht im Vier- und Fünfsternesegment.

In schlechteren Absteigen lassen sich Fifa-Funktionäre und die Delegationen der potenziellen Austragungsorte nicht einquartieren. Heerscharen von Prominenten und Mächtigen reisten an, dazu über tausend akkreditierte Journalisten, die aus Zürich berichteten. Für zwei Tage war Zürich dort, wo es gemäss Selbstverständnis hingehört: im Zentrum der Welt.

Danke, liebe Fifa

«Wir müssen der Fifa danken, dass sie hier in Zürich ihren Hauptsitz hat. Wir profitieren massiv», jubelt denn auch Jörg Arnold, Vorstandsmitglied von Zürich Tourismus und Direktor des Hotels zum Storchen. In Franken sei es schwer zu sagen, wie viel die Stadt an der Fifa verdiene, so Arnold. «Klar ist: Es profitiert nicht nur die Hotel-Branche. Drei von vier Franken geben Gäste in Zürich ausserhalb der Hotellerie aus.»

Danke, Fifa. Obwohl: Der wahre Wert des Fifa-Hauptsitzes für Zürich bleibt unklar. Ähnlich schwer zu messen ist der Wert einer Weltmeisterschaft für ein Austragungsland. Klar ist aber: In erster Linie kostet eine Weltmeisterschaft Milliarden. Katar gibt 3 Milliarden Dollar für neue Stadien aus. Russland 3,8Milliarden. Die Kosten der anderen Mitbewerber hätten in einem ähnlichen Bereich gelegen. Dazu kommen die Spezialrechte, welche die Fifa bei den Austragungsländern mit Knebelverträgen durchsetzt: Steuerfreiheit, Marketingrechte und Sponsoreneinnahmen.

Doch abschreckend wirkt das nicht. Die Mächtigen dieser Welt gaben sich im Fifa-Hauptquartier beim Zürcher Zoo die Klinke in die Hand. Am Flughafen standen am Mittwochmorgen offizielle Regierungsmaschinen der USA, Australiens und Katars. Wer von der Fifa etwas will, braucht grosses Kaliber. Und so kam es vor dem Fifa-Hauptquartier in den letzten zwei Tagen zu einem Ballett der schwarzen Limousinen. Die Luxuskarossen-Karawanen rollten durch das imposante Tor aufs Fifa-Gelände, luden ihre kostbare Fracht vor dem Haupteingang ab, rollten wieder aus dem Tor, um darauf in der Tiefgarage zu verschwinden. Alles beobachtet von Journalisten, Fotografen und von Polizisten.

Zahlen tut die Schweiz

Zur Grössenordnung des Einsatzes wollte Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, nichts sagen. «Nur so viel: Ein Einsatz in dieser Grössenordnung ist sicher aussergewöhnlich.» Sobald völkerrechtlich geschützte Personen ins Land kommen, muss die Polizei diese schützen. Egal, ob die Fifa sie eingeladen hat oder nicht. Die Kosten für die Bewachung von Clinton und Co. übernimmt der Bund, also der Steuerzahlen. Es sind gegen zwei Millionen Franken. Werden die Kosten an die Fifa weiterverrechnet? Antwort vom Bundesamt für Polizei: «Nein.»

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