Olympische Winterspiele
Schweizer IOC-Direktor Christophe Dubi sagt am Telefon in Peking: «Eine Verschiebung wird es nicht geben»

Gastgeber China und das Internationale Olympische Komitee trotzdem dem aktuellen Omikron-Wirbelsturm unbeeindruckt und halten unter allen Umständen an den Spielen fest.

Rainer Sommerhalder
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Auch Chinas Staatschef Xi Jinping zeigt am Mittwoch demonstrativ, wohin der olympische Weg führt.

Auch Chinas Staatschef Xi Jinping zeigt am Mittwoch demonstrativ, wohin der olympische Weg führt.

China und das IOC zeigen sich immun gegen aufkommende Forderungen, die Olympischen Spiele in Peking wegen der explosionsartigen Ausbreitung von Omikron-Ansteckungen in vielen Ländern zu verschieben.

CH Media erreicht Olympiadirektor Christophe Dubi am Mittwoch nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in China, wo der Schweizer IOC-Funktionär bis Ende Februar bleiben wird. Seit gut zwei Jahren war Dubi wegen der Pandemie nicht mehr im Gastgeberland der Winterspiele. Eine auch für ihn bislang einzigartige Situation in seiner langjährigen Rolle als oberster Beauftragter des Olympischen Komitees.

Dubi blickt während des exklusiven Videocalls entschlossen in die Kamera und sagt: «Eine Verschiebung wird es nicht geben. Die Olympischen Spiele werden auf jeden Fall am 4. Februar eröffnet». Diese unmissverständliche Botschaft hat er Minuten zuvor an einer virtuellen Sitzung auch an die nationalen Sportverbände gerichtet und diese offensichtlich beeindruckt.

Der Schweizer Olympiachef Ralph Stöckli hatte noch am Vortag gefordert, die Option einer Verschiebung müsse beim Meeting ein Thema sein. Im Anschluss an den Austausch sagt auch er: «Die Frage nach einer Verschiebung ist vom Tisch.»

Chinas Herrscher besucht das Olympiadorf

Das IOC steht mit seiner Standhaftigkeit inmitten des wütenden Omikron-Sturms nicht alleine da. Auch die chinesischen Gastgeber zelebrieren die Olympia-Vorbereitungen richtiggehend. Am Mittwoch besuchte Staatschef Xi Jinping Wettkampfstätten und das Athletendorf.

Einen Tag zuvor startete in der Olympischen Zone die strikte Abschottung in der Blase. Gemäss Dubi sind bereits mehr als 2000 Personen aus aller Welt in China eingereist, darunter aus der Schweiz eine dreistellige Zahl an Mitarbeitenden des offiziellen Zeitmessers Omega.

Auch das 98000 Quadratmeter grosse Medienzentrum wurde offiziell eröffnet. Das Aussenministerium liess bei dieser Gelegenheit verkünden, man sei zuversichtlich, «dass wir die mit der Verbreitung von Omikron verbundenen Herausforderungen meistern und der Welt sichere und grossartige Spiele präsentieren werden. Es wurde betont, dass China «ein hochwirksames System zur Bekämpfung des Virus» habe.

Ins gleiche Horn bläst Christophe Dubi: «Die Organisatoren leisten phänomenale Arbeit für die gesundheitliche Sicherheit aller Teilnehmenden.» Am Meeting sei man sich einig gewesen, dass auch die einzelnen Nationen alles in ihrer Macht tun wollen, um diese Bemühungen zu unterstützen.

Dubi rät Sportlern zu täglichen Selbsttests für das ganze Umfeld

Dank konsequenter Abschottung und täglichen Tests ist während den Spielen tatsächlich nicht von einem massiven Coronaausbruch auszugehen. Die Erfahrungen der Sommerspiele in Japan zeigen, dass mehr als ein Drittel der positiven Fälle direkt bei der Einreise entdeckt wurde.

Auch jetzt lauert die grösste Gefahr für Athletinnen und Athleten im Vorfeld der Spiele. Dubi äussert diesbezüglich seine grössten Sorgen: «Für viele Sportler ist es ein Karrierehöhepunkt, auf den sie jahrelang hinarbeiten. Es wäre tragisch, wenn sie dessen wegen einer Ansteckung im falschen Moment beraubt würden. Denn für sie veranstalten wir die Spiele.»

Der Olympiadirektor gibt seinen Hauptdarstellern eine wichtige Botschaft auf den Weg, die er am Mittwochnachmittag auch an die Athletenvertretungen der Wintersportverbände richtete: «Schützt euch bestmöglich, haltet euch an alle Regeln.» Er rät auch zu täglichen Selbsttests. «Und die Sportler sollen ihr engstes Umfeld anweisen, dies ebenfalls zu tun.»

Um bis zur Eröffnung möglichst wenig Athletinnen und Athleten durch Corona zu verlieren, haben sich das IOC und China auf flexiblere Einreiseregeln nach einer kurzfristigen Ansteckung im Januar geeinigt. Dubi erklärt: «Es zählt nicht mehr fix eine Anzahl Tage Quarantäne. Wer zweimal negativ ist, darf einreisen. Und selbst bei einem positiven Test mit tiefer Virenlast kann ein internationales Expertenteam im Einzelfall grünes Licht geben.»

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