Topscorer
Unauffälliger Held statt Topscorer: Was die New Jersey Devils aus dem Flammenhelm gemacht haben

Das NHL-Team der New Jersey Devils hat sich bei seinem Schweiz-Besuch vor zwei Wochen ein spezielles Souvenir gesichert: einen Topscorer-Helm. Der kommt nun nach jedem Spiel zum Einsatz.

Marcel Kuchta
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Der Flammenhelm in der Garderobe der New Jersey Devils.

Der Flammenhelm in der Garderobe der New Jersey Devils.

TheAthletic

In der Schweiz wird er von den Eishockey-Cracks verabscheut: Der flammende Topscorer-Helm, welchen der beste Torschütze und Passgeber jedes Teams tragen muss – in Kombination mit einem ebenso auffälligen Trikot. Eishockeyspieler sind in der Regel ausgeprägte Mannschaftssportler. In der Hockeykultur hat oberste Priorität, dass das Ego vor der Garderobentür geparkt wird. Individuelle Meriten sind kaum der Rede wert.

Berns Mark Arcobello in der Topscorer-Montur.

Berns Mark Arcobello in der Topscorer-Montur.

Keystone

Und deshalb gewinnt die „Topscorer“-Montur unter den Spielern bestimmt keinen Popularitäts-Wettbewerb mehr. Zumal sich die betroffenen Akteure auch schon darüber beklagt haben, dass sie mit ihrer auffälligen Kluft öfters zur Zielscheibe gegnerischer, körperlicher Attacken werden.

Umso kurioser mutet an, dass nun ausgerechnet der Topscorer-Helm zu einem kleinen Exportschlager Richtung NHL wurde. Die New Jersey Devils fanden bei ihrem kürzlichen Besuch in Bern offensichtlich Gefallen am flammenden Kopfschutz. Vor allem Trainer John Hynes liess sich inspirieren und gab seinen Material-Leuten den Auftrag, sich ein solches Exemplar zu sichern. Denn er hatte einen konkreten Plan damit.

Ein spezieller Brauch

In der NHL (und inzwischen auch in Europa) gibt es den Brauch, dass nach jedem Spiel ein Spieler der Mannschaft mit einem speziellen Gegenstand oder einem Kleidungsstück ausgezeichnet wird für besondere Leistungen. Im Fall der New Jersey Devils ist das der „Unsung hero“ – frei übersetzt: Der unauffällige Held. Also der Spieler, der nicht unbedingt mit Toren und Assists geglänzt hat, sondern, der sich zum Beispiel besonders oft in die gegnerischen Schüsse geworfen hat.

Aus dem Helm, der hierzulande besonders offensive Fähigkeiten auszeichnet, haben die New Jersey Devils also quasi den Gegenentwurf kreiert. Und die Spieler, die den Spezialpreis nach den NHL-Partien in Empfang nehmen dürfen, sind ungleich stolzer als ihre in der Schweiz engagierten Kollegen.

PS: Es sei an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt. So unpopulär die Topscorer-Kluft hierzulande unter den Spielern ist, umso lobenswerter ist ihr Sinn und Zweck: Der Sponsor der Aktion, die Postfinance, buttert seit Jahren pro Saison mehrere Millionen Franken in die Nachwuchskassen der NLA- und NLB-Klubs sowie des Schweizer Eishockey-Verbands.