Es gibt nicht wenige Menschen, die – gerade in einer schnellen, unberechenbaren Mannschaftssportart wie Eishockey – davon reden, dass auf höchstem Niveau am Ende oft weniger Klasse und Taktik, sondern mehr die Faktoren Glück und Zufall über Erfolg und Misserfolg entscheiden.

Diese Theorie hat seit dem fünften Liga-Quali-Duell zwischen dem EHC Kloten und den Rapperswil-Jona Lakers mächtig Auftrieb erhalten. Denn wie anders soll man erklären, wie sich die Dinge am Samstagabend im Schluefweg entwickelt haben, als mit blossen Launen des Schicksals?

Doch der Reihe nach. Zunächst läuft das Spiel so, wie sich diese Serie um Sein oder Nichtsein zuletzt entwickelt hatte. Der EHC Kloten, dank zwei Siegen in Folge mächtig im Aufwind, macht dort weiter, wo er beim 4:0-Sieg am Donnerstag aufgehört hatte. Er wirbelt, er dominiert, und er trifft. 2:0 für die Flieger nach 20 Minuten.

Lakers-Headcoach Jeff Tomlinson muss ohnmächtig und zunehmend wütender mitansehen, wie sich seine Spieler orientierungs-, kraft- und willenlos auf dem Eis vorführen lassen. Zu jenem Zeitpunkt ist eine Mehrheit der über 7000 Zuschauer in Kloten der Überzeugung, dass diese Serie angesichts der eindeutigen Dynamik auf dem Eis entschieden ist. Die Oberklassige wird nicht absteigen.

Als Kloten alles auf eine Karte setzt

Womit wir zur ersten Laune des Schicksals kommen. Wie aus dem Nichts gelingt den Rapperswilern nach fast 140 torlosen Minuten der erste Treffer. Und dann etwas später innert 121 Sekunden zwei weitere. Statt 2:0 steht es plötzlich 2:3. Die zuvor so souveränen Klotener hängen in den Seilen, die Lakers vergeben unzählige Chancen, den Vorsprung auszubauen.

EHC-Headcoach André Rötheli muss ohnmächtig mitansehen, wie sich seine Spieler orientierungs-, kraft- und willenlos auf dem Eis vorführen lassen. Zu jenem Zeitpunkt ist eine Mehrheit der über 7000 Zuschauer in Kloten der Überzeugung, dass diese Serie angesichts der eindeutigen Dynamik auf dem Eis entschieden ist. Der Unterklassige wird aufsteigen.

Danach sieht es bis kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit aus. Die Rapperswiler verteidigen ihre Führung problemlos. Dann muss auch noch Klotens Dominik Egli auf die Strafbank. Die Lakers können ihren Vorsprung also sogar noch mit einem Mann mehr über die Zeit retten. Womit wir zur zweiten Laune des Schicksals kommen. Die Klotener setzen alles auf eine Karte, ersetzen den Goalie durch einen fünften Feldspieler.

Captain Denis Hollenstein bringt den Puck Richtung Rapperswiler Tor, dort wird er vom Schlittschuh des Lakers-Stürmers Steve Mason in den eigenen Kasten abgelenkt. Es steht 3:3, 49 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit. Ein reiner Glückstreffer, geboren aus der Verzweiflung. In der Verlängerung sind es wieder die Lakers, die, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, dem Siegtreffer näher stehen. Bis die dritte Laune des Schicksals ihren Auftritt hat.

Ein reiner Glückstreffer

Thierry Bader, auf dem Matchblatt 13. Stürmer des EHC Kloten, gibt in der 68. Minute einen Verlegenheitsschuss aus spitzem Winkel auf das Rapperswiler Tor ab. Lakers-Goalie Melvin Nyffeler glaubt, dass er die Scheibe blockiert hat, doch sie rutscht irgendwie über die Linie. Tor! 4:3! Die Klotener Spieler können es selber kaum glauben.

Welch kapitaler Fehler eines Goalies, der in der laufenden Saison in über 60 Spielen über 94 Prozent aller gegnerischen Schüsse gehalten hat. «Ich habe die Scheibe einfach aufs Tor gebracht und Nyffeler hat das Ei kassiert», beschreibt Siegtorschütze Bader seinen Abschlussversuch. Ein reiner Glückstreffer, geboren aus dem Prinzip Hoffnung.

Also entscheiden am Ende doch nur Glück und Zufall in diesem Duell, in welchem es für beide Mannschaften um so viel geht? Vermutlich ja. Immerhin bleibt den Rapperswilern aber die Hoffnung, dass sich schon heute Abend die nächste Laune des Schicksals zu ihren Gunsten entscheidet. Es würde passen zu dieser durch und durch verrückten und völlig unberechenbaren Liga-Qualifikation.