Fed Cup
Tschechinnen lieben es schnell - Bencic, Hingis und Co. eher sandig?

Die Schweizerinnen wollen im Halbfinal des Fed-Cups den Titelverteidiger Tschechien aus dem Rennen werfen. Die Fragen nach der Spielstätte und dem Belag sind noch ungeklärt. Was aber klar ist: Die Schweizer Tennisstars sorgen seit langem für positive Schlagzeilen. Nach den Männern sind es diesmal vor allem die Frauen.

Michael Wehrle
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Der vorgezogene Final: Für die Schweizer Fed-Cup-Spielerinnen um Martina Hingis (links) und Belinda Bencic wartet mit Tschechien im Halbfinal ein harter Brocken.

Der vorgezogene Final: Für die Schweizer Fed-Cup-Spielerinnen um Martina Hingis (links) und Belinda Bencic wartet mit Tschechien im Halbfinal ein harter Brocken.

Keystone

Euphorie sieht anders aus. Einzig die Printmedien in Deutschland wollten vor dem Fed-Cup-Duell mit der Schweiz vor einer Woche schon die neue Tenniswelle in unserem Nachbarland herbeischreiben. Schliesslich hatte Angelique Kerber gerade das Australian Open gewonnen und sollte für Deutschland die Kohlen aus dem Feuer holen. 4200 Fans fanden Platz auf den Tribünen der Halle 1 der Leipziger Messe. Draussen bleiben musste niemand, es gab noch leere Sitze.

SAT 1 hat sich verzappt

Der Fernsehsender SAT 1 wechselte hoffnungsvoll vom Spartenkanal SAT 1 Gold, wo sonst «Bonanza» läuft, auf den Hauptkanal und fiel auf die Schnauze wie schon im November 2014 beim Fed-Cup-Final Tschechien gegen Deutschland. Fassungslos studierten die Fernsehleute beim Frühstück am Sonntagmorgen die Quoten: Marktanteil 2,8 Prozent in der Zielgruppe der 15- bis 49-Jährigen laut Mediapulse, absolut 440'000 Zuschauer. Prompt rutschte das Tennis am Sonntag wieder auf SAT 1 Gold. Gleich dreimal so viele Zuschauer lockte die Super Bowl in der Nacht auf Montag an.

Grosse Freude dafür bei den Schweizer Fernsehmachern von TV 24. Sie kamen in der Zielgruppe auf 5,9 und 5,3 Prozent. An beiden Tagen lockte TV 24 hinter SRF 2 jeweils die zweitmeisten Zuschauer an, schaffte es am Sonntag auf einen absoluten Marktanteil von 7,6 Prozent mit Spitzenwerten von über 11 Prozent in der Zielgruppe.

Austragungsort des Spitzenduells noch unbekannt

Die Zahlen könnten in zwei Monaten noch viel besser aussehen, wenn die Schweiz am 16. und 17. April im Halbfinal Titelverteidiger Tschechien empfängt. «Das ist der vorgezogene Final», sagt René Stammbach, Präsident von Swiss Tennis: «Wo, ist noch offen, spätestens am Freitag entscheiden wir.» St. Gallen, Luzern, Genf und seit neustem auch Fribourg stehen zur Auswahl. «Am Dienstag möchte ich drei Vorschläge mit Budget auf dem Tisch», sagt Stammbach.

Nachdem das Davis-Cup-Team um Federer und Wawrinka mangels anderer Möglichkeiten zuletzt immer in Genf spielen musste, würde Stammbach nun gerne einmal in der Deutschschweiz antreten. Sollten die Schweizerinnen gewinnen, wäre ein Final dann in Genf möglich.

Zum Tennisfest nach Genf?

«Wir haben nicht viel Zeit, das ist harte, aber angenehme Arbeit», sagt Stammbach. Dabei ärgert er sich, dass in Luzern im Gegensatz zu anderen Orten noch eine Billettsteuer von zehn Prozent erhoben wird. «Das ist bei hochgerechneten 1,3 Millionen Franken Einnahmen durch die Zuschauer ein ordentlicher Brocken, das geht gar nicht», betont Stammbach.

Auf 6000 Fans hofft er – täglich. Vor 18 Jahren organisierte Stammbach, damals als OK-Chef, mit dem Fed-Cup-Halbfinal gegen Frankreich in Sion ein Tennisfest mit 8000 Zuschauern pro Tag. 12'000 waren es dann sogar im Final in Genf, das auch diesmal gute Karten hat, sollten es die Schweizerinnen in das Endspiel schaffen.

Noch aber geht es um den Halbfinal. «Captain Heinz Günthardt und sein Team dürfen mitsprechen», sagt Stammbach. Immerhin kommen mit Belindas Bencic und Martina Hingis ja zwei Spielerinnen aus der Ostschweiz. Noch offen ist auch die Frage des Belags. «Langsam auf jeden Fall», weiss Stammbach. Schliesslich lieben es die Tschechinnen, besonders die zweifache Wimbledonsiegerin Petra Kvitova, schnell.

Der Belag kann entscheiden

Für den Fed-Cup-Final 2014 bauten sie einen Hartplatz, der nicht dem Reglement entsprach, er war nach Messungen des Internationalen Tennisverbandes zu schnell. Es gab eine Strafe, der Platz aber blieb. «Was es bei uns dann wird, Sand oder ein langsamer Hartplatz, das entscheiden Günthardt und die Mädels», sagt Stammbach. Übrigens: Die letzte Niederlage kassierte Tschechien im April 2013 – im Halbfinal in Italien auf Sand.

So ein Erfolg ist auch den Schweizerinnen zuzutrauen. «Ich habe ja schon auf so etwas gehofft, aber wir sind früher dran als erwartet», sagt Stammbach. Eine Glanzleistung habe das Team in Deutschland abgeliefert, «und was Martina Hingis im Doppel geboten hat, so was habe ich in meinen langen Jahren beim Tennis noch nicht gesehen», sagt der 60-Jährige. «Nun hoffe ich, dass das dem Frauentennis in der Schweiz Auftrieb gibt», sagt er. «So, wie es zu den besten Zeiten von Hingis vor 20 Jahren war.» Während nämlich die Zahl der Lizenzen bei den Knaben dank Federer und Wawrinka in den vergangenen Jahren eher etwas gestiegen sei, gehe sie bei den Mädchen zurück. Nicht dramatisch, aber immerhin etwa um zehn Prozent.