Eishockey
Trotz super Leistungen: Frauen stehen noch immer im Schatten der Männer

Mit ihrem sehenswerten Tor gegen Russland schoss die Aargauerin Stefanie Marty die Schweizer Frauen in den Olympia-Halbfinal. Dort wartet heute das übermächtige Kanada. Trotzdem dürfen die Schweizerinnen mit einer Medaille liebäugeln.

Klaus Zaugg
Merken
Drucken
Teilen

Dieser Schuss hat für die Geschichte unseres Frauenhockeys eine ähnliche Bedeutung wie Tells Geschoss für die Historie unseres Landes: Nach 10 Minuten und 46 Sekunden traf Stefanie Marty (26) gegen die Russinnen zum 1:0 mit einem Schlagschuss, der wie ein Laserstrahl ins Netz fuhr. Dieser Treffer war zugleich die Entscheidung. «Normalerweise mache ich keine Schlagschüsse. Aber diesmal habe ich es gewagt», sagte Marty.

So ein Tor würde im Männereishockey dem Schützen nebst Ehre und Medienpräsenz auch viel Geld bringen. Wenn er nicht schon in der NHL wäre, so würde der Treffer den Weg zu den Dollarmillionen ebnen. Für Stefanie Marty aber ändert dieses Tor rein gar nichts. Sie kann weiterhin mit dem Eishockey kein Geld verdienen.

Für Frauen gibt es auch in den USA und Kanada keine Möglichkeit, mit Hockey den Lebensunterhalt zu bestreiten. Höchstens für ein paar herausragende Spielerinnen, die im Markt auftreten wie Einzelsportlerinnen, gibt es Werbeeinahmen. Stefanie Marty ist nach dem Studium aus Nordamerika zurückgekehrt und spielt nach einem Abstecher zum SC Reinach derzeit zusammen mit Zwillingsschwester Julia in Schweden. Weil dort das Training und die Spiele intensiver sind als in der Schweiz. Julia Marty ist die weibliche Antwort auf Mark Streit oder Roman Josi. Mit 22:26 Minuten pro Partie hat sie am meisten Eiszeit aller Schweizerinnen.

Die Eltern als Hauptsponsor

Stefanie Marty sagt: «Aber wir verdienen in Schweden so wenig, dass wir damit nicht einmal die Wohnungsmiete bezahlen können. Wir können uns die Eishockeykarriere nur leisten, weil wir von den Eltern grosszügig unterstützt werden und dank den Spenden aus einer Internet-Aktion.»

Stefanie Marty hat im August ihr Wirtschaftsstudium abgeschlossen. Sie weiss noch nicht, wo und wie und ob sie ihre Eishockey-Karriere fortsetzen wird. Sie glaubt zwar, dass es möglich sein kann, das internationale Niveau in der Schweiz zu halten. Die ZSC Lions und Lugano sind die beiden grossen Teams im Frauenhockey. «Aber es macht wenig Sinn, wenn ich in Zürich oder Lugano spiele. Dann gibt es bloss gute Spiele in den Direktbegegnungen. Es ist besser, wenn ich beispielsweise wieder in Reinach spielen würde. Wenn sich die Nationalspielerinnen auf mehrere Klubs verteilen, hilft das allen.» Sie schliesst nicht aus, dass sie nächste Saison wieder für die Wynentalerinnen stürmen wird.