Eishockey NLA

Trotz grandiosem Viertelfinal: Muss Chris McSorley gehen?

Trainer Chris McSorley ist mit Servette in den Playoffs am SC Bern gescheitert – die grandiose Niederlage hat seine Popularität aber noch gesteigert.

Die Absetzung des «Servette-Generals» ist mehr als ein Gerücht – Er ist für Servette zu gross geworden. Doch es gibt für die Besitzer ein grosses Problem.

Die Antwort auf alle heiklen Fragen finden wir in zwei Wörtern: «Jesus Chris». So wird der charismatische Kanadier Chris McSorley von der Lokalpresse in Genf verehrt. Einerseits ist diese Verehrung berechtigt für den Mann, der Servette 2002 aus der Zweitklassigkeit erlöst und ins gelobte Land des Spitzeneishockeys geführt hat.

Andererseits ist solche Popularität in der Stadt mit der tief verwurzelten protestantischen Lehre von Johannes Calvin («Beten und Arbeiten») gefährlich. Wer zu hoch steigt, kann tief fallen. Pierre Maudet ist im Kanton Genf mit dem besten Ergebnis der Geschichte zum Regierungsrat gewählt worden. Nun wird seit Monaten daran gearbeitet, den einstigen Polit-Superstar zu stürzen.

Chris McSorley wie Pierre Maudet? Im Unterschied zum Politiker gibt es kein «Material» gegen den Kanadier. Keine Spesenexzesse, keine bezahlten Reisen ins Morgenland. Den neuen Besitzern des Klubs, eine in Genf domizilierte Stiftung, ist ganz einfach seine Machtfülle unheimlich geworden. Wir können auch sagen: Chris McSorley ist in Genf zu gross geworden.

Populärer denn je

Wer nach den Gründen fragt, warum er als Coach abgesetzt werden soll, bekommt allerlei Antworten, die auf eine reiche Intrigenkultur schliessen lassen. Er könne die jungen Spieler nicht weiterentwickeln.

Es fehle ihm überhaupt das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Spielern. Es sind eindeutige Zeichen, dass jene Spieler, die bei Servette nur wenig zum Zuge kommen, fleissig hinter dem Rücken des Trainers mit Präsidenten und Verwaltungsräten der Stiftung und des Klubs korrespondieren.

Angestrebt wird eine Splittung der Macht. Also Schluss mit der Ämterkumulation General Manager, Sportchef und Coach. Aber gerade diese umfassenden Vollmachten sind der der Grund, warum es Chris McSorley gelungen ist, in Genf die am besten funktionierende Sportfirma der Westschweiz aufzubauen.

Nach dem grandiosen Scheitern gegen den SC Bern ist McSorley in der Stadt populär denn je. «Jesus Chris Superstar». Und doch weiss er nicht, ob er nächste Saison an der Bande stehen wird. Er sagt: «Die Chancen stehen 50:50. Die Situation ist ungefähr gleich wie vor zwei Jahren.»

Verbannung ins Büro

Vor zwei Jahren haben die damaligen nordamerikanischen Besitzer McSorley als Cheftrainer abgesetzt, mit einem Rentenvertrag besänftigt und als Sportdirektor ohne Kompetenzen ins Büro verbannt. Dort ist er nach nur einem Jahr entwichen. Nach einem erneuten Besitzerwechsel ist er im vergangenen Sommer zurück an die Macht gekommen und hat diese Saison Wunder vollbracht: Mit einer Mannschaft, die nominell nicht viel besser ist die «aus Rapperswil-Jona hat er die Playoffs erreicht und den SCB herausgefordert.

Die Situation ist delikat: McSorley hat bei den damaligen nordamerikanischen Besitzern seinen Anteil am Unternehmen gegen einen Vertrag eingetauscht, der ihm bis zum Jahr 2024 jährlich rund 800 000 Franken Salär sichert. Er sagt, das könne er so nicht bestätigen. «Aber der Vertrag läuft lange und ist juristisch wasserdicht.»

Den Kanadier ganz wegzuschicken würde gegen vier Millionen kosten. Das wäre für die Stiftung, der Servette heute gehört, kein Problem. Aber die Popularität von «Jesus Chris» ist ein fast unlösbares Problem.

Die nordamerikanischen Besitzer befanden sich damals bereits auf dem Rückzug und McSorleys Rückkehr unter neuen Herren war nur eine Frage der Zeit. Kein Wunder also, dass er sich ruhig verhielt. Aber jetzt ist nicht mehr mit einem Besitzerwechsel zu rechnen. Nun droht ihm eine Verbannung ins Büro.

Seine Widersacher gehen davon aus, dass er mit 57 Jahren die Stadt nicht mehr verlassen wird, in der er mit seiner Familie sein Glück gefunden hat und in der seine Gattin die Lebensqualität schätzt. Also wird er sich ins Büro zurückziehen und Ruhe geben.

Wenn sie sich da nur nicht täuschen. Chris McSorley sagt: «Meine Frau ist sehr flexibel …»

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