Idyllisch neben Wiesen und Äckern liegt der GC-Campus in der Natur. Gewiss, der Flughafen ist nicht weit, und so brummt manchmal irgendwo am Himmel ein Flugzeug. Ansonsten aber herrscht noch Ruhe in Niederhasli und finden die Profis ideale Voraussetzungen vor, um ungestört zu arbeiten.

Doch das Training auf dem wunderbaren Rasen ist das eine, die Geschehnisse auf der Führungsebene sind das andere. Erst wenn sich die Besitzer Stephan Anliker, Heinz Spross und Peter Stüber einig sind oder sich die Besitzverhältnisse ändern, hat Patient GC eine Chance, wieder gesund zu werden.

Weil die operative Führung keinen Einfluss darauf hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als einfach das Beste aus der Situation zu machen und zu schauen, dass es in der sportlichen Entwicklung zu einer Trendwende kommt.

Die Bilanz im Kalenderjahr 2018 ist bei zwei Siegen, zwei Unentschieden und sechs Niederlagen sowie dem Out im Cuphalbfinal gegen den FCZ verheerend. Da ist es kein Trost, dass Lausanne mit nur sechs Punkten in der Jahrestabelle noch um zwei Zähler schlechter da steht als die Hoppers.

Die Lage ist heikel

Wenn der entlassene Trainer Murat Yakin vor knapp zwei Wochen nach dem 1:1 im Derby noch etwas weltfremd gesagt hat, GC sei noch ein gutes Stück davon entfernt, in den Abstiegskampf verwickelt zu sein, so gilt dies seit dem vergangenen Wochenende definitiv nicht mehr.

Sieben Runden vor Schluss zählt GC zum Pulk von fünf Mannschaften, die höchst gefährdet sind. Dem Rekordmeister droht, was dem Stadtrivalen vor zwei Jahren widerfahren ist: der Abstieg.

Auch beim FCZ hätte niemand für möglich gehalten, dass diese Mannschaft, die sogar den Cupfinal erreicht hatte, am Ende in die Challenge League tauchen würde. Das GC-Horrorszenario: am letzten Spieltag am 19. Mai in Bern bei der YB-Meisterfeier in die Zweitklassigkeit fallen.

Mathias Walther, der in diesen Tagen Interimstrainer ist und als Sportchef den neuen Chefcoach sucht («es gibt keine Wasserstandsmeldungen!»), gibt sich überzeugt davon, dass «der hinterste und letzte Spieler kapiert hat, um was es in den nächsten Wochen geht.»

Führungsspieler nehmen Verantwortung wahr

Er glaubt, dass die Mannschaft inzwischen auf die kommenden Herausforderungen gut vorbereitet ist. Es für sie kein Handicap mehr ist, unverhofft in den Abstiegsstrudel geraten zu sein und nicht, wie beispielsweise der mental abgehärtete FC Thun, seit Saisonbeginn in einer solchen Stresssituation zu leben.

Walther ist sich sicher, dass die erfahrenen Akteure wie Heinz Lindner, Emil Bergström, Trent Sainsbury, Marco Djuricin und Jeffrén als Führungsspieler ihre Verantwortung wahrnehmen. Und Walther zählt ausdrücklich auch seinen Captain Marko Basic dazu, der am Samstag zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss erlitt, in der nächsten Woche operiert wird und acht Monate ausfällt.

«Die Verletzung ist für ihn wie die Mannschaft extrem schlimm», sagt Walther, «aber Marko ist ein Vorbild, er ist jeden Tag da, kommt ins Training und an die Sitzungen und geht mit gutem Beispiel voran, wenn es um Zusammenhalt geht.»

Dieser ist Voraussetzung, will GC nach sechs Liga-Partien ohne Sieg wieder einmal gewinnen. «Ich will den FCB nicht kleiner machen, als er ist», sagt Walther, «aber die Spieler müssen wissen: Wir haben in Basel eine Chance!»