Baseball

Triumph der Dominatoren: Wieso der Titelgewinn der Boston Red Sox logisch ist

Die Boston Red Sox bejubeln ihren Titelgewinn, nachdem sie die Liga nach Belieben dominierten.

Die Boston Red Sox bejubeln ihren Titelgewinn, nachdem sie die Liga nach Belieben dominierten.

Mit den Boston Red Sox feiert das teuerste Baseball-Team der Welt den World-Series-Titel. Ihr Besitzer John Henry kann momentan einfach nicht verlieren.

Ein Besuch im Dodger Stadium in Downtown Los Angeles fühlt sich an wie eine Zeitreise. Seit 1962 thront der Betonklotz über Chavez Ravine, wenn die von der gleissenden Sonne Kaliforniens ausgebleichten hellblauen Sitze reden könnten, sie hätten viel zu erzählen.

Mancherorts erinnert das Stadion an ein Museum, man kann sich hier den Originalsitz ansehen, auf dem Frank Sinatra die Spiele verfolgte. Oder einen Vertrag aus den 1950er- Jahren, unterschrieben von Sandy Koufax, einer Ikone dieses Sports, versehen mit dem Jahressalär: 15 000 US-Dollar. Es wimmelt an Trophäen, Auszeichnungen, Würdigungen.

Schmach der Dodgers

Die Dodgers werden auch weiterhin von der Vergangenheit zehren müssen, denn ihre Titel-Durststrecke hält an, 30 Jahre schon. Im zweiten Jahr in Serie musste das Team am Sonntag die Schmach über sich ergehen lassen, durch eine 1:5-Heimniederlage in der World Series, dem Playoff-Final der MLB, ein gegnerisches Team zu krönen.

Die Highlights von Spiel 5

2017 waren es die Houston Astros in Spiel 7, 2018 die Boston Red Sox in Spiel 5. «Es ist der grausamste Moment für die Dodgers», titelte die «Los Angeles Times».

Coras Premiere

So bitter die erneute Enttäuschung für die glücklosen Dodgers sein mag, so logisch ist der Titel für Boston.

Die Red Sox dominierten die Liga fast nach Belieben, sie gewannen in der aberwitzig langen Qualifikationsphase 108 von 162 Spielen und bezwangen im Playoff erst die New York Yankees und dann Houston. Ein schwierigerer Weg in den Final ist kaum denkbar.

Bostons Erfolg hat viele Väter. Einer ist Alex Cora, der Coach. Cora, 43, war ein ziemlich mittelmässiger Profi, aber er ist ein exquisiter Cheftrainer – und er wurde das quasi aus dem Nichts.

Nach seiner Karriere wurde Cora TV-Kommentator bei ESPN. Erst ab der Saison 2017/18 wurde er Coach. Als Assistent feierte er mit Houston gleich den Titel, worauf die Red Sox ihn abwarben. Cora impfte dem exzellent besetzten Team jenes Selbstvertrauen ein, welches Boston das ganze Jahr über von der Konkurrenz abhob. Er ist der erste Meistercoach aus Puerto Rico.

Henry und die Hoffnung

Der vierte Triumph der Red Sox seit 2004 dürfte kaum jemanden so freuen wie John W. Henry. Henry, 69, ist ein milliardenschwerer Geschäftsmann, für den die Red Sox eine fabelhafte Investition sind.

Henry erstand die Organisation 2002 für knapp 700 Millionen Franken. Der Wert hat sich inzwischen vervierfacht, bald werden die Red Sox drei Milliarden wert sein. Henry, dessen kometenhafter Aufstieg einst durch den Handel mit Sojabohnen begann, besitzt auch die Traditionszeitung «Boston Globe», welche die Red-Sox-Saison am Montag auf der Titelseite als «eine für die Ewigkeit» adelte.

Henry scheute dabei keine Kosten: Mit dem Salärvolumen von 228,4 Millionen US-Dollar stellte Boston das mit Abstand teuerste Team der MLB.

Auch in der Premier League

Henry scheint derzeit schlicht nicht verlieren zu können – seiner Fenway Sports Group gehört seit 2010 auch der FC Liverpool, der Leader der Premier League.

Liverpool wartet seit 1990 auf einen Meistertitel, fast so lange wie die Dodgers, doch im sonntäglichen Siegestaumel sagte Henry: «Liverpool ist in diesem Jahr ebenfalls ein sehr spezielles Team, es könnte eine sehr spezielle Saison werden.»

Für die Konkurrenz müssen sich die Worte des erfolgsverwöhnten Moguls wie eine Drohung anhören.

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