Triathlon Frauen
Für Nicola Spirig ist ihr sechster Rang wie ein kleiner Sieg: «Das ist nicht so schlecht mit drei Kindern Zuhause»

Die besten Schwimmerinnen waren für die Schweizer Medaillenhoffnung nicht mehr einzuholen – trotz einer Energieleistung auf der Radstrecke und einer starken Laufleistung. Auch ohne Medaille jubelte Nicola Spirig im Ziel.

Rainer Sommerhalder
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Eine glückliche Nicola Spirig beim Zieleinlauf.

Eine glückliche Nicola Spirig beim Zieleinlauf.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Weit waren die Tränen nicht mehr entfernt, als Nicola Spirig nach ihren fünften Olympischen Spielen im TV-Interview ein Fazit zog. Die 39-jährige Bülacherin lachte in die Kamera und betonte, dass sie zufrieden und stolz auf ihre Darbietung war. «Ich habe ein starkes Rennen gezeigt. Ich habe alles versucht und auf der Radstrecke praktisch immer geführt. Aber damit hatte ich im Vorfeld auch gerechnet», sagte Spirig.

Besonders glücklich zeigte sich die erstmals bei Olympia ohne den direkten Support ihres Ehemanns Reto Hug angetretene Spirig über zwei Dinge: «Ich habe meinen Vorsatz, bis zum Schluss zu kämpfen, wirklich umgesetzt. Und ich habe bewiesen, dass ich mit 39 Jahren noch immer zur Weltspitze gehöre.»

Nicola Spirig: 40 Kilometer lang Vollgas auf der Radstrecke an der Spitze der Verfolgergruppe.

Nicola Spirig: 40 Kilometer lang Vollgas auf der Radstrecke an der Spitze der Verfolgergruppe.

Laurent Gillieron / EPA

Dass sie diese Leistung als dreifache Mutter und «mit einem ganz anderen Leben daheim» erreicht habe, mache sie sehr emotional, sagte eine gerührte Spirig in die Kameras. «Nun freue ich mich riesig auf die Rückkehr nach Hause.»

Eine sehr emotionale Nicola Spirig beim TV-Interview.

Eine sehr emotionale Nicola Spirig beim TV-Interview.

Laurent Gillieron / EPA

Die Vorentscheidung über die olympischen Triathlon-Medaillen wurde bereits in der ersten Disziplin gelegt. Sieben Schwimmerinnen kamen mit einem beträchtlichen Abstand von 44 Sekunden auf die ersten Verfolgerinnen aus dem Wasser, unter ihnen alle drei späteren Podestathletinnen.

Spirig absolvierte das Schwimmen bei Regen, Wind und hohem Wellengang zwar im Rahmen ihrer eigenen Erwartungen und stieg als 21. mit 1:08 Minuten Rückstand in einer dritten Gruppe aus dem Wasser. Von Anfang an nahm die 39-Jährige danach in ihrer Paradedisziplin Rad das Heft in die Hand. 40 Kilometer lang fungierte sie als Lokomotive der Verfolgerinnen.

Nicola Spirig wechselt vom Schwimmen auf die Velostrecke.

Nicola Spirig wechselt vom Schwimmen auf die Velostrecke.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Doch für eine Aufholjagd reichte der Effort nicht. Zwar arbeitete sich die Olympiasiegerin von 2012 auf Position sechs nach vorne. Der Rückstand auf die fünf führenden Athletinnen blieb aber bei über einer Minute. Dies lag daran, dass die Spitze nie taktierte und exzellent zusammenarbeitete. «Das Rennen ist so verlaufen, wie ich es erwartet hatte. So ist das Leben. Ich glaube, ein sechster Rang bei den fünften Olympischen Spielen mit drei Kindern Zuhause ist nicht so schlecht», resümierte Spirig.

Auch mit ihrer Laufleistung zeigte sie sich zufrieden. Zwei Athletinnen aus dem Kreis der Verfolgerinnen musste sie bei ihrem fünften Olympiastart zwar ziehen lassen. Weil sie aber ihrerseits die zwei schwächsten Läuferinnen der Spitzengruppe kurz vor Schluss ein- und überholte, blieb es beim sechsten Schlussrang. «Damit bin ich sehr, sehr zufrieden, weil ich heute nicht viel hätte besser machen können», sagte die 39-Jährige. Jolanda Annen, die zweite Schweizerin am Start, machte auf der Laufstrecke noch einige Ränge gut und beendete das Rennen auf Rang 19.

Nicola Spirig feierte einen persönlichen Sieg, die sechs Jahre jüngere Flora Duffy von den Bermudas den Olympiasieg.

Nicola Spirig feierte einen persönlichen Sieg, die sechs Jahre jüngere Flora Duffy von den Bermudas den Olympiasieg.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Überlegen und hoch verdient feierte die 33-jährige Flora Duffy aus Bermuda den Olympiasieg. Dahinter folgten mit der Britin Georgia Taylor-Brown und der US-Amerikanerin Katie Zaferes zwei der meistgenannten Favoritinnen. Für alle drei Sportlerinnen war es der erste Medaillengewinn bei Olympischen Spielen.

Neben Hélène de Pourtales (1900 im Segeln), Christine Stückelbeger (1976) im Dressurreiten) und Brigitte McMahon (2000 im Triathlon) ist Nicola Spirig eine von nur vier Schweizer Frauen, die bei Olympischen Sommerspielen eine Goldmedaille gewinnen konnten.

Ihre Karriere setzt die 39-Jährige fort, allerdings in der Langdistanz. Im Frühjahr 2022 will sie als erste Frau eine Ironman (3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer auf dem Fahrrad, 42,195 Kilometer Laufen) unter 8 Stunden absolvieren. Wann und wo der Weltrekordversuch unter Laborbedingungen stattfinden wird, ist noch offen.

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