Tennis

Trainieren trotz Schwangerschaft? Serena Williams sorgt für eine Menge Diskussionsstoff

Hüllenlos: Serena Williams auf dem Cover der Vanity Fair

Hüllenlos: Serena Williams auf dem Cover der Vanity Fair

Die 36-Jährige Tennisspielerin Serena Williams ist im achten monat Schwanger und trainiert trotzdem fast täglich. Ist das gesund für ein Baby? Die erfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte findet schon.

Mit voller Kraft schmettert sie den Medizinball auf den Boden. Immer wieder. Angefeuert von ihrem Trainer. Schweiss perlt von der Stirn, die Anstrengung ist hörbar. Bei der Athletin handelt es sich um Serena Williams, die erfolgreichste Tennisspielerin der Geschichte. Das Video kursiert nur wenige Stunden, dann löscht es die 36-Jährige wieder.

Überfordert vom Sturm der Entrüstung, den es auslöst. Denn Williams ist im siebten Monat schwanger und löst mit den Bildern eine Kontroverse mit vielen Facetten aus. Ist Spitzensport während der Schwangerschaft verantwortbar? Gefährlich? Oder nur egoistisch?

Serena Williams schont sich und ihr Kind auch trotz Schwangerschaft nicht. (Instagram)

Serena Williams schont sich und ihr Kind auch trotz Schwangerschaft nicht. (Instagram)

Auch neben dem Platz schont sich Williams offenbar kaum. Mitte Juli steht sie für Werbeaufnahmen für den australischen BH-Hersteller Berlei einen ganzen Tag lang vor der Kamera. Im August ziert ein Bild der Hochschwangeren das Titelbild der «Vanity Fair», nur mit einem Silberkettchen um die Hüfte und stolz im Ganzkörperprofil.

Dort gibt sie auch zu, dass sie schlecht schlafe. Dass sie erst jetzt, wenn sie erstmals Mutter wird, zur Frau werde. Dass sie in den Tennis-Zirkus zurückkehrt, steht für sie aber ausser Frage: «Das ist nur ein Abschnitt in meinem Leben. Ich bin noch nicht am Ende.»

Sport als nützliches Ventil

Es mag grotesk wirken und macht ihre Kritiker mundtot, denn Sport, so sind sich Mediziner einig, ist auch während der Schwangerschaft ein nützliches Ventil – wenn auch eines mit Tücken. «Eine Spitzenathletin muss nicht aufhören, zu trainieren», sagt Sportärztin Sibylle Matter.

Sie nahm 2000 in Sydney im Triathlon an den Olympischen Spielen teil und ist selber zweifache Mutter. Empfohlen wird, Umfang und Intensität des Trainings zu halbieren, denn Schläge und Sprünge können dem Ungeborenen schaden und sollten vermieden werden.

Problematisch wird es erst dann, wenn der Körper überhitzt und ein Puls von über 155 Schlägen pro Minute erreicht wird. Das würde die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen und das Ungeborene könnte Schaden nehmen. Gesundheitlich ist die Fortsetzung des Trainings bis kurz vor der Niederkunft aber weitestgehend unproblematisch.

Schwanger zu Olympia-Gold

Erfahrung mit Training während der Schwangerschaft hat Nicola Spirig. Als sie im August 2012 in London Olympia-Gold im Triathlon gewinnt, ist sie bereits zu zweit unterwegs. Sohn Yannis kommt am 21. März 2013 zur Welt. In den Monaten vor der Niederkunft halbiert sie ihren Trainingsumfang auf 12 bis 15 Stunden pro Woche.

Sie hat Erfahrung mit Sport während der Schwangerschaft: Nicola Spirig. (Archivbild)

Sie hat Erfahrung mit Sport während der Schwangerschaft: Nicola Spirig. (Archivbild)

Die Formel: weniger intensiv, kleineres Pensum, mehr Schlaf. Auf Sport mit erhöhtem Sturz- und Verletzungsrisiko verzichtet sie. Für das Laufen und Radfahren wechselt sie auf die Rolle. Für sie ist der Sport während der Schwangerschaft wichtig, um den Körper und seine Veränderungen noch unmittelbarer zu erleben.

Serena Williams erfährt im Januar, kurz vor Beginn der Australian Open, von ihrer Schwangerschaft. Sechs Mal wiederholt sie den Test, immer ist er positiv. Sie habe sich benebelt gefühlt und sei durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen, wie sie der «Vanity Fair» gesteht. Zwei Wochen später gewinnt sie ihr 23. Grand-Slam-Turnier, in ihrer Brust schlagen bereits zwei Herzen.

Williams ist in der achten Woche schwanger. Dass Williams überhaupt spielte, auch das führte zu Kontroversen. Hat sie unverantwortlich gehandelt, als sie in der Hitze Australiens Tennis spielte?

Leistungsfähigkeit verbessert

Mediziner sind sich weitestgehend einig, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft steigt die Herzleistung, das Blutvolumen, das Hämoglobin und der Anteil roter Blutkörperchen nehmen zu. Das verbessert die Sauerstoffzufuhr zur Muskulatur und erhöht die Leistungsfähigkeit des Körpers je nach Studie um bis zu 30 Prozent.

Vielleicht hat auch das Nicola Spirig bei den Olympischen Spielen in London einen entscheidenden Vorteil verschafft. Nach dem Schlussspurt liegt sie nur einen Wimpernschlag vor Lisa Norden, das Zielfoto entscheidet.

Serena Williams bei ihrem Triumph am Australian Open.

Serena Williams bei ihrem Triumph am Australian Open.

Williams gewinnt die Australian Open ohne Satzverlust, erst im April macht sie öffentlich, dass sie und Reddit-Gründer Alexis Ohanian im September Eltern werden. Verbunden mit der Botschaft, dass sie im kommenden Jahr in den Tennis-Zirkus zurückkehren wolle. Wenn es so weit ist, dürfte auch das wieder für Kontroversen sorgen. Williams ist das gewohnt, ihre Strahlkraft reicht weit über den Sport hinaus. Sie tanzt in Videos von Beyoncé, ziert die Titelseiten von Modemagazinen, ist eine Ikone des Feminismus und bekämpft Rassismus und Sexismus.

Williams massregelt McEnroe

Doch manchmal wird es auch einer Serena Williams zu viel. Als John McEnroe während Wimbledon sagt, seine Landsfrau wäre in der Männer-Weltrangliste «höchstens die Nummer 700», löst er damit heftige Reaktionen aus.

Williams reagiert dezidiert und pointiert. «Lieber John, ich liebe und respektiere dich, aber bitte lass mich in deinen Aussagen, die nicht auf Fakten basieren, künftig aussen vor. Ich habe für solche Dinge keine Zeit. Respektiere mich und meine Privatsphäre, während ich versuche, ein Baby zu bekommen.» Die Frau weiss, wie man sich im Auge des Sturms verhalten muss.

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