Das letzte Opfer war Giorgio Contini, der am Dienstag in St. Gallen gehen musste. Von den 20 Schweizer Profiklubs haben nun 12 im Verlauf dieser Saison mindestens ein Mal den Trainer ausgetauscht. Fünf in der Challenge League (Aarau, Chiasso, Winterthur, Schafhausen und Servette), sieben in der Super League (GC, Sion, St. Gallen, Lausanne, Luzern, FCZ und Lugano). In der obersten Spielklasse standen  in der laufenden Saison bereits 20 verschiedene Trainer an der Seitenlinie.

Verlorenes Qualitätsmerkmal

Genug Gründe für Peter Knäbel, Alarm zu schlagen. Der langjährige Technische Direktor des FC Basel und des Schweizerischen Fussballverbandes sagt: „Die Schweiz macht ihren guten Ruf in Europa zunichte, dass die Trainer hier gute Arbeit leisten. Wenn im Lebenslauf eines Trainers steht: Mal hier, mal dort, ein halbes Jahr noch da – diese Trainer sind im Ausland nichts mehr wert.“ Was Knäbel meint: In einer Ausbildungsliga wie der Super League dürfen die Trainer nicht munter intern herumgereicht werden. Ein Qualitätsmerkmal sei, wenn Trainer langfristig arbeiten. Im Idealfall gäbe es nur dann Wechsel, wenn wie die besten Spieler auch die besten Trainer von Klubs aus den europäischen Topligen weggeholt werden.

Unzufriedene Mäzene

Warum werden in der Schweiz derzeit überdurchschnittlich viele Trainer entlassen? Es gibt zwei Hauptgründe. Der eine ist die viel diskutierte Abhängigkeit der Klubs von reichen Einzelpersonen oder Gruppen, die – gelinde ausgedrückt – beschränkte Ahnung von Fussball haben. Wenn die Ansprüche der Financiers nicht zeitnah erfüllt werden oder persönliche Animositäten auftauchen, ordnen sie Personalwechsel an. In der aktuellen Saison sind besonders viele Geldgeber unzufrieden.

Nun zum zweiten Grund für die vielen Trainerwechsel: Warum sind so viele Klubbesitzer unzufrieden? Weil es in unseren zwei Profiligen viel zu wenig zu gewinnen gibt. Und dadurch etliche Spiele sportlich bedeutungslos sind. Ein Problem des Modus.

Zu viele tote Spiele

Pro Saison gibt es 36 Spieltage, alle Mannschaften spielen vier Mal gegeneinander. Es gibt einen Meister in der Super League und einen Aufsteiger in der Challenge League. Und es gibt nebendran einen Cupsieger, der einen Startplatz in der Europa-League-Gruppenphase erhält. Aber sonst? Gibt es für 17 von 20 Klubs praktisch nichts zu holen. Ob man Dritter oder Vierter wird, ist egal – die Europa-League-Qualifikation kostet mehr als sie einbringt, die Chancen auf den Vorstoss in die Gruppenphase sind gering.

Heisst: Es gibt zu viele tote Spiele, zu viel Niemandsland in den beiden Tabellen. Umso schlimmer, wenn wie in dieser Saison der Meister, der Aufsteiger in die Super League und der Absteiger aus der Challenge League lange vor Saisonende feststeht. So kommt es, dass Trainerwechsel nicht mehr nur ein sportlicher Kniff sind, um etwa die Mannschaft im Abstiegskampf wachzurütteln. Sondern sie dienen je länger je mehr auch als Instrument der Unterhaltung: Wenn das Geschehen auf dem Rasen keine Spannung bietet, dann sichern sich die Klubs und ihre Mäzene die Aufmerksamkeit mit spektakulärer Personalpolitik –mit Trainerwechseln.

Teurer Widerspruch!

Sollen die einzelnen Spiele in einer Saison wieder an Wert gewinnen, ist ein Modus-Wechsel in den beiden Profiligen alternativlos. Die Entscheidungsmacht darüber liegt bei den Klubs: Doch als im vergangenen Jahr die Swiss Football League Modus-Veränderungen anstiess, lehnten die Klubbosse dies grossmehrheitlich ab, auch die Wiedereinführung der Barrage. Warum? Um Ihre Pfründe zu retten. Dafür motzen die Klubs weiter über den Ligamodus und feuern munter ihre Trainer. Was für ein teurer Widerspruch!