Radsport

Tour der Ungewissheit: Die acht wichtigsten Fragen und Antworten zur Tour de France

Kann die Tour de France tatsächlich bis zum Ende durchgeführt werden?

Kann die Tour de France tatsächlich bis zum Ende durchgeführt werden?

Mit zweimonatiger Verspätung startet die Tour de France nun dennoch. Es gibt aber einige Fragezeichen.

Tradition ist Tradition. Die Tour de France soll auch in diesem Jahr steigen. Statt wie ursprünglich angedacht im Juli rollt die wichtigste Radrundfahrt der Welt nun ab Samstag durch Frankreich. Vieles ist anders als gewohnt, doch Tourchef Christian Prudhomme verspricht: «Diese Tour wird ein Symbol der Wiedergeburt und des wirtschaftlichen Aufschwungs sein.» Wir stellen die wichtigsten Fragen und beantworten sie.

1. Sind Zuschauer zugelassen?

Ja, an den meisten Standorten am Strassenrand werden wie üblich Zuschauer stehen dürfen. Ursprünglich hatten an die Organisation an eine Geistertour gedacht. Da es aber kaum realistisch ist, die 3500 Streckenkilometer abzusperren, wurde die Idee schnell verworfen. Nur an besonders engen Berg-Passagen sind keine Zuschauer vorgesehen. Alle Fans werden gebeten, Schutzmasken zu tragen, Pflicht sind sie aber nicht. In den Start- und Zielbereichen sind bis zu 5000 Zuschauer geplant, dort liegt die Obergrenze von Veranstaltungen in Frankreich. In Nizza beschränkt sich diese Anzahl auf nur 500 Personen.

2. Wie sollen die Athleten geschützt werden?

Die knapp 200 Fahrer und die Teambetreuer sollen in einer abgeschlossenen Blase agieren. Das heisst: Niemand ausserhalb soll mit ihnen während der Tour Kontakt haben. Zudem gehören viele Coronatests zum Schutzkonzept. Alle Teammitglieder werden zweimal in der Woche vor dem Rennen und bei der Tour zusätzlich noch an den Ruhetagen getestet. Insgesamt wurde auch der gewaltige Tross mit Fahrer, Offiziellen, Journalisten oder Sponsoren eingeschränkt und von 5000 auf 3000 Personen verkleinert. Die traditionelle Werbekarawane wird halb so lang sein wie üblich.

3. Was passiert, wenn es trotz aller Schutzvorkehrungen Infektionen im Fahrerfeld gibt?

Wenn ein Athlet oder ein Teammitglied positiv getestet wird, muss diejenige Person die Tour verlassen. Wenn es zu zwei positiven Tests innerhalb eines Teams kommt, soll dies zum Ausschluss der Mannschaft führen. Dazu zählen gemäss der französischen Sportzeitung «L’Equipe» nun nur noch die Fahrer. Ursprünglich hätte diese Regelung auch für positive Fälle von Betreuern gegolten.

4. Wie sieht die Siegerehrung aus?

Erstmals wird der Trikotträger nicht mehr von zwei Hostessen sondern von einem Mann und einer Frau eingerahmt. Dazu kommt nun auch noch die Tatsache, dass die Fahrer ihre Trikots formlos überreicht bekommen. Dafür mit Maskenpflicht.

5. Wird auch in den Risikoregionen gefahren?

Die Infektionszahl in Frankreich steigt derzeit stark an, zuletzt kam es bis zu 4000 Neuinfektionen pro Tag. Deshalb hat Deutschland eine Reisewarnung für Paris und die Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur ausgegeben. Mit solchen Warnungen wartet die Schweiz noch ab. Warum die Veranstalter in ihrer Planung nicht auf jene Gebiete verzichten, kommentierten sie nicht. Die Tour soll ausgerechnet in Nizza starten und in Paris enden.

6. Wer sind die Favoriten?

Vorjahressieger Egan Bernal vom Team Ineos ist auch in diesem Jahr der grosse Favorit auf den Tour-Titel. Doch die Dominanz des Teams, das früher unter dem Namen Sky fuhr, ist nicht mehr so erdrückend wie in der Vergangenheit. Bernal kann aber erneut auf viele gute Helfer, obwohl die ehemaligen Tour-Sieger Chris Froome und Geraint Thomas wegen Formkrisen gänzlich fehlen. Am gefährlichsten für Bernal könnte Primoz Roglic mit dessen Team Jumbo-Visma werden. Auch wenn mit Steven Kruijswijk der wichtigste Helfer verletzt fehlt, kann Roglic auf die Unterstützung von bekannten Grössen wie Tom Dumoulin zählen. Thibaut Pinot vom Team Groupama ist derweil der Hoffnungsträger Frankreichs. Würde er die Tour gewinnen, wäre er der erste heimische Gesamtsieger seit 1985.

Einer der Favoriten: Primoz Roglic vom Team Jumbo-Visma.

Einer der Favoriten: Primoz Roglic vom Team Jumbo-Visma.

7. Welche Schweizer stehen am Start?

Stefan Küng und Sébastian Reichenbach fahren beide für das Team Groupama. Küng ist als «Capitaine de la Route» zuständig für die Taktik und ein wichtiger Helfer von Pinot. Ebenfalls ein Helfer von Pinot ist der Walliser Sébastian Reichenbach. Er gilt als Arbeiter, der sich nicht selber in den Vordergrund stellt. Bereits zum zehnten Mal an der Tour de France fährt Michael Schär. Er startet für das finanziell geschwächte Team CCC. Eine Premiere feiert das 22-jährige Talent Marc Hirschi für das Team Sunweb.

8. Warum findet die Tour de France unter allen Umständen statt?

Während andere Grossveranstaltungen wie die Fussball-Europameisterschaft oder die Olympischen Spielen dem Coronavirus zum Opfer fielen, war die Entscheidung zu einer Absage der die Tour de France keine Option. Zu viel Geld steht auf dem Spiel. Die World-Tour-Teams generieren 70 Prozent ihrer Einnahmen dank der Tour de France. Eine Absage eben jener hätte für viele Teams den Totalschaden bedeutet. Schon jetzt ist aber klar, dass die Teams aufgrund der Coronakrise in finanziellen Schwierigkeiten stecken. Ob die Tour aber tatsächlich bis zum Ende durchgeführt werden kann, ist aufgrund der aktuellen Situation fraglich.

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