Tour de France
Schweizer sind in der Helferrolle, träumen ist aber erlaubt – Fragen & Antworten zur Tour de France

Vor der am Samstag beginnenden Tour de France befinden sich die Schweizer in der zweiten Reihe. Fragen und Antworten zur Rundfahrt.

Raphael Gutzwiller
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Freude bei Marc Hirschi nach dem Etappensieg – diesmal wird Ähnliches schwierig.

Freude bei Marc Hirschi nach dem Etappensieg – diesmal wird Ähnliches schwierig.

Bild: Freshfocus (10. September 2020)

3383 Kilometer von Brest nach Paris – die Tour de France startet morgen in ihre 108. Auflage. Und mittendrin sind mehrere Schweizer. Welche Chancen auf Exploits haben sie? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Schweizer fahren an der Tour de France?

Insgesamt stehen sechs Schweizer Athleten am Start. Der Berner Marc Hirschi fährt für das Team UAE Emirates, der Aargauer Silvan Dillier für Alpecin-Fenix und der Luzerner Michael Schär für AG2R Citroën. Zudem stehen mit Stefan Küng (Groupama-FDJ), Stefan Bissegger (EF Education-Nippo) und Reto Hollenstein (Israel Start-up Nation) gleich drei Thurgauer am Start der diesjährigen Tour de France.

Welche Schweizer vermissen wir im Feld?

Allen voran vermissen Schweizer Radfans Gino Mäder. Der talentierte Oberaargauer war an der Tour de Suisse der beste Schweizer, holte einen Etappensieg und wurde im Gesamtklassement 27. Zudem hat Mäder am Giro d’Italia eine Etappe gewonnen. Er konzentriert sich jedoch zunächst auf die Olympischen Spiele, wo der 24-Jährige auf der Bahn antritt, und startet Mitte August mit der Vuelta a España an einer anderen Grand Tour.

Im Vergleich zur letztjährigen Tour de France fehlt auch der Walliser Kletterer Sébastien Reichenbach im Tour-Aufgebot. Er musste den Giro als bestklassierter Schweizer wegen Kniebeschwerden aufgeben und ist noch nicht wieder fit.

Gino Mäder fehlt an der Tour de France.

Gino Mäder fehlt an der Tour de France.

Urs Flueeler / KEYSTONE

Im Vorjahr holte Marc Hirschi einen Etappensieg und wurde als kämpferischster Fahrer ausgezeichnet: Ist Ähnliches wieder vom Berner zu erwarten?

Eher weniger. Im Vorjahr ist Hirschi noch für das Team Sunweb gestartet, in dem er viele Freiheiten erhielt. In seinem neuen Team UAE Emirates ist seine Aufgabe eine andere: Titelverteidiger Tadej Pogacar zum Tour-Sieg verhelfen. Hirschi ist zu einem Edelhelfer geworden. Aus Schweizer Sicht darf man jedoch zu Recht hoffen, dass er auf einigen Etappen noch ein wenig Freiheiten erhält – auch wenn sich Hirschi 2021 noch nicht in der Form des Vorjahres präsentiert hat.

Was sind die Ambitionen der anderen Schweizer Athleten?

Stefan Küng und Stefan Bissegger zählen zu den besten Zeitfahrern der Welt. Deshalb haben sie die Einzelzeitfahren am fünften und vorletzten Tour-Tag im Kalender angestrichen. Ihre Ambitionen haben beide mit ihren Etappensiegen an der Tour de Suisse gezeigt. Während es für Bissegger die erste Teilnahme ist, hat Küng 2017 im Prolog beinahe das Leadertrikot geholt. Ein Etappensieg ist auch in diesem Jahr möglich. Die weiteren Schweizer sind ähnlich wie Hirschi in erster Linie als Helfer der Teamcaptains eingeplant.

Stefan Küng hat an der Tour de France grosse Ambitionen.

Stefan Küng hat an der Tour de France grosse Ambitionen.

Maxime Schmid / KEYSTONE

Kommt die Tour auch in die Schweiz?

Nein, diesmal gibt es anders als in einigen anderen Jahren keine Etappe, die durch die Schweiz führt. An unserer Grenze am nächsten kommt der Tour-Tross am 3. Juli. Dann startet die 8. Etappe in Oyonnax in der Nähe von Genf.

Die Karte zur diesjährigen Tour de France.

Die Karte zur diesjährigen Tour de France.

TdF

Was sind die Highlights der diesjährigen Tour?

Als grosses Highlight gilt die elfte Etappe, in der gleich zweimal der berüchtigte Mont Ventoux überquert wird. Der Riese der Provence ist erstmals seit 2016 wieder im Programm. Spannende Bergankünfte gibt es derweil in Tignes, am Col du Portet und in Luz Ardiden. Die Entscheidung über den Tour-Sieg dürfte am vorletzten Tag beim Einzelzeitfahren fallen.

Können Fans die Athleten am Streckenrand anfeuern?

Ja, das ist möglich. Im Gegensatz zur Tour de Suisse sind auch im Start- und im Zielbereich zunächst maximal 5000 Zuschauer inklusive Maskenpflicht zugelassen. Es könnte aber noch zu Lockerungen kommen. Ob wie im Vorjahr einige Bergpässe für Zuschauer abgesperrt werden, ist noch offen.