Motorrad
Tom Lüthis grösster und wichtigster Sieg

Der Sieg beim Saisonauftakt in Katar bringt Tom Lüthi auch nur 25 Punkte ein. Gleich viel wie die vorherigen zehn GP-Siege. Und doch ist es sein wichtigster Sieg seit dem 25. September 2005. Damals distanzierte er beim GP von Malaysia Mika Kallio um zwei Tausendstel. Am Ende der Saison war er 125er-Weltmeister.

Klaus Zaugg, Katar
Klaus Zaugg, Katar
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Tom Lüthi strahlt auf dem Podest in Katar mit der Siegertrophäe.

Tom Lüthi strahlt auf dem Podest in Katar mit der Siegertrophäe.

KEYSTONE/EPA/STR

Seither war Tom Lüthi oft Titelanwärter. Die Hoffnungen haben sich nie erfüllt. Die neue Generation, die jungen Wilden, haben ihn besiegt, sind an ihm vorbeigezogen und in die Königsklasse aufgestiegen. Der Emmentaler wird im September 30. Er ist von allen Spitzenfahrer der Älteste. Zu alt um Weltmeister zu werden?

Nun hat er zum Saisonauftakt einen der ganz wilden Jungen im Duell Mann gegen Mann, Rad an Rad besiegt. Franco Morbidelli (21) hat den Kampf um den Sieg gegen den Schweizer um 14 Tausendstel verloren. Als er die Enttäuschung über die Strafe für den Frühstart (20 Strafsekunden) überwunden hatte (er erfuhr davon erst nach der Zieldurchfahrt) kam er auf das Rennen zu sprechen und sagte: «Es ist mir ein Rätsel, wie Tom im Sattel bleiben konnte, als er mich überholte. Es war ein unglaubliches Manöver.»

Der beste Tom Lüthi seit Langem

Tom Lüthi wird hin und wieder vorgeworfen, es fehle ihm eine entscheidende Prise Biss und Aggressivität beim Start und im Zweikampf. Er schaffte es nur selten, aus einer der hinteren Reihen durchs dichte Gedränge durchzubrechen und den Anschluss an die Spitze zu finden. In Katar hat er von der dritten Startreihe aus sofort den Anschluss an die Spitze gefunden. Und dann hat er jene Zweikampfstärke gezeigt, die er braucht um Weltmeister zu werden. Wir haben in Katar den besten Tom Lüthi seit dem Einstieg in die Moto2-WM gesehen.

Ein strahlender Tom Lüthi gewinnt den WM-Auftakt in Katar.

Ein strahlender Tom Lüthi gewinnt den WM-Auftakt in Katar.

KEYSTONE/EPA EFE/MANUEL BRUQUE

Der Sieg ist noch aus einem Grund wichtig. Nun kehrt erst einmal Ruhe im Team ein. Weil Tom Lüthis Status als Nummer 1 zementiert ist. Die ganze letzte Saison war geprägt von Unruhe im Team. Dominique Aegerter war über den Neuankömmling Tom Lüthi in «seinem» Team alles andere als begeistert. Die Rivalität störte den inneren Frieden und verbrauchte Energie, die beim Renneinsatz fehlte.

Gelungenes Comeback von Aegerter

Das Comeback von Dominique Aegerter ist gelungen. Das starke Rennen in Katar (5. Platz) hat den Beweis geliefert, dass er wieder «zwäg» ist. Aber trotzdem ist klar, dass das Team auf Tom Lüthi setzt. Den Fahrer, der eine Chance hat, Weltmeister zu werden. Der Argwohn von Ferre Aegerter, sein Bub sei ein Opfer der «welschen Mafia» um Teamchef Fred Corminboeuf ist zwar so falsch nicht. Aber es gibt für die Bevorzugung Lüthis jetzt gute sportliche Gründe.

Dominique Aegerter steht nicht mehr unter dem Druck, seine Saison 2014 (mit dem bisher einzigen Sieg) beweisen zu müssen. Er hat jetzt im Windschatten von Tom Lüthi erst eimal ungestört und kann seine ganze Energie in den Rennsport investieren. Im Idealfall werden wir diese Saison nur noch aus einem Grund Unruhe im Team haben: wenn es darum gehen sollte, eine Stallorder zu erlassen. Wenn der Teamchef Dominique Aegerter befehlen muss, im Rennen auf jeden Fall Tom Lüthi den Vortritt zu lassen. Damit nicht wertvolle Punkte im Kampf um den WM-Titel verloren gehen.