Töff
Tom Lüthi ist sich sicher: «Es ist noch lange nicht vorbei»

Der Schweizer hat den Weltmeister-Titel 2016 verpasst. Der 30-jährige Emmentaler bleibt jedoch einer der ganz grossen Favoriten für den Meistertitel in der kommenden Saison.

Klaus Zaugg
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Trotz verpasstem WM-Titel ist Tom Lüthi mit der Saison zufrieden.

Trotz verpasstem WM-Titel ist Tom Lüthi mit der Saison zufrieden.

KEYSTONE

So viele Fragen. So viele «Wenn» und «Aber». So viele Spekulationen. So viele Träume. Aber am Ende ist es ganz einfach. Johann Zarco (26) lässt Tom Lüthi (30) nicht eine Sekunde der Hoffnung. Er dominiert beim GP von Malaysia in Sepang das Training, holt sich die Poleposition im Qualifying, gewinnt das Rennen und damit auch die Weltmeisterschaft. Im grossen Moto2-Drama blieb dem Emmentaler nur die Rolle des Statisten.

Zarco zieht in Sepang zusammen mit Franco Morbidelli und Jonas Folger davon. Hektik kommt während des Rennens nie auf. Sechs Runden vor Schluss übernimmt der Franzose die Führung und gewinnt das zweitletzte Rennen dieser Saison. Lüthi bleibt vom Start weg in der Verfolgergruppe gefangen, pendelt zwischen Rang acht und sechs.

Er hat gar nie eine Chance, den WMLeader herauszufordern und braust schliesslich auf Platz sechs über die Ziellinie. Er schildert sein Abenteuer nach dem Rennen so: «Gleich nach dem Start hat es Lorenzo Baldassari übertrieben und ist mir zweimal unfair in die Quere gekommen. Danach musste ich erst meinen Rhythmus wiederfinden. Aber Zarco war heute einfach besser und hat mit einer grossartigen Leistung das Rennen und die Weltmeisterschaft gewonnen. Davor kann ich nur den Hut ziehen und gratulieren.»

Blickt er mit Wehmut auf die verpasste Chance zurück? «Eine gute Frage. Die Chance auf den Weltmeister-Titel ist ja unverhofft noch einmal gekommen. Niemand hatte eigentlich mehr mit mir gerechnet. Aber natürlich habe ich an den WM-Titel gedacht und ein bisschen geträumt. So gesehen gibt es schon ein bisschen Wehmut. Aber andererseits ist es cool, dass ich es geschafft habe, doch noch um den Titel zu fahren. Ich habe auch allen, die nörgeln, ich sei inzwischen zu alt, die richtige Antwort gegeben. Und ich fühle es: Das war noch nicht meine letzte Chance. Es ist noch lange nicht vorbei. Ich bin motiviert und habe Spass am Rennsport wie eh und je.»

Tatsächlich sehen die Aussichten für Lüthi gut aus: Zarco, Folger, Alex Rins und Sam Lowes steigen in die Königsklasse MotoGP auf. Lüthi wird für die WM 2017 Topfavorit sein. Er sagt, der Titel müsse nächste Saison das Ziel sein. «Ohne Wenn und Aber». Es brauche im Winter keine Revolution im Team. «Ich habe im Laufe dieser Saison sehr viel gelernt. Es gelingt mir inzwischen viel besser, Erfahrungen von einem Rennen auf das nächste umzusetzen und mich ständig zu verbessern. So müssen wir weitermachen.» Lüthi wird auch 2017 mit Cheftechniker Gilles Bigot arbeiten und eine Kalex-Maschine fahren.

Der Rennsport wird durch so viele Faktoren beeinflusst, dass es unmöglichst ist, den Erfolg auf der Strecke zu programmieren. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Kontrolle über jene Faktoren, die berechenbar sind: Teamstruktur, Technik, Organisation und Material. Ein Hexenmeister in der minuziösen Planung ist der Teamchef von Ajo Motorsport Aki Ajo.

Tom Lüthi wird im Regenrennen in Malaysia Sechster.

Tom Lüthi wird im Regenrennen in Malaysia Sechster.

KEYSTONE/AP/SHIZUO KAMBAYASHI

Der freundliche, in sich gekehrte Finne hat so etwas wie ein perfektes Team aufgebaut und nun Zarco zum zweiten Mal hintereinander zum Moto2-Weltmeister gemacht. Und in dieser Saison hat er mit dem Südafrikaner Brad Binder auch die Moto3-WM gewonnen. Keine Frage: Im Team von Ajo würde auch Lüthi Weltmeister werden.

Die nötige Ruhe

Kann Lüthi, der 125er-Weltmeister von 2005, nächste Saison im Team von Fred Corminboeuf die Moto2-Weltmeisterschaft gewinnen? Vieles spricht dafür, dass er in dieser Saison einen entscheidenden Schritt zum Champion in der zweitwichtigsten Motorrad-WM gemacht hat. Dass er die Ruhe, die Gelassenheit und auch das Selbstvertrauen dieses Herbstes über den Winter in die nächste Saison «retten» kann. Dass wir in der Schlussphase dieser Saison und nicht im Sommer den wahren Lüthi gesehen haben. Dass es 2017 im Team mit Jesko Raffin und ohne Dominique Aegerter ruhiger sein wird.

So gesehen ist die Schlussphase der dieser Saison die Anzahlung auf den WM-Titel von 2017. Und somit lautet die Antwort auf die Frage, ob Lüthi im Team von Fred Corminboeuf Weltmeister werden kann: «Ja».