Eishockey-WM 2017

Thomas Rüfenacht nach der Schlittschuhattacke: «Ich hätte verbluten können»

Die Skandal-Szene: Ziga Jeglic (l.) knallt Thomas Rüfenacht den Schlittschuh in den Hals-/Schulterbereich.

Die Skandal-Szene: Ziga Jeglic (l.) knallt Thomas Rüfenacht den Schlittschuh in den Hals-/Schulterbereich.

Thomas Rüfenacht, das Opfer der üblen Schlittschuhattacke, fordert eine massive Strafe für seinen slowenischen Gegenspieler. Der Schweizer realisierte die Härte der Attacke erst nach dem Spiel.

Thomas Rüfenacht, was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sie die Attacke des Slowenen erstmals gesehen haben?

Thomas Rüfenacht: Ich war recht überrascht, als ich die Szene auf Video gesehen habe. Ich habe auch erst am Tag danach realisiert, was passiert ist. Ich habe es während des Spiels schlicht nicht gemerkt.

Wie erlebten Sie die Szene selber?

Ich war in ein Scharmützel mit dem slowenischen Spieler Nummer 55 verwickelt und kassierte von ihm zwei Fausthiebe. Dann habe ich einen Schlag auf der anderen Seite gespürt. Ich dachte, dass mich ein anderer Spieler packt. Wenn ich bemerkt hätte, was wirklich passiert ist, hätte ich vermutlich ich etwas anders reagiert – und auch das ganze Team.

Wann wurde Ihnen bewusst, was hätte passieren können?

Ich habe noch nie so etwas gesehen im Eishockey. Ich frage mich schon, welche Folgen es hätte haben können. Ich kann nur von Glück reden, dass es nicht anders gekommen ist. Ich hätte verbluten können. Ich habe am nächsten Tag nochmals kontrolliert, ob ich wirklich keine Narbe am Hals habe.

Sie haben Familie, zwei Kinder. Wie hat ihre Frau reagiert?

Meine Frau hat das Video auch gesehen. Meine Brüder haben es ihr gezeigt. Sie war schockiert. Schon wenn so etwas unabsichtlich passiert muss man oft sagen: «Uff, jetzt hab ich Glück gehabt.»

Können Sie nachvollziehen, was Ihr Gegenspieler tun wollte?

Über die Absicht müssen wir nicht diskutieren. Ich weiss wirklich nicht, was er sich dabei überlegt hat. Das hat nichts mehr mit Eishockey zu tun. Das ist nicht mal mehr ein dreckiges Foul. Das ist nicht dumm, das ist ganz einfach fahrlässig.

Die Bilder zum Spiel gegen Slowenien:

Was tun sie, wenn sie Jeglic im Spielerhotel begegnen. Werden Sie ihn zur Rede stellen?

Ich weiss es nicht. Am liebsten hätte ich, dass er gar nicht mehr im Turnier dabei ist. Ich erwarte, dass vielleicht vom slowenischen Verband ein Zeichen gesetzt wird.

Können Sie das milde Strafmass, zwei Spielsperren, nachvollziehen?

Nein. Ich hoffe wirklich, dass der Internationale Eishockey Verband die Szene nochmals betrachtet. Wir wollen keine Checks gegen den Kopf sehen. Und erst recht nicht, dass Spieler versuchen, den Gegner abzustechen. Eigentlich müsste man so einen Spieler auf internationalem Level für immer sperren. Stellen Sie sich vor, er hätte mich wirklich getroffen. Dann wäre ich nicht mehr hier und es würde niemand dagegen protestieren, dass so ein Spieler lebenslänglich aus dem Verkehr gezogen wird.

Erwarten Sie, dass der Schweizer Verband gegen das Urteil Rekurs einlegt.

Was bringt es, wenn die Strafe von zwei auf vier Spielen erhöht wird? Ich verstehe nicht, warum es in so einem Fall überhaupt einen Einspruch braucht. Man muss nur die Reaktionen aus der ganzen Hockeywelt anschauen. Das ist überwältigend.

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