Für Federer ist das Treffen der Besten zum Jahresschluss eine schöne Routine. Seit 2002 hat er dieses spezielle Turnier nie verpasst, zwölfmal stand er schon im Einsatz und mit sechs Titeln ist er auch der Rekordhalter. Auch in diesem Jahr zählt der Schweizer in der Londoner O2-Arena zu den Favoriten, trotz seiner inzwischen 33 Jahre.

Doch Federer hat eine tolle Saison hinter sich, einzig ein Grand-Slam-Sieg fehlt zur Krönung. Den könnte er allerdings kompensieren, mit einem Triumph in London oder – noch besser sogar – mit einer weiteren Trophäe eine Woche später im französischen Lille. Denn erstmals beendet Federer die offizielle Saison nicht mit den World Tour Finals. Anschliessend folgt noch der Final im Davis-Cup in Frankreich.

Federer gönnte sich kleinere Pausen

Es ist eine lange Saison, doch Federer fühlt sich noch immer frisch, die gesundheitlichen Probleme, die ihn vor einem Jahr plagten, hat er überwunden. Auf seinen Körper muss er dennoch achten, und deshalb legte er in der vergangenen Woche doch auch die eine oder andere Pause ein.

Drei Tage pausierte er nach dem Turnier von Paris, stieg am Dienstag in London wieder ins Training ein. Abends erlebte der Fussballfan ein Spektakel auf der Tribüne im Stadion von Arsenal, als sich die Londoner und der RSC Anderlecht in der Champions League 3:3 trennten. Zudem genoss er aus der Ferne das 4:0 seines FC Basel gegen Ludogorez Rasgrad. Zwei Tage später liess er die Tennisbälle ganz links liegen und besuchte mit seiner Familie den Tower und stellte sich wie jeder normale Tourist ganz bescheiden in der Schlange an. Federer steigt am Sonntag um 21 Uhr Schweizer Zeit ins Turnier ein, sein Gegner ist der Kanadier Milos Raonic, der Mann, der ihm in Paris die letzte Niederlage beibrachte.

Fokus liegt auf den beiden Titeln

Für Federer gehts jetzt hauptsächlich um die beiden Titel. Die Nummer eins zum Jahresende kann er kaum noch werden. Federer muss zunächst einmal ungeschlagen die Tour Finals gewinnen, das heisst die drei Gruppenspiele gegen Raonic, Kei Nishikori und Andy Murray sowie Halbfinal und Final. Verliert Djokovic seine drei Partien in der anderen Gruppe, ist Federer die neue Nummer eins.

Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass der Serbe ihm den Gefallen tut. Ganz im Gegenteil, die Nummer eins der Welt zeigte sich zuletzt in Paris in bestechender Form. Gewinnt Djokovic drei Partien in London, bleibt er auf jeden Fall vorne, egal wie viele Punkte Federer im Davis-Cup noch holt.

Der Davis-Cup ist noch weit weg

An den verschwendet Federer aber in den nächsten Tagen keinen Gedanken mehr, genau gleich wie Wawrinka. Der Romand qualifizierte sich erst zum zweiten Mal für die Tour Finals und trainierte in den vergangenen Tagen hart. Er ist weiter auf der Suche nach seiner Form, auch wenn er zuletzt in Paris die Serie seiner Erstrundenniederlagen stoppte. «Für mich ist es ein Traum, hier wieder spielen zu dürfen, sagte der 29-Jährige. Es biete ihm auch eine grosse Chance, sich zu zeigen.

Findet Wawrinka in den nächsten Tagen wieder zu seinem Spiel, hat er durchaus Chancen wie vor einem Jahr, in die Halbfinals vorzustossen. An Djokovic führt wohl kein Weg vorbei. Doch Tomas Berdych und Marin Cilic liegen sicher in seiner Reichweite, gegen beide Spieler hat er eine positive Bilanz. Gegen Berdych führt er 9:6 und hat die letzten vier Vergleiche gewonnen. Gegen Cilic liegt er 7:2 vorne, siegte zuletzt dreimal in Folge. Wawrinka startet am Montag gegen Berdych ins Turnier.