Wimbledon

Yannick Fattebert: Wawrinkas Trainer im Schatten von Magnus Norman

Der Walliser Yannick Fattebert steht lieber im Hintergrund.

Nach dem Erfolg in der 1. Runde von Wimbledon gegen den Favoriten Grigor Dimitrov, spricht Trainer Yannick Fattebert über den grössten Sieg von Stan Wawrinka seit einem Jahr. Und auch darüber, im Schatten vom grossen Magnus Norman zu stehen.

Seit 2011 arbeitet der Walliser Yannick Fattebert (34) mit Stan Wawrinka (33) zusammen. Vor einem halben Jahr hat er den Schweden Magnus Norman als Haupttrainer abgelöst.

Yannick Fattebert, was bedeutet Stan Wawrinkas Sieg gegen Grigor Dimitrov für seine Karriere?

Yannick Fattebert: Das war ein grosser Tag! Damit rücken die Zweifel etwas in den Hintergrund. Wir wissen jetzt: Stan kann gegen die Besten bestehen, wir wissen aber auch, dass es schon im nächsten Spiel einen Rückschlag geben kann.

Auf Rasen hat er zum ersten Mal einen Top-Ten-Sieger besiegt. Was ist für Wawrinka noch möglich?

Schwierig zu sagen. Kann er noch ein Grand-Slam-Turnier gewinnen? Schafft er es in die Top 50? Wir wissen es nicht. Was wir wissen: Er kann wieder ein sehr gutes Niveau erreichen. Wenn man sieht, was er alles durchgemacht hat, dann fühle ich einen grossen Stolz. Für ihn ist das genial. Und für mich ist es eine riesige Erleichterung.

Sie sind nun sein Haupttrainer, was ändert das für Sie persönlich?

Weil Stan mit Magnus Norman so viel Erfolg hatte, spüre ich einen gewissen Druck. Das Schöne an Stan ist, dass er sehr loyal ist und nicht alles in Frage stellt, wenn er einmal verliert. Stan erwartet, dass ich ihm meine Meinung sage, sonst helfe ich ihm nicht. Ich trage jetzt eine grosse Verantwortung.

Yannick Fattebert: «Es ist normal, dass Magnus (rechts im Bild) im Mittelpunkt steht. Damit habe ich kein Problem.»

Yannick Fattebert: «Es ist normal, dass Magnus (rechts im Bild) im Mittelpunkt steht. Damit habe ich kein Problem.»

Sie stehen trotzdem im Schatten von Magnus Norman, stört Sie das?

Das ist mir eigentlich egal. Für mich zählt die Arbeit mit Stan, dass es für ihn stimmt und dass es ihm gut geht. Es ist normal, dass Magnus im Mittelpunkt steht, weil er selber die Nummer zwei der Welt war, weil er schon als Coach gearbeitet hat und grosse Erfahrung hat. Damit habe ich kein Problem.

Wie ist ihre Zusammenarbeit?

Wir haben eine tolle Beziehung, ich bin sehr glücklich, dass er zurückgekehrt ist, das war entscheidend. Für uns alle ist das eine neue Situation mit dieser Verletzung. Darum war es wichtig, dass er zurückgekehrt ist und wir uns noch mehr austauschen können.

Was stand zuletzt im Vordergrund?

Wir haben viel über die Einstellung geredet. Vor einer Woche in Eastbourne war Stan noch sehr zerbrechlich und hat den Kopf etwas hängen lassen.

Waren Sie in den vergangenen Monaten mehr Freund oder Trainer?

Als Stan verletzt war, konnte er lange gar nichts machen. Es ging darum, ihn zu motivieren, die richtigen Worte zu finden und ihn wieder aufzubauen. Wir haben uns zwar weniger gesehen, aber ich habe immer wieder nachgefragt, wie es ihm geht. Man will in diesem Moment auch keinen Druck aufsetzen.

Yanick Fattebert: «Stan hat viel gegrübelt. Ich denke, dass Stan bis zum Sieg gegen Dimitrov seine Zweifel hatte.»

Yanick Fattebert: «Stan hat viel gegrübelt. Ich denke, dass Stan bis zum Sieg gegen Dimitrov seine Zweifel hatte.»

Wawrinka hat immer wieder gesagt, wie wichtig Sie für ihn waren.

Das war das Ziel: Dass wir zusammenhalten. Dass wir in den harten Zeiten bei Stan bleiben und für ihn da sind, um ihn aus diesem Loch rauszuziehen.

Gab es auch Momente, in denen er verzweifelte und die Geduld verlor?

Sicher gab es die. Die schwierigsten Momente waren für Stan jene, in denen er alleine war mit seinen Gedanken. Stan hat viel gegrübelt. Er war ja auch sechs, sieben Monate zu Hause, weg von der Tour. Ich denke, dass Stan bis zum Sieg gegen Dimitrov seine Zweifel hatte. Er hat sie noch heute.

Wie ernsthaft hat Wawrinka über einen Rücktritt nachgedacht?

Ganz am Anfang hat er einmal davon gesprochen. In Australien war er ja nur, um zu sehen, wo er steht. Und dann hat er ein Spiel gewonnen und wir dachten, es gehe schneller als erwartet. Danach wurde er von der Realität eingeholt. Es ist klar, dass man sich dann Fragen stellt.

Hatten Sie auch Zweifel?

Eigentlich nicht. Die grosse Unbekannte war das Knie. Auch die Ärzte konnten nicht sagen, ob es wieder gut wird. Aber Stan hat einen unglaublich starken Charakter. Er steht immer wieder auf und kommt stärker zurück. Das bewundere ich an ihm.

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