Tennis
Yann Marti: Der ausgeschlossene, umstrittene Kämpfer

Yann Marti ist nach dem Eklat vor der Davis-Cup-Begegnung in Belgien zum Gesprächsthema geworden – nicht nur in den Medien. Doch wer ist der Mann, der sich klammheimlich auf Platz 295 der Weltrangliste hochgearbeitet hat?

Fabio Baranzini
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Wird Yann Marti jemals für die Schweiz im Davis Cup spielen?

Wird Yann Marti jemals für die Schweiz im Davis Cup spielen?

KEYSTONE

Dienstagnachmittag, kurz vor 15 Uhr. Im Tenniscenter Trimbach in der Nähe von Olten finden sich rund 40 Leute ein, um das zweite Nachmittagsspiel des ITF-Future-Turniers – eines Events der untersten Profistufe – zu verfolgen. Die Spieler auf dem Centre Court spielen sich ein. Auf der linken Seite steht der unbekannte Franzose Constantin Belot (ATP 942). Ihm gegenüber der Walliser Yann Marti (ATP 295). Der Mann also, der in den letzten Tagen mit seinem vorzeitigen Abgang aus dem Schweizer Davis-Cup-Team aufgefallen war.

Internationale Schlagzeilen

Es war eine Geschichte, die in den Medien für grossen Wirbel gesorgt hat – mit dem unrühmlichen Höhepunkt, dass Martis Vater im «Blick» gegen Davis-Cup-Captain Severin Lüthi und Michael Lammer schwere Vorwürfe erhob. Selbst internationale Medien haben die Story aufgegriffen und über Marti und seine Auseinandersetzung mit dem Schweizer Davis-Cup-Team berichtet. Auslöser des Eklats war Lüthis Nomination von Michael Lammer für das zweite Einzel in der Begegnung gegen Belgien, obwohl der 32-Jährige in der Weltrangliste über 200 Ränge schlechter klassiert ist als der nominelle Teamleader Marti. Doch wer ist eigentlich Yann Marti, der sich im letzten Jahr praktisch unbemerkt bis auf Rang 200 der Welt vorgekämpft hat?

Der Verband berät über die Causa Marti

Nachdem Yann Marti vor der Davis-Cup-Begegnung gegen Belgien abgereist war, kursierten zwei verschiedene Versionen über die Gründe seines Abgangs. Marti selbst sprach nach seiner Nicht-Nomination von der «grössten Enttäuschung seiner Karriere» und erklärte, er reise deswegen ab. Swiss Tennis hingegen erklärte, Marti sei wegen inakzeptablen Verhaltens ausgeschlossen worden. Verbandspräsident René Stammbach liess gegenüber den Medien daraufhin verlauten, dass Marti nicht mehr Davis-Cup spiele, solange er Verbandspräsident sei. Stammbach erklärte nun auf Anfrage, dass der Zentralvorstand von Swiss Tennis an seiner nächsten Sitzung vom 20. März über weitere Schritte entscheiden werde. Marti sagt, dass es für ihn trotz den Meinungsverschiedenheiten mit Captain Severin Lüthi immer noch ein grosser Traum sei, einmal im Davis-Cup für die Schweizer Farben zu spielen. (fba)

Marti der Hitzkopf

Zur Welt gekommen ist er am 7. Juni 1988 und wohnt in Siders. Er hat eine vier Jahre jüngere Schwester namens Sandy, die sich ebenfalls als Tennisspielerin versuchte und eine N2-Klassierung erreichte. Seit Marti mit fünf Jahren zum Tennisracket griff, hatte er seine Trainingsbasis stets in seinem Heimatkanton und wurde von seinem Vater Jean-Marie betreut.

Bereits zu Juniorenzeiten fiel Marti auf – einerseits wegen seines Tennisspiels, andererseits aber auch aufgrund seines Verhaltens. Wie mehrere Weggefährten aus Juniorenzeiten übereinstimmend berichten, war er in jungen Jahren ein Hitzkopf und hatte seine Emotionen nicht immer unter Kontrolle. Hinzu kam, dass ihn die Nerven in wichtigen Situationen wiederholt im Stich liessen. Trotzdem erreichte Marti – ohne je einem Nationalkader anzugehören – Rang 64 in der Juniorenweltrangliste und durfte die Schweizer Farben an der Junioren-Europameisterschaft in Klosters vertreten.

Marti der Trainingsweltmeister

Marti war trotz seines unbestrittenen Talents ein harter Arbeiter. Ein ehemaliger Trainingspartner beschreibt es so: «Das Training sollte jeweils möglichst hart sein und Yann stand regelmässig bis zu sechs Stunden auf dem Platz. Im Match war er stets sehr verbissen und wollte mit allen Mitteln gewinnen. Dazu gehörte auch das Provozieren des Gegners, und nicht selten waren knappe Bälle auf seiner Seite im Aus.» Wiederholt wurde er auch vom Schweizer Verband wegen unsportlichen Verhaltens während nationalen Turnieren und Interclubpartien gebüsst. Darunter litt Martis Ruf in der Tennisszene, und auch das Verhältnis mit dem Verband ist eher angespannt, obwohl beide Parteien im letzten Jahr einen leistungsbezogenen Vertrag zur Unterstützung von Marti unterzeichnet haben.

Beachtliche Resultate

Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen entwickelte der 1,73 Meter grosse Marti beeindruckende Kämpferqualitäten, die ihm – gepaart mit seinen schnellen Beinen – zu einem steilen Aufstieg in der Weltrangliste verhalfen. Ein Aufstieg, den ihm so nur wenige zugetraut hätten. Marti gewann zwei Future-Turniere und erreichte in der vergangenen Saison bei den ATP-Turnieren in Gstaad und Stuttgart die zweite Runde. In Wimbledon fehlten ihm gar nur wenige Punkte, um sich erstmals für das Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers zu qualifizieren.

Marti ist ein Spätzünder. Nach der abgeschlossenen Berufssportlerlehre wurde er von einer Fussverletzung längere Zeit gebremst. Gemäss seinem Naturell gab Marti aber nicht auf und kehrte im Alter von 24 Jahren stärker zurück als je zuvor. Der Walliser selbst beschreibt sich als Spieler, der gerne attackiert und die Emotionen braucht, um gut zu spielen. Dass er damit zuweilen übers Ziel hinausschiesst und nicht den besten Ruf geniesst, nimmt er in Kauf. «Ich spiele nicht für die anderen, sondern für mich und all diejenigen, die mich unterstützen. Ich zerbreche mir nicht den Kopf darüber, was die Gegner über mich denken», sagt er.

Flucht nach vorne

Worüber er sich jedoch Gedanken macht, sind die Ereignisse in Belgien. Zwar möchte er sich dazu nicht mehr äussern, aber es ist spürbar, dass ihn die Sache belastet. Sein Rezept dagegen: weiterkämpfen. «Ich wollte so schnell wie möglich wieder ein Turnier spielen, damit ich die Freude am Tennissport wiederfinde.» Das klappt. In Trimbach hat er zumindest die erste Runde souverän gewonnen.

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