Je wilder die Party, desto schlimmer der Kater. Eine Vorstellung, die Schweizer Tennis-Fans in Mark und Bein fährt. Denn die Party, die in Melbourne eine Fortsetzung findet, ist ziemlich wild. 20 Grand-Slam-Titel im Einzel in nicht einmal 14 Jahren sind eindrückliches Zeugnis. Nur: Roger Federer (35) und Stan Wawrinka (31) sind im fortgeschrittenen Sportleralter.

«Das vielleicht letzte Mal» heisst ein Stück, das der «Spiegel» vor zwei Wochen veröffentlicht. Es ist Eloge und Abgesang auf Federer zugleich. «Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Federer seine Karriere nach dieser Saison beenden wird», steht dort. Und es sei wohl auch die letzte Möglichkeit, noch einmal grosse Titel zu gewinnen, «um sich einen noch schöneren Abgang zu verschaffen».

Federer abzuschreiben, ist eine Falle, in die schon so mancher getappt ist. Erstmals befindet sich der damals 26-Jährige 2008 im «Herbst seiner Karriere», wie der «SonntagsBlick» schreibt. Zwei Monate später gewinnt er zum fünften Mal die US Open. 2012 sagt Stan Wawrinka in Basel: «Wenn Federer und ich einmal aufhören, wird keiner mehr da sein. Es wird nur der Kater bleiben.»

Roger Federer im Platzinterview nach dem Sieg gegen Mischa Zverev.

Roger Federer im Platzinterview nach dem Sieg gegen Mischa Zverev.

Doch der lässt auf sich warten. Die Jubeljahre gehen weiter. Federer hat sich eine Pause gegönnt, weil er seine Karriere «um mehrere Jahre» verlängern will. Wawrinka ist erst seit drei Jahren einer der Weltbesten. Anzeichen, dass er bald genug hat, sind keine auszumachen. Zu lange hat er dafür gearbeitet, auch um die wichtigsten Pokale spielen zu können.

Ein neuer Federer oder Wawrinka ist nicht auszumachen. Mit Belinda Bencic (19), Timea Bacsinszky (27) und Rebekka Masarova (17), Junioren-Siegerin in Paris, sind aber junge Frauen bereit, die Lücke zu schliessen. Federer und Wawrinka aber sind noch lange nicht am Ende. Ihre Party geht irgendwann vorbei. Angst vor einem Kater muss deswegen aber keiner haben.