Swiss Indoors Basel
Wie so oft ein hartes Los: Marco Chiudinelli vor dem Duell gegen Kumpel Stan

Marco Chiudinelli schnuppert wieder an den Top 100 – und trifft auf Kumpel Stan. Wie schon in der Vergangenheit meinte es das Los in Basel auch in diesem Jahr mit Chiudinelli nicht allzu gut. Trotzdem: Für ihn bleiben die Swiss Indoors so etwas wie das persönliche Wimbledon.

Silvan Hartmann
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Lichtblick: Marco Chiudinelli kämpfte sich an den US Open nach drei erfolgreichen Qualifikationsspielen in die zweite Runde vor.Keystone

Lichtblick: Marco Chiudinelli kämpfte sich an den US Open nach drei erfolgreichen Qualifikationsspielen in die zweite Runde vor.Keystone

KEYSTONE

Als Marco Chiudinelli letztes Jahr vor Turnierstart der Swiss Indoors auf dem Stuhl im Pressezentrum Platz nimmt, spielt er mit dem Gedanken, doch baldmöglichst seine Karriere zu beenden. Er schliesst deshalb nicht restlos aus, dass es sich um seine letzte Teilnahme an seinem Heimturnier handeln könnte. Weil er sich mit langwierigen Verletzungen an Schulter, Knie, Rücken, Ellbogen herumschlägt. Weil er zeitweise bis auf Platz 318 abrutscht und sich angesichts dessen die Frage stellt, ob sich der kraftraubende Trainingsalltag für einen doch bescheidenen Ertrag noch lohnen würde. Der Baselbieter entscheidet sich für den aufopfernden Weg.

Als Junior Wawrinka besiegt

Heute, ein Jahr danach, wird Chiudinelli dank der erneuten Wildcard der Organisatoren versuchen, seinem Davis-Cup-Kollegen Stan Wawrinka, dem Topfavoriten, ein Bein zu stellen. «Mir ist bewusst, dass ich keine Chance habe, wenn wir beide unser bestes Tennis spielen. Ich muss meine Leistung erbringen und darauf hoffen, dass Stan nicht sein Topspiel abruft, dann werden wir sehen», sagt Chiudinelli an der gestrigen Pressekonferenz.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.
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6 offizielle Schiedsrichter 6 Hauptschiedsrichter sind auf den beiden Plätzen während des gesamten Turniers im Einsatz. Sie werden von 70 Linienrichtern, sogenannten Linesmen, unterstützt. Um alle Linien im Blick zu haben, sind immer neun Linesmen gleichzeitig auf dem Court, die wie auch die Ballkinder nach einer Stunde abgelöst werden.
2 151 985 Euro Preisgeld 2 151 985 Euro Preisgeld werden an den Swiss Indoors ausgeschüttet. Der Sieger bekommt alleine 387 100 Euro und damit mehr als die gesamte Doppelkonkurrenz (330 800 Euro). Zusätzlich gibt es für den Sieger auch 500 ATP-Weltranglistenpunkte.
9200 Zuschauer 9200 Zuschauer finden auf dem Centre-Court Platz. An neun Turniertagen strömten im letzten Jahr insgesamt 71 600 Tennisfans in die St.-Jakobshalle. Der Rekord aus dem Jahr 2012 liegt bei 72 300 Zuschauern. Man darf gespannt sein, wie sich das Fehlen von Roger Federer in diesem Jahr auf die Besucherzahl auswirkt.
10 000 Cüpli Tennis wird nach wie vor vom Flair der Reichen und Schönen geprägt. Champagner und Sekt stehen an der Tagesordnung. Schätzungen zu Folge werde im Laufe der Woche 10 000 Cüpli geleert.
Centre Court aus 275 Holzplatten Der Centre-Court ist ein riesiges Puzzle aus 275 Holzplatten. Die Platten werden zwischen den Turnieren gelagert und können zwei bis drei Mal wiederverwendet werden. Der blaue Farbbelag wird jährlich erneuert.
1300 VIP-Besucher 1300 VIP-Besucher werden pro Tag erwartet. Diese geniessen aus den Logen und dem Bereich direkt hinter den Grundlinien den besten Blick aufs Spielfeld und haben unter anderem Zugang zum Tennisdorf und zum kleinen Village, wo schon so manches Geschäft abgewickelt wurde.
60 Ballkinder 60 Ballkinder im Alter zwischen elf und 16 Jahren, die jedoch nicht grösser als 1,65 Meter sein dürfen, sind an den Swiss Indoors im Einsatz. Im Laufe des Turniers werden die besten ausgewählt, die dann im Final auf dem Platz stehen dürfen. Ob Roger Federer in diesem Jahr trotz sportlicher Abstinenz nach dem Final die traditionelle Pizza mit den Ballkindern verspeist?
4500 Tennisbälle 4500 Tennisbälle der Marke Head wurden vom Veranstalter bestellt. Diese wiegen zwischen 56 und 59,4 Gramm und kommen in 43 Einzelpartien, 16 Doppelpartien und im Training zum Einsatz. Während der Partien sind für die ersten sieben Games und dann immer für neun Games jeweils dieselben sechs Bälle im Spiel, ehe sie ausgetauscht werden.
8000 Logiernächte 8000 zusätzliche Logiernächte bringen die Swiss Indoors der Stadt Basel. Während der Turnierwoche ist rund jeder vierte Basler Hotelgast ein Besucher des Tennisspektakels in der St.-Jakobshalle. In der Nacht vor dem Final wurden in den letzten Jahren jeweils mit Abstand die meisten Logiernächte im Oktober registriert. Dennoch ist die Hotellerie in Basel während des Turniers nur zu 72% ausgelastet. Dieser Wert liegt aber immerhin 3% über dem Oktoberschnitt.

3300 Meter Tennissaiten Die Spieler verbrauchen während des Turniers 3300 Meter an Tennissaiten, was der Distanz zwischen der St.-Jakobshalle und dem Barfüsserplatz entspricht. Damit lassen sich mehr als 300 frische Rackets bespannen, denn je nach Schlägertyp werden für die Bespannung zwischen elf und zwölf Meter Saite benötigt. Das Material kann dabei variieren. Rafael Nadal verwendet 100% Polyester, Roger Federer nutzt wie auch Novak Djokovic ein Hybrid aus Naturdarm und Polyester.

Getty Images/iStockphoto

Wettkampfmässig haben die beiden Landsleute auf ATP-Stufe noch nie gegeneinander gespielt. Jedoch trafen die beiden bei einem Satellite-Turnier im Jahr 2001 in Carouge aufeinander, erinnert sich Chiudinelli, und behielt gegen den damals 16-jährigen Stan mit 7:5, 6:3 die Oberhand. Geheimnisse spielerischer oder taktischer Natur haben die beiden inzwischen keine mehr voreinander. Schliesslich haben sie während gemeinsamen Davis-Cup-Partien viel Zeit miteinander verbracht und die Krönung mit dem Titel in Lille zusammen zelebriert.

Das persönliche Wimbledon

Chiudinelli, seit dem Jahr 2000 als Profi auf der Tour unterwegs, tritt heute zum 12. Mal an den Swiss Indoors an. Das Basler Losglück hat es mit dem Einheimischen - nicht nur heuer - kaum gut gemeint. So musste er oftmals in der ersten Runde gegen harte Brocken wie Cilic, Nishikori, Karlovic oder Ferrer ran - und scheiterte. Ausser im Jahr 2009, als er erst im Halbfinal von seinem Freund Roger Federer bezwungen wurde.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.
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Milos Raonic ATP: 4; Alter: 25; Siege 2016: 47; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,880,233; Preisgeld Karriere: $12,712,216.
Kei Nishikori ATP: 5; Alter: 26; Siege 2016: 52; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $3,715,751; Preisgeld Karriere: $15,043,162.
Marin Cilic ATP: 11; Alter: 28; Siege 2016: 39; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $2,035,943; Preisgeld Karriere: $15,486,053.
David Goffin ATP: 12; Alter: 25; Siege 2016: 45; Niederlagen 2016: 21; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,862,255; Preisgeld Karriere: $4,650,665.
Grigor Dimitrov ATP: 18; Alter: 25; Siege 2016: 36; Niederlagen 2016: 23; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,519,436; Preisgeld Karriere: $7,362,022.
Richard Gasquet ATP: 19; Alter: 30; Siege 2016: 30; Niederlagen 2016: 16; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $1,124,945; Preisgeld Karriere: $14,633,471.
Jack Sock ATP: 23; Alter: 24; Siege 2016: 29; Niederlagen 2016: 18; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $1,034,792; Preisgeld Karriere: $4,501,756.
Marcos Baghdatis ATP: 35; Alter: 31; Siege 2016: 25; Niederlagen 2016: 20; Turniersiege 2016: 0; Preisgeld 2016: $900,983; Preisgeld Karriere: $7,581,490.
Pablo Carreno Busta ATP: 36; Alter: 25; Siege 2016: 34; Niederlagen 2016: 24; Turniersiege 2016: 1; Preisgeld 2016: $810,918; Preisgeld Karriere: $2,550,038.

Stan Wawrinka ATP:3; Alter:31, Siege 2016: 43; Niederlagen 2016: 14; Turniersiege 2016: 4; Preisgeld 2016: $5,663,783; Preisgeld Karriere: $26,619,354.

Keystone

Ihm sei nach dem Hammerlos gegen Stan denn auch «nichts Spezielles» durch den Kopf gegangen. «Es ist nicht das erste Mal, dass ich sagen muss: Das Los hätte es auch besser meinen können», so der Lokalmatador schmunzelnd. «Mir ist bewusst, dass Basel nicht das Turnier ist, an dem ich besonders viele Punkte einfahren kann», weiss Chiudinelli. Und trotzdem sei das Turnier für ihn immer wieder ein grosses Highlight. «Das Turnier hebt sich von den anderen ab. Es trifft es ziemlich gut, wenn ich sage, dass Basel mein persönliches Wimbledon ist», so der 35-Jährige.

Ziel: Grand-Slam-Hauptfeld

Basel hin oder her: Marco Chiudinelli hat ein aufregendes Jahr hinter sich, kämpfte sich wieder auf Platz 119 vor. Insbesondere der Vorstoss an den US Open in die zweite Runde, in der er gegen Lucas Pouille als Qualifikant im fünften Satz verlor, hat ihm Auftrieb gegeben.

Über seine Zukunft möchte der 35-Jährige, der älteste Spieler der Swiss Indoors, nicht sprechen. Klar ist, dass er noch 130 Punkte benötigt, um sich einen Platz im Hauptfeld der Australian Open zu sichern. Ein Sieg gegen Wawrinka käme ihm gerade gelegen.