Der zehnte Titel in Halle spielt Roger Federer (37) auch im Hinblick auf seine Ambitionen in Wimbledon in die Karten. So verdrängt er den Spanier Rafael Nadal in der Setzliste von Position 2, obschon der zwölffache French-Open-Sieger in der Weltrangliste weiter deutlich vor ihm liegt. Grund dafür ist, dass sich das prestigeträchtigste Tennis-Turnier der Welt das Privileg gönnt, die Punkte der Weltrangliste nur als Basis für die Setzliste zu verwenden. Zusätzlich werden die in den letzten 24 Monaten auf Rasen erzielten Resultate stärker gewichtet.

Folgende Kriterien werden dabei angewendet:

  1. 100 Prozent der Punkte der Weltrangliste eine Woche vor den Wimbledon Championships.
  2. 100 Prozent aller auf Rasen erzielten Punkte in den zwölf Monaten bis zum 24. Juni 2019.
  3. 75 Prozent der auf Rasen erzielten Punkten in den zwölf Monaten davor.
Rafael Nadal bereitet sich derzeit in Mallorca auf Wimbledon vor (Bild: Keystone).

Rafael Nadal bereitet sich derzeit in Mallorca auf Wimbledon vor (Bild: Keystone).

Federer gewann in dieser Zeitspanne einmal in Wimbledon (2017) und nun in Halle, erreichte im Vorjahr in Wimbledon die Viertelfinals und in Halle und Stuttgart den Final. Nadal hat in dieser Zeit hingegen nur ein zählbares Resultat vorzuweisen – den Wimbledon-Halbfinal aus dem Vorjahr. Dies hat zur Folge, dass Federer erst im Final auf Titelverteidiger Novak Djokovic treffen kann, der nicht nur die Weltrangliste, sondern auch die Setzliste anführt.

Novak Djokovics Einhorn-Bilanz

Der Serbe ist neben Tommy Haas und Lleyton Hewitt auch einer von nur drei Spielern, die Federer auf Rasen zwei Mal besiegen konnten, ist aber unter diesen ein Einhorn. Denn Djokovic ist der einzige Spieler, der gegen den achtfachen Wimbledon-Sieger Federer auf Rasen eine positive Bilanz ausweist. 2012 unterlag Djokovic in Wimbledon zwar im Halbfinal, fügte Federer aber 2014 und 2015 zwei Final-Niederlagen zu. Federer kann zwar in den Halbfinals weiterhin auf Rafael Nadal treffen, sieht im Aufrücken in der Setzliste gleichwohl Vorteile. Weil Titelverteidiger Djokovic das Turnier am Montag traditionell um 13 Uhr Londoner Zeit eröffnet, steht bereits fest, dass Federer, der die untere Tableau-Hälfte anführt, erst am Dienstag ins Turnier eingreift. Er sagt: «Ich kann dadurch besser planen und habe zudem einen Tag länger frei.»

Novak Djokovic weist als einziger Spieler auf Rasen gegen Roger Federer eine positive Bilanz aus (Bild: Keystone).

Novak Djokovic weist als einziger Spieler auf Rasen gegen Roger Federer eine positive Bilanz aus (Bild: Keystone).

Grösster Profiteur der Formel ist Vorjahres-Finalist Kevin Anderson. Der Südafrikaner ist nach einem halben Jahr voller Verletzungen nur noch die Nummer 8 der Welt, rückt in der Setzliste aber auf Kosten des Österreichers Dominic Thiem bis auf Position 4 vor. Zu den Verlierern gehört Stan Wawrinka, der im Vergleich zur Weltrangliste um drei Position auf Platz 22 zurückgestuft wird. Nicht zur Anwendung kommt die Formel bei den Frauen, wo sich die Setzliste an die Weltrangliste hält. Belinda Bencic ist als einzige der fünf Schweizerinnen im Hauptfeld gesetzt – an Position 13. Die Auslosung findet am Freitag statt.

In der Weltrangliste nur Achter, in Wimbledon an Position 4 gesetzt: Kevin Anderson (Bild: Keystone).

In der Weltrangliste nur Achter, in Wimbledon an Position 4 gesetzt: Kevin Anderson (Bild: Keystone).