Roger Federer, der im Tennis fast jeden Rekord hält, ist in den vergangenen beiden Dezennien selber zur Weltmarke aufgestiegen. Orchestriert von seinem Agenten, dem US-Amerikaner Tony Godsick: Er gilt als freundlich im Umgang, aber hart in der Sache.

Seit vier Jahren kümmert er sich ausschliesslich um die Belange Federers. Nach dem Abgang beim Sportmarketingiganten IMG gründete er Ende 2013 die Agentur Team 8. Federer selber ist zwar nicht operativ tätig, aber Teilhaber der Agentur, bei der mit Juan Martin Del Potro, Grigor Dimitrov und Tommy Paul weitere Tennisspieler unter Vertrag stehen.

Doch die Agentur ist nur ein Standbein im Federer-Imperium. Früh hat er aufgegleist, wovon er noch heute profitiert: ein funktionierendes Team aus Trainern, Managern, Anwälten und Freunden. 2007 liess Federer die Tenro AG im Handelsregister eintragen. Über die in Bottmingen am Wohnsitz der Eltern domizilierte Gesellschaft wickelt er wohl einen Grossteil der Vermarktung ab.

Im Herbst 2010, kurz vor dem ersten «Match for Africa», gründete er die Tenro Event AG. Zweck: Unterstützung und Durchführung von Veranstaltungen im Bereich Sport, Kunst und Kultur. Vor zwei Jahren fasste er die beiden Gesellschaften in der Tenro Holding AG zusammen.

Im Verwaltungsrat der drei Gesellschaften sitzen zwei Anwälte: Filippo Théodore Beck, Spezialist für Vertragsrecht, Sportrecht und Vermögensstrukturierung. Daneben vertraut Federer seit über einem Jahrzehnt auf die Expertise von Thomas Graf. Er hat sich auf nationales und internationales Steuerrecht spezialisiert. Präsident aller Gesellschaften ist aber immer nur er: Roger Federer. Er ist der Kopf eines globalen Unternehmens.

Je nach Schätzung beträgt sein Vermögen zwischen 350 und 600 Millionen Franken. Früh sagte er: Bei zwei Dingen darf ich nichts anbrennen lassen – beim Doping und bei den Steuern.

Mit eiserner Hand

Der Mensch Federer ist stets freundlich im Umgang, charmant und zugänglich. Doch geht es ums Geschäft, kontrolliert er sein Reich mit eiserner Hand. Ohne sein Einverständnis geht kein Deal über die Bühne. Auf seiner Lohnliste stehen inzwischen ein Dutzend Beschäftigte: zwei Trainer, ein Fitnesstrainer, ein Physiotherapeut, ein Bespanner, dazu Nannys und Lehrpersonen für die Kinder.

Sporadisch wird ein Koch engagiert, wie zuletzt in Wimbledon, damit sich seine Ehefrau Mirka auch einmal erholen kann. Federer sagt über sie: «Sie organisiert unser Leben – das bedeutet viel Arbeit.» Für zwei Jahre – von 2003 bis 2005 hatte sie sich mit Federers Eltern Robert und Lynette um das Inhouse-Management gekümmert. Doch das war bald nicht mehr zu bewältigen.

Seinen innersten Zirkel hält Federer bewusst eng. Das schafft Vertrauen in einer Welt, in der falsche Freunde von Geld und Ruhm angezogen werden wie Mücken vom Licht. Wer sich in seinem Dunstkreis bewegt, tut das schon seit einem Jahrzehnt. Es schützt vor den Begehrlichkeiten, die er mit seinem Charisma überall weckt.

Panem et circenses – Brot und Spiele – das ist die Währung, mit der hinter der glitzernden Fassade des Tennis-Eldorados gehandelt wird. Und mittendrin: Roger Federer. Aufgewachsen in Münchenstein, Baselland, wohnhaft in Valbella, Graubünden, mit Wohnsitz in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate.

Federer spielt nicht nur mit. Er kann sich als Weltmarke inzwischen den Luxus der Selbstbestimmung leisten. In seinem Imperium – finanziert von Sponsoren, Preisgeldern und Antrittsgagen – hält er alle Fäden in der Hand. «Ich scherze immer: ‹Schau, du warst so erfolgreich auf dem Tennisplatz, aber ich verspreche dir, du wirst noch erfolgreicher, wenn du mit Tennis aufhörst›», sagte Godsick einmal zur «New York Times». Roger Federer ist es schon jetzt – als Kopf seines Imperiums. Denn allen Helfern zum Trotz: Spielen muss der Chef selber.