Fast zehn Stunden Tennis bekamen die Fans gestern für 169 Franken gestern auf einem guten Platz in der Basler St. Jakobshalle zu sehen. Zum Vergleich, bei AC/DC gabs im Juni zwei Stunden Musik für 150 Franken.
Erst kurz vor Mitternacht verliessen die meisten Fans die St. Jakobshalle in Feierlaune – und vor allem erleichtert. Sie hatten in den zwei Stunden zuvor mit ihrem Liebling und Lokalmatadoren Roger Federer mitgezittert, bis dessen Sieg über den zähen Belgier David Goffin feststand. Mit einem 6:3, 3:6, 6:1-Sieg schaffte der Baselbieter auf Umwegen doch noch den Einzug in den Halbfinal.

Dort bekommt er es heute mit Jack Sock zu tun, der im Duell der Amerikaner gegen Donald Young 5:7, 6:4, 6:2 siegte.

Sock bewundert den Schweizer, der für ihn der beste Spieler der Geschichte ist. Im März unterlag Sock in Indian Wells im bisher einzigen Vergleich 3:6, 2:6. Als «lebende Legende» hatte er vor der Partie seinen Gegner bezeichnet.

Viel gelernt habe er aus dieser Niederlage, sagte er damals. Nach einer Hüftverletzung bestritt er in Indian Wells sein erstes Turnier des Jahres. «Ich war noch etwas eingerostet», sagte er. Das soll heute anders sein. «Ich hoffe nun, dass ich diesmal einen besseren Plan gegen ihn habe», blickte er voraus.

80:0-Bilanz in der Highschool

Erst mit acht Jahren begann der 23-Jährige mit dem Tennis. An der Kansas High School war der junge Sock dann das Mass aller Dinge, verlor nicht ein Match, hatte eine Bilanz von 80:0. «Man kann schon sagen, dass ich dort eine Art Federer war», sagte er vor der erstem Begegnung mit diesem gegenüber dem «Tagesanzeiger».

Einzig sein Bruder Eric habe ihn fordern können. Seit der zu Beginn des Jahres schwer krank war, nimmt Sock alles etwas ruhiger.

Sein erstes Match im Hauptfeld auf der höchsten Stufe der Profitour bestritt er vor fünf Jahren, mit einer Wildcard beim US Open. Sein Gegner war Marco Chiudinelli.

Der Basler setzte sich in vier Sätzen durch. Seinen Gegner hatte er zuvor nicht gekannt, aber gehört, dass Stan Wawrinka gesagt hatte: «Der wird einmal richtig gut.»

Wawrinka hatte da schon ein paar Mal mit dem jungen Mann trainiert, der eineinhalb Wochen nach der Niederlage gegen Chiudinelli das Juniorenturnier beim US Open gewann.

Sock erinnert ein wenig an Andy Roddick, den er auch sein Vorbild nennt. «Wir kommen aus dem selben Staat», nennt der Mann aus Nebraska lächelnd eine Gemeinsamkeit.

«Ausserdem haben wir ähnliche Stärken, den Aufschlag und die Vorhand.» Die peitscht er ziemlich schnell übers Feld. Fast so schnell, wie er spricht. Und das hat er ebenfalls mit Roddick gemeinsam.

Sock hat bisher ein Turnier im Einzel gewonnen, im April, auf Sand in Houston. Auf Sand fühlt er sich wohl, auch weil er Zeit für seine grosse Ausholbewegung braucht.

Doch jetzt hat er auch gelernt, wie das Spiel in der Halle funktioniert. Am Sonntag stand er in Stockholm im Final, unterlag dort Tomas Berdych.

Sock gilt als eine der grössten Hoffnungen im amerikanischen Tennis, steht momentan auf Rang 29 der Welt. «Das ist schön für unser Tennis, dass ich jetzt erfolgreich bin, aber grosse Begeisterung löse ich noch nicht aus, dafür ist der Stellenwert des Sports in den USA im Moment zu tief», sagt er. Und in Kanasas City drehe sich ohnehin alles um die Baseball World Series. Dem Tennis zu etwas mehr Beachtung helfen kann er heute zweifellos, wenn er Federer schlägt.