French Open
Welches seiner zwei Gesichter zeigt der Schotte heute gegen Wawrinka?

Andy Murray zeigt beim French Open seine unterschiedlichen Gesichter – eines davon wird er auch im heutigen Halbfinal (15 Uhr) gegen Titelverteidiger Stan Wawrinka zeigen

Ulrike Weinrich, Paris
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Andy Murray hat zwei Gesichter: Hier ist er der wütende und schimpfende Rottweiler.

Andy Murray hat zwei Gesichter: Hier ist er der wütende und schimpfende Rottweiler.

KEYSTONE/AP/CHRISTOPHE ENA

Im römischen Foro Italico erlebte man erst neulich die supersympathische Seite des unberechenbaren Highlanders. Andy Murray erzählte nach seinem Turniersieg in Italiens Hauptstadt gegen Novak Djokovic von seiner kleinen Tochter. «Das Letzte, was ich mir vor dem Gang auf den Court angeschaut habe, war ein Bild von ihr», sagte der Weltranglistenzweite aus Schottland über die dreimonatige Sophia Olivia Murray.

Andy Murray bei seiner Hochzeit als galanter Genteleman.

Andy Murray bei seiner Hochzeit als galanter Genteleman.

Keystone

In den Tagen von Paris hat der fürsorgliche Daddy – ungeachtet seines Halbfinal-Einzugs beim French Open – allerdings schon all seine anderen Gesichter gezeigt. Auch diese eine hässliche Fratze. Dann fletscht Murray, der heute auf Titelverteidiger Stan Wawrinka trifft, die Zähne wie ein wütender Rottweiler und schimpft vorwurfsvoll in Richtung seiner Box.

Andy Murray und Amélie Mauresmo trennen sich im Guten.

Andy Murray und Amélie Mauresmo trennen sich im Guten.

KEYSTONE/AP/SANG TAN

Dort sitzt allerdings nicht mehr seine Trainerin Amélie Mauresmo. Nach zweijähriger erfolgreicher Zusammenarbeit hatten sich die Wege der besonnenen Französin und des stolzen Schotten Anfang Mai getrennt. Und Mauresmo machte keinen Hehl daraus, dass dies auch mit dem Verhalten von Murray zu tun hatte. «Andy ist eine komplexe Person. Auf dem Platz kann er das Gegenteil von dem sein, was er im Leben ist. So etwas kann verwirrend sein», sagte die zweimalige Grand-Slam-Siegerin der Zeitung «L’Équipe» und fügte an: «Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn nicht mehr weiterbringen kann.»

Murray zeigt Gefühle:

Wahr ist, dass Mauresmo (36) seit vergangenem August Mutter eines Sohnes ist und nicht mehr so viel reisen wollte. Wahr ist aber auch, dass sich die Melbourne- und Wimbledonsiegerin von 2006 beim Turnier in Miami im März demonstrativ nicht mehr in die Murray-Box setzte – sondern ein paar Reihen entfernt. «Jeder hat gewisse Dinge sehen können», erklärte Mauresmo. Will heissen: Die ehemalige Nummer eins hatte keine Lust mehr darauf, Ziel der Schimpftiraden von Motzki Andy zu sein. Dieser behauptet, er brauche die gelegentlichen Ausraster, um Druck abzulassen.

Im direkten Vergleich mit seinem morgigen Gegner führt der Schotte knapp.

Im direkten Vergleich mit seinem morgigen Gegner führt der Schotte knapp.

atp

Murray dementierte aber Gerüchte, die Trennung habe mit seinem «ab und an nicht gerade vorbildlichen» Verhalten «on court» zu tun. «Wir haben immer noch ein gutes Verhältnis zueinander», sagte der 29-Jährige, der vor zwei Jahren mit der Verpflichtung eines weiblichen Coaches für Aufsehen gesorgt hatte. Das brachte dem US-Open- (2012) und Wimbledon-Champion (2013) den Spitznamen «Frauenversteher» ein.

Starke Auftritte in Paris

Aber auch ohne Mauresmo an seiner Seite präsentiert sich Rom-Sieger und Madrid-Finalist Murray in Paris inzwischen in guter Verfassung. Nach seinen beiden Fünfsatzkrimis zum Auftakt entzauberte der Wahl-Londoner, der als Kind einen Amoklauf an seiner Schule in Dunblane überlebte, im Viertelfinal den Franzosen Richard Gasquet.

Bei den anderen drei Major-Turnier stand Murray bereits mindestens einmal im Final – bei den French Open bislang noch nicht. «Deswegen wäre es schön, auch hier mal das Endspiel zu erreichen», sagte die Nummer zwei der Welt und fügte rasch an: «Aber eigentlich bin ich hier, um das Turnier zu gewinnen.» Seine kleine Tochter ist übrigens mit dabei beim bedeutendsten Sandplatzturnier. Gute Voraussetzungen – in jeglicher Hinsicht.