French Open
Weiterhin im Glücksrausch

Tennis Timea Bacsinszky besiegt Venus Williams und vergiesst viele Freudentränen

Petra Philippsen, Paris
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Ein Küsschen für die Fans: Timea Bacsinszky gewohnt emotional.freshfocus

Ein Küsschen für die Fans: Timea Bacsinszky gewohnt emotional.freshfocus

Erika Tanaka/freshfocus

Timea Bacsinszky wollte am liebsten die ganze Welt umarmen. Da stand sie, mitten auf dem Court Suzanne Lenglen umhüllt vom Jubel der Fans. Und sie schlug die Hände vor ihr strahlendes Gesicht, über das einige Freudentränen kullerten.

Die 26-jährige Lausannerin war in den Viertelfinal des French Open eingezogen, aber sie hätte auch nicht glücklicher aussehen können mit der Sieger-Trophäe in ihren Händen. Serena Williams hatte parallel auf dem Court Philippe Chatrier ihren Sieg recht nüchtern quittiert, für die Ausnahmekönnerin sind Viertelfinaleinzüge eben Alltagsroutine. Nicht aber für Bacsinszky, sie saugt jeden dieser Momente wie eine Kostbarkeit auf. «Für mich ist das alles immer noch unwirklich», schwärmte sie, «von einem Viertelfinal träumt doch jede Spielerin. Klar, manche schaffen das dauernd, aber mein drittes Mal fühlt sich immer noch unglaublich an. Ich will das nur geniessen.»

Erstmals pünktlich

Gegen Serenas ältere Schwester Venus gewann Bacsinszky mit 6:2 und 6:4, und das erstmals in ihrer Karriere. Mehr Glückrausch ging nicht – oder doch? «Seht her – ich bin pünktlich, zum ersten Mal», rief Bacsinszky munter in die Medienrunde im Pressekonferenzsaal von Roland Garros. «Das ist doch ein Riesenfortschritt oder? Ich sollte dafür einen Preis bekommen.»

In jedem Fall wäre sie die heisseste Kandidatin auf eine Trophäe für die übersprudelndste Lebensfreude. «Gegen eine Spielerin wie Venus zu gewinnen, ist einfach fantastisch», sagte Bacsinszky. Zwar hatte sie gleich mit dem Aufschlagverlust begonnen, aber dann diktierte nur noch die Lausannerin das Geschehen. Acht Spiele in Folge gewann sie, die Partie war gedreht. Venus Williams, die sich im schmuddeligen Pariser Wetter gar mit einer Daunenjacke einschlug, wurde scheinbar nie richtig warm. «Im ersten Spiel hat sie Fehler gemacht, in den letzten zwölf Games habe nur noch ich die Fehler gemacht», meinte die 35-jährige US-Amerikanerin mit viel Selbstironie.

Inspiriert von der Gegnerin

Es war keiner ihrer guten TennisTage, Williams leidet an einer Autoimmun-Erkrankung. Dass sie sich trotzdem wieder bis auf Platz elf der Weltrangliste gekämpft hat und damit nur zwei Ränge hinter Bacsinszky steht, ringt der Lausannerin grossen Respekt ab. «Venus ist so eine Inspiration für mich», sagte sie, «es ist unglaublich, wie lange sie schon auf der Tour ist und auch wenn sie mit ihrer Gesundheit zu kämpfen hat. Sie ist eine der ganz Grossen.»

Brüche im Leben kennt Bacsinszky auch. Ihre «zweite Karriere», wie sie ihren Neustart 2013 beim French Open nennt, hat ihr die Demut bewahrt und die ungetrübte Freude über jeden Erfolg, den sie auf der Tour erlebt. Viele würden sagen, dass auch ihre bewegte Biografie andere Spielerinnen inspirieren könnte. «Das wäre eine Ehre für mich – aber ich glaube es nicht», sagt sie und fängt an zu lachen: «Vorgestern wurden wegen des Regens nur für mich und Andy Murray zwei Trainingsplätze aufgedeckt und ich hörte, wie einige der Juniorenspieler fragten: ‹Wer ist denn diese Bacsinszky? Wieso kriegt die einen Platz?› Also die habe ich sicher nicht inspiriert ...»

Sie sei da ganz anders gewesen früher. Sie habe als Juniorin am ganzen Körper gezittert, wenn die Topspielerinnen in der gleichen Umkleide waren. Aber Timea Bacsinszky ist ja auch etwas Besonderes. Und heute geht gegen Kiki Bertens der Glücksrausch vielleicht noch weiter.

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