Schon nach dem ersten Spiel, das mehr Fragen als Antworten zu seinem Formstand geliefert hatte, war das so. Federer sagte: «Es muss besser werden, es muss eine Steigerung her.»
Es wurde besser, aber nur marginal. Wieder kam der achtfache Basel-Sieger schlecht aus den Startblöcken. Gegen den Deutschen Jan-Lennard Struff (28, ATP 52) lag er mit 1:3 hinten.

Wieder hatte er Mühe mit dem Aufschlag, sonst seine schärfste Waffe. Fünf Doppelfehler unterliefen ihm diesmal, immerhin einer weniger als in der Startpartie, in der er allerdings drei Sätze spielen musste. Wieder sagte Federer: «Ich weiss nicht, was los ist. Es muss aufhören. Ich mache zu viele Doppelfehler.» Diesmal aber half, dass auch der Gegner nicht seinen besten Tag hatte. 6:3, 7:5 lautete das Verdikt. Doch so selbstverständlich, wie sich das auf dem Papier liest, ist das dieser Tage nicht.

Als Sieger fällt es deutlich leichter, sich in Selbstkritik zu üben. Es ist wohl auch dringend nötig. Denn seit dem fulminanten Start ins Jahr mit den Siegen in Melbourne und Rotterdam, die in der Rückkehr auf den ersten Rang der Weltrangliste gipfelte, fehlt Federers Spiel das gewisse Etwas. Hatte er in den beiden ersten Monaten des Jahres noch fünf der sechs Duelle gegen Spieler aus den Top Ten für sich entschieden, hat er seither alle drei gegen die Besten verloren. Mehr noch: Er verlor auch gegen deutlich schlechter klassierte Gegner wie Thanasi Kokkinakis (ATP 175) oder John Millman (ATP 55).

Nun legte er die Scheuklappen ab

Zwar erreichte er in Cincinnati den Final und in Schanghai den Halbfinal, doch überzeugen konnte er dabei nur selten. Noch vor wenigen Tagen hatte er sich gegen kritische Voten gewehrt, als er sagte: «Ich weiss, die Leute sagen, Schanghai sei für mich ein Scheiss gewesen.» Er selber fand, er habe gar nicht so schlecht gespielt. Doch auch ihm ist nicht entgangen, dass der Aufschlag nicht die erhoffte Wirkung entfaltete.

Er sei überrascht gewesen, wie gut die Gegner seinen Service retourniert hätten. In China sah er noch die Unterlage als Grund dafür. Ihretwegen sei der Kick-Service zum Slice mutiert – das habe ihm geschadet. Die Aufschläge hätten sehr genau sein müssen. «Vielleicht war meiner nicht so präzise wie sonst, allerdings bin ich auch auf sehr starke Returnspieler getroffen.»

Von dieser Zeitung danach gefragt, mit welchen Aspekten seines Spiels er derzeit zufrieden sei und mit welchen er zu kämpfen habe, sagte er: «Grundsätzlich sehe ich keine Baustellen.» Nun legte er die Scheuklappen ab. Nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Schon in der einmonatigen Pause nach der verpassten Titelverteidigung in Wimbledon hatte er sich kritisch hinterfragt. Er wollte nicht in alte Muster verfallen, offensiv spielen, nicht konservativ, befreit und inspiriert. Es gelang ihm nur selten. Ständig war er auf der Suche nach der Balance und Klarheit im Spiel. Erst in Basel lieferte er eine weitere mögliche Erklärung dafür, weshalb dem so war: den Sommer hindurch hatte ihm eine Verletzung am rechten Handgelenk zu schaffen gemacht. Nun aber behindere sie ihn nicht mehr.

Ein Sieg als Schritt in die richtige Richtung

Das ist eine gute Nachricht. Es bedeutet, dass Federer sich auf sein Spiel konzentrieren kann. Denn die Resultate täuschten lange Zeit darüber hinweg, dass ihm die Leichtfüssigkeit und die Unbeschwertheit abhandengekommen waren, die ihn seit der Rückkehr nach einer halbjährigen Pause 2016 ausgezeichnet hatten. Das Spiel gegen Jan-Lennard Struff war diesbezüglich ein Schritt in die richtige Richtung. Es war ein Sieg, ohne Zittern. Und das ist dieser Tage alles andere als selbstverständlich.

In den Viertelfinals trifft Roger Federer am Freitagabend auf den Franzosen Gilles Simon (ATP 32). Dieser setzte sich nach zwei Tiebreaks gegen den Letten Ernests Gulbis (ATP 104) durch. Gegen beide Spieler hat Federer nebst insgesamt neun Siegen (6 gegen Simon, 3 gegen Gulbis) je zweimal verloren.